Josef Reppenhorst im Gespräch mit Dr. Anna Punke-Dresen
- vor 8 Stunden
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Wer steckt hinter dieser neuen Rubrik und was möchte sie für einen Mehrwert bieten?
Portraits über Menschen im gemeinnützigen Bereich findet man auch an anderer Stelle. Wir erinnern uns zum Beispiel an die „Köpfe“ in der Stiftungsbeilage der Wochenzeitung DIE ZEIT. Mit dieser Rubrik „Mensch des Monats“ möchten wir Menschen hinter einer Führungsposition besser kennenlernen. Dafür hat Dr. Anna Punke-Dresen diese Rubrik ins Leben gerufen.
Anna Punke-Dresen ist selbst seit über 15 Jahren in diversen Funktionen und Kontexten sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im gemeinnützigen Sektor unterwegs - unter anderem als Vorständin von Hamburger mit Herz e.V. und seit 2023 Leitung Fundraising der Abteilung Engagement & Partnerschaften bei der Hamburger Kunsthalle in Doppelspitze.
Schreiben und gemeinnütziges Engagement sind die beiden Pfeiler, die ihren Werdegang prägen.
Mit dieser monatlichen Rubrik möchte sie einige spannende Personen aus ihrem Netzwerk in persönlichen Gesprächen fragen, wie und warum sie sich selbst im gemeinnützigen Bereich engagieren. Welche Ehrenämter werden zusätzlich zum Hauptamt gepflegt? Was treibt sie dazu an? Was bedeutet Engagement für sie und welche Learnings und Botschaften bringt das für sie mit?

Unser Mensch des Monats ist Josef Reppenhorst. Im Münsterland geboren, zog er schon mit 21 Jahren nach Hamburg. Dort entdeckte er über ein Ehrenamt Hamburg Leuchtfeuer und diese Herzensverbindung steht bis heute. Zuletzt wechselte er von der Leitung der Fundraising-Abteilung in den Vorstand der Leuchtfeuer Stiftung, um Zustiftende zu gewinnen. Hamburg Leuchtfeuer beschäftigt heute 70 hauptamtlich und 80 ehrenamtlich Mitarbeitende. Neben dem Hospiz auf St. Pauli und der Trauerbegleitung, Bildung und Bestattung im Lotsenhaus in Altona bietet Hamburg Leuchtfeuer mit Festland ein Wohnprojekt für junge chronisch kranke Menschen und mit Aufwind eine Begleitung für Menschen mit HIV.
Um weitere gemeinnützige Projekte zu initiieren und das Bestehende auch für nächste Generationen finanziell sicherzustellen, ist die Leuchtfeuer Stiftung nun stärker auf Wachstum ausgerichtet.
Lieber Josef, ich möchte in dieser Rubrik jedem*r Interviewpartner*in die gleiche Einstiegsfrage stellen: Wann und wo hast Du Dich zum allerersten Mal ehrenamtlich engagiert?
Zwei Großtanten von mir lebten als Ordensschwestern in Simbabwe und meine Familie schickte regelmäßig Pakete mit Medikamenten. Wir Kinder hatten die Aufgabe, die Pakete möglichst effizient und platzsparend zu packen. Dabei erzählten unsere Eltern, vor welchen Herausforderungen die Menschen dort stehen. Ich erinnere das Gefühl der Begeisterung: Je effizienter wir packten, umso größer war unsere Hilfe.
Du hast viele Jahre den Bereich Fundraising bei Hamburg Leuchtfeuer geleitet und dort aufgebaut - nun bist Du vor kurzem in den Vorstand der Leuchtfeuer Stiftung gewechselt. Wie ist Dein Werdegang?
Mit 21 Jahren kam ich als Ehrenamtlicher zu Hamburg Leuchtfeuer. Mit Spendendosen und Schildern zogen wir damals auf Straßenfesten und Sportveranstaltungen durch die Menschenmassen, um Geld für ein Aids-Hospiz in Hamburg zu sammeln. Ein Jahr später gab ich meinen damaligen Job in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf, um mich gemeinsam mit zwei Kollegen beruflich für Hamburg Leuchtfeuer zu engagieren. Drei Monate später hatten wir schon ein 20-köpfiges Team bestehend aus Krankenpfleger*innen und Sozialpädagog*innen. Später haben wir dann das Hospiz auch für Menschen mit anderen schweren Erkrankungen geöffnet und weitere gemeinnützige Projekte kamen hinzu. Nach wie vor ist es für mich eine Herzensangelegenheit, mich für Hamburg Leuchtfeuer zu engagieren. Zuletzt als Leiter der Fundraising-Abteilung und nun als Vorstand Philanthropie der Leuchtfeuer Stiftung.
Welche Fundraising-Themen haben Dich und Dein Team in diesem Jahr schon beschäftigt und was kommt 2026 noch auf Euch zu?
In diesem Jahr beschäftigen uns im Fundraising vor allem zwei Entwicklungen intensiv: Zum einen der Aufbau eines neuen Philanthropie-Bereichs innerhalb unserer Stiftung. Damit schaffen wir die Möglichkeit, Menschen, die sich langfristig und auf besondere Weise engagieren möchten, noch gezielter anzusprechen und zu begleiten. Konkret geht es darum, Zustifter*innen zu gewinnen und zu begeistern. Also Menschen, die das Stiftungsvermögen stärken und damit unsere Arbeit dauerhaft absichern. Für uns bedeutet das, noch individueller zu arbeiten, Beziehungen zu vertiefen und echtes Vertrauen weiter wachsen zu lassen.
Gleichzeitig erleben wir, dass der Spendenbedarf insgesamt steigt. Das erfordert von uns noch mehr strategische Klarheit, Verlässlichkeit in den Prozessen und eine hohe Disziplin in der täglichen Fundraising-Arbeit.
Was uns dabei trägt, ist etwas sehr Wertvolles: Wir hatten schon immer großartige, engagierte Förder*innen an unserer Seite. Menschen, die Hamburg Leuchtfeuer verbunden sind und unsere Arbeit mit großem Vertrauen begleiten. Darauf bauen wir weiterhin.
Unser Ziel für die Stiftung ist klar: Alles dafür zu tun, damit schwer und chronisch kranke Menschen, Sterbende und Trauernde in Hamburg auch in Zukunft nicht allein gelassen werden. Sie sollen sich weiterhin auf die Solidarität und das Mitgefühl der Hamburger*innen verlassen können.
Wie wichtig sind für Dich Kooperationen und Netzwerke?
Sehr wichtig! Gerade auch für regionale NGOs wie Hamburg Leuchtfeuer. Mit der Initiative „Mein Testament für Hamburg“ zum Beispiel treten wir gemeinsam mit acht weiteren Stiftungen an die Öffentlichkeit, um auf die Sinnhaftigkeit gemeinnütziger Testamente für Hamburg aufmerksam zu machen. Ich bin fest davon überzeugt, gemeinsam mehr zu erreichen.
Welche Tipps hast Du für unsere Leser*innen hinsichtlich Beziehungspflege im Fundraising?
Gerade habe ich mich dank Ulrich Reiters Buch „Das Fundraising-Rad“ wieder mehr mit der Resonanztheorie des Soziologen Hartmut Rosa beschäftigt. Rosa beschreibt, welche Faktoren es braucht, um wirkliche Beziehungsräume entstehen zu lassen, in denen wir berührt werden und unsere jeweilige Selbstwirksamkeit spüren. Manchmal braucht es Mut, den Fokus in wichtigen Gesprächen auf das Gefühlte zu legen, statt sich zu umfänglich in Fakten zu verlieren.
Und zum Schluss: Drei Fragen & Antworten
Welches Buch hast Du zum Thema Ehrenamt oder Engagement gelesen, das Dich nachhaltig beeindruckt hat?
Weil ich die beiden Autor*innen sehr schätze: „Großspenden-Fundraising, Wege zu mehr Philanthropie“ von Marita Haibach und Jan Uekermann. Darüber habe ich gelernt, wie wichtig es neben der Beziehungspflege ist, klare Konzepte und Strategien zu entwickeln und fortzuführen.
Wenn Du einen Wunsch für den gemeinnützigen Sektor frei hättest welcher wäre das?
Dann wäre es mein Wunsch, die Initiative #VertrauenMachtWirkung (www.vertrauen-macht-wirkung.de) zu stärken. Gemeinsam haben wir dort neun Thesen für die Zukunft von Stiftungen entwickelt. Dazu zählen Diversität und Transparenz, Innovation bis hin zu Impact Investing.
Was möchtest Du unseren Leser*innen mit auf den Weg geben? Was ist Dein Credo?
Brücken bauen, zuhören, aufrichtig sein und Resonanz mit Zuversicht und Freude entstehen zu lassen.

Josef Reppenhorst
Vorstand
Leuchtfeuer Stiftung
Foto: Hendrik Lüders




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