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Unternehmensphilanthropie wird an Partnerschaften gemessen – nicht an Millionen!

  • vor 4 Tagen
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Kelly Jo Lihaven von der Bank of America beschäftigt sich intensiv mit der Kraft von Partnerschaft und der Frage, wie Förderungen nachhaltige Veränderung ermöglichen.


Von Becky Gilbert

Nico Reis

Becky Gilbert ist Fundraising-Expertin mit langjähriger Erfahrung in gemeinnützigen Organisationen in Deutschland und den USA. Ihr Fokus liegt auf Großspenden, Philanthropie, Kapitalkampagnen, Fördernetzwerken und der Mobilisierung ehrenamtlichen Engagements. Ihr Wissen gibt sie mit Begeisterung als Beraterin, Coach und Autorin weiter, immer mit dem Ziel, Menschen für eine starke, nachhaltige Zivilgesellschaft zu gewinnen. Seit 2014 gehört Becky zu dem weltweit anerkannten Kreis von Fundraiser:innen, die das Certified Fund Raising Executive (CFRE)-Zertifikat tragen. Und seit Februar ist sie im Team von neues-stiften mit dabei.

Foto: privat

„Der entscheidende Faktor für erfolgreiche gesellschaftliche Wirkung ist Zusammenarbeit.“

Für Kelly Jo Lihaven ist dieser Satz weit mehr als eine Überzeugung – er beschreibt den Kern moderner Unternehmensphilanthropie. Wirkung entsteht aus ihrer Sicht nicht allein durch die Höhe einer Förderung, sondern vor allem durch die Qualität der Partnerschaften, die daraus hervorgehen.

Als Head of Philanthropy & Social Investment im Global Community Opportunity Team der Bank of America in London verantwortet Lihaven die weltweite Plattform für philanthropisches Engagement der Bank in Europa, dem Nahen Osten und Afrika und arbeitet direkt mit mehr als 50 gemeinnützigen Organisationen zusammen.

Dabei bewertet sie philanthropische Wirkung nicht anhand der Anzahl der geförderten Organisationen oder der Finanztransaktionen. Vielmehr sieht sie den Erfolg in einem kollaborativen Prozess. Unternehmensphilanthropie werde häufig missverstanden, weil Wirkung oft eindimensional betrachtet werde – ausschließlich anhand der Ergebnisse, die sich unmittelbar aus der Höhe der eingesetzten Mittel ergeben. Tatsächlich liege der eigentliche Wert jedoch in den Partnerschaften selbst.


Milliarden bewegen viel – Partnerschaften noch mehr

Als sechstgrößte Bank der Welt gemessen an der Bilanzsumme ist die Bank of America ein bedeutender Akteur in der Unternehmensphilanthropie. Weltweit unterstützt die Bank jedes Jahr mehr als 1.200 gemeinnützige Organisationen mit philanthropischen Fördermitteln und fördert zugleich das Spenden- und Freiwilligenengagement ihrer Mitarbeitenden in großem Umfang. Im Oktober 2025 kündigte sie eine fünfjährige Initiative im Umfang von 250 Millionen US-Dollar zur Bekämpfung von Hunger und anderen grundlegenden Versorgungsproblemen in den USA an.

Diese Größenordnung steht stellvertretend für einen globalen Trend. Nach Schätzungen des World Economic Forum belief sich die weltweite Unternehmensphilanthropie im Jahr 2022 auf rund 71 Milliarden US-Dollar (etwa 66 Milliarden Euro) und machte damit rund elf Prozent der weltweiten philanthropischen Leistungen aus. Etwa ein Fünftel dieser Mittel entfiel auf Europa – rund 14 Milliarden US-Dollar beziehungsweise etwa 13 Milliarden Euro.

Lihaven teilte ihre Perspektive bei Outcome First – Modelle wirkungsorientierter Finanzierung, einer Veranstaltung von JOBLINGE, der BMW Foundation Herbert Quandt und der Unternehmerstiftung für Chancengerechtigkeit gGmbH in Hamburg.


Warum Partnerschaften mehr bewirken als Geld allein

Ein Beispiel für die Unternehmensphilanthropie der Bank of America in Deutschland ist ihre mehrjährige Partnerschaft mit der „K9“, einer Initiative in der Bankenmetropole Frankfurt mit niedrigschwellig zugänglichen Angeboten für suchtkranke Menschen, die ihre Lebenssituation verändern wollen. Die Unterstützung der Bank ermöglicht berufliche Qualifizierung, psychosoziale Begleitung sowie die Vermittlung in Beschäftigung für besonders gefährdete Menschen.

Für Lihaven liegt die eigentliche Bedeutung dieser Zahlen jedoch darin, was sie ermöglichen. Ihre eigene Rolle beschreibt sie schlicht: „Ich sehe mich als Macherin, und dadurch, dass ich so lange aktiv tätig bin, habe ich meine Expertise entwickelt.“

Die Philanthropieexpertin stammt aus Vancouver in Kanada, hat international studiert, sich ehrenamtlich engagiert und berufliche Erfahrungen in verschiedenen Ländern gesammelt. Diese internationale Ausrichtung prägt ihren Blick auf Unternehmensphilanthropie über nationale Grenzen hinaus. Wirkung kann für sie nur dann entstehen, wenn gemeinsame Ziele von Förderern, gemeinnützigen Organisationen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen entwickelt und verfolgt werden. Finanzielle Mittel sind dabei unverzichtbar; ebenso wichtig sind jedoch Vertrauen, Beziehungen und die Bereitschaft, Partnerschaften aufzubauen, die nachhaltige Lösungen ermöglichen.


Drei Prinzipien erfolgreicher Unternehmensphilanthropie

Anstatt Philanthropie als eine einfache Finanztransaktion zwischen Fördernden und Geförderten zu verstehen, stellt Lihaven verbreitete Vorurteile infrage. Eines der hartnäckigsten Missverständnisse über Unternehmensphilanthropie sei ihrer Ansicht nach, „dass es dabei nur um Markenpflege und um ‚Big Business‘ geht.“

Stattdessen nennt sie drei zentrale Elemente des Ansatzes der Bank of America:

  • Kreativität, insbesondere bei der Förderung von Innovationen – von den Ideen bis hin zu den Finanzierungsmodellen;

  • Synergien durch langfristige Strategien schaffen, die zusätzliche Finanzierung anstoßen; und

  • das Zusammenbringen unterschiedlicher Akteure.

„Echte Partnerschaft“, so Lihaven, „beginnt mit Transparenz und dem Aufbau von Vertrauen.“ Diese Haltung erweitert den Blick für gemeinnützige Organisationen und andere Partner im Bereich gesellschaftlicher Wirkung. Anstatt ausschließlich zu fragen: „Wer finanziert diese Arbeit?“, sollten sie vielmehr fragen: „Wer kann dazu beitragen, diese Arbeit wirksamer zu machen?“


Der Perspektivwechsel, der Zusammenarbeit verändert

Dieser Unterschied ist entscheidend. Komplexe gesellschaftliche Herausforderungen lassen sich selten durch das Handeln einer einzelnen Organisation lösen. Wirksame Lösungen beruhen auf der Zusammenarbeit von Förderern, umsetzenden Organisationen, Unternehmen und öffentlichen Institutionen, die jeweils unterschiedliche Ressourcen, Fachkenntnisse und Perspektiven einbringen.

Kelly Jo Lihaven ermutigt Organisationen deshalb, über ihre jeweilige Einzelrolle hinauszudenken und zu überlegen, wie gemeinsames Handeln stärkere Ergebnisse hervorbringen kann, als eine einzelne Institution allein erreichen könnte. Nur so kann die Wirkung um ein Vielfaches erhöht werden.

Ausgehend von fast zwei Jahrzehnten Erfahrung in diesem Bereich ist sie überzeugt, dass sich der Sektor zunehmend professionalisiert, weil Organisationen den Zusammenhang zwischen sozialem Engagement und den übergeordneten Unternehmenszielen immer besser verstehen. Einfach ausgedrückt: „Es gibt kein erfolgreiches Unternehmen ohne eine gesunde Gesellschaft.“


Wirkung braucht Geduld – und den Mut zu investieren

Darüber hinaus verweist sie auf Finanzierungsinstrumente wie Blended Investments, katalytisches Kapital und sogenannte First-Loss-Ansätze, bei denen frühe Finanzierung Risiken reduziert und weitere Partner dazu ermutigt, sich zu beteiligen.

Da die Erwartungen an Transparenz und Rechenschaftspflicht weiter steigen, betont Lihaven die Bedeutung einer fundierten Wirkungsmessung. Quantitative und qualitative Erkenntnisse müssten miteinander verbunden werden, um Ergebnisse zu verstehen, Entscheidungen zu fundieren und Fortschritte nachvollziehbar zu kommunizieren.

Dabei greift sie auch auf ihren eigenen Hintergrund in den Bereichen Fernsehproduktion, Schreiben, Storytelling und interkulturelle Kommunikation zurück. Denn – wie sie unterstreicht – „man kann nicht einfach um Finanzierung bitten, ohne belastbare Nachweise vorzulegen.“

Ebenfalls unterstreicht sie die Bedeutung von Geduld. Nachhaltiger gesellschaftlicher Wandel verläuft nur selten geradlinig. Frühe Investitionen sind häufig notwendig, um neue Ansätze zu erproben, Evidenz aufzubauen und die Voraussetzungen für eine breitere Unterstützung zu schaffen.

Wie Lihaven es beschreibt, gleicht Fortschritt „einem Schneeballeffekt – manchmal langsam, manchmal schnell, aber immer in seinem eigenen Tempo. Genau deshalb ist Beständigkeit entscheidend.“


Fazit: Vertrauen ist die eigentliche Währung

Was stimmt sie optimistisch? Sie verweist auf Initiativen und Netzwerke, die bereit sind, Menschen, Ideen und Ressourcen zusammenzubringen, um nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen. Organisationen wie JOBLINGE hebt sie dabei besonders hervor. Zugleich sieht sie eine wichtige Rolle für jüngere Generationen, die etablierte Denkweisen hinterfragen und neue Perspektiven einbringen. „Führung bedeutet heute vor allem, aktiv zuzuhören.“

Auf die Frage von neues stiften, wie dem schwindenden Vertrauen der Öffentlichkeit in Institutionen begegnet werden könne, fällt Lihavens Antwort eindeutig aus: „Verantwortungsvolles Wachstum. Es ist der Kern jedes Unternehmens. Weichen Sie davon nicht ab – und schaffen Sie weiterhin Mehrwert für Stakeholder, Kundinnen und Kunden sowie die Gesellschaft.“

Anstatt Erfolg als bloße Gegenüberstellung von Input und Output zu definieren, macht Kelly Jo Lihavens Verständnis deutlich, dass sich Unternehmensphilanthropie letztlich an der Stärke der Partnerschaften misst, die sie aufbaut – und an der gemeinsamen Wirkung, die diese Partnerschaften ermöglichen.


Bei inhaltlichen Fragen erreichen Sie Becky Gilbert unter b.gilbert@neues-stiften.de.


Stephanie Reuter

Kelly Jo Lihaven verantwortet als Head of Philanthropy & Social Investment im Global Community Opportunity Team der Bank of America in London die philanthropische Plattform der Bank für Europa, den Nahen Osten und Afrika.

Foto: JOBLINGE/Christoph Timmer


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