Nachruf: Klaus-Michael Kühne - mit seinem Tod verliert Hamburg einen großen Mäzen
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Von Andreas Schiemenz
In dieser Woche ist der Unternehmer, Milliardär, Mäzen und Stifter Klaus-Michael Kühne im Alter von 89 Jahren verstorben. Klaus-Michael Kühne mit einem Wort zu beschreiben, fällt schwer, vielleicht ist „kantig“ der treffendste Begriff. Wie kaum ein anderer Unternehmer hat er die Kunst- und Kulturlandschaft in seiner Heimatstadt Hamburg geprägt. Und auch der HSV als sein Herzensfußballverein konnte durch seine Großzügigkeit überleben.
Als ich ihm das erste Mal begegnete, hat mich zuerst seine körperliche Präsenz beeindruckt. Seine Körpergröße und das kantige Gesicht haben Räume gefüllt. Von Anfang an war klar: Hier ist jemand, der feste Vorstellungen hat und klare Positionen vertritt. Und stets an seiner Seite: seine Ehefrau Christine.
Der reiche Onkel für finanzielle Notlagen
Doch nicht alle haben ihn für sein finanzielles Engagement geliebt. Er war, so schreibt es die ZEIT, so etwas wie der „reiche Onkel aus Amerika“. Wenn man Geld brauchte, rief man ihn an und war dankbar für seine Unterstützung. Aber Kühne ließ sich bei aller Großzügigkeit nicht verbiegen, er trat für seine Interessen und seine Meinungen öffentlich auf, was ihm das Attribut „streitbar“ verschaffte. Kaum ein Vermögender wurde so umgarnt und gleichzeitig so kritisiert.
Er verlagerte den Firmensitz in die Schweiz, um Steuern zu sparen. Doch gleichzeitig verschaffte er durch sein Engagement bei Hapag-Lloyd Hamburg Dividenden in Milliardenhöhe. Hamburg hat ihm viel zu verdanken. Als Unternehmer ebenso wie als Mäzen.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher fasst es so in Worte: „Der HSV, die Kultur, vor allem die Oper, und die maritime Logistik gehören zu den großen Ambitionen von Klaus-Michael Kühne.“ Tschentscher weiter: „Klaus-Michael Kühne war ein ambitionierter Unternehmer, harter Verhandler und streitbarer Mensch. Er arbeitet, wenn es sein muss, bis in die Nacht, scheute nicht den Konflikt und war doch immer bereit zur Einigung und verlässlicher Partner.“
Die Europazentrale seines Logistikunternehmens, das von ihm entworfene Hotel The Fontenay und die Kühne Logistics University haben ihren Sitz in Hamburg. Die geplante neue Oper in Hamburg geht auf seine Initiative zurück, und die dafür von ihm gegründete Stiftung übernimmt einen wesentlichen Teil der Finanzierung. Für ihn hatte die „alte Oper“ nicht die Strahlkraft, die seine Heimatstadt verdient.
Vom Kaufmann zum Milliardär
Klaus-Michael Kühne machte aus einem mittelständischen Unternehmen einen weltumspannenden Konzern und wurde selbst zum Multimilliardär. Doch gleichzeitig mit seinem Tod geht das Firmenvermögen in eine gemeinnützige Stiftung über.
Dass er die Dämonen der Vergangenheit nicht wecken wollte und sich weigerte, die Firmenaktivitäten im Dritten Reich aufzuarbeiten, ist nicht untypisch für die Generation des 1937 geborenen Hamburgers. Die Vorwürfe wegen dieser Weigerung wischte er beiseite und blieb gleichzeitig seiner Liebe zu Hamburg treu.
Bereits 1976 wurde die Kühne-Stiftung durch Klaus-Michael Kühne und seine Eltern gegründet. Sie engagiert sich in den Bereichen Logistik, Medizin, Klima und Kultur. Die Familie war davon überzeugt, dass unternehmerischer Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung vereinbar ist. Die größten Projekte sind die Kühne Logistics University in Hamburg sowie der Medizin Campus Davos AG. Als wichtiger Förderer unterstützt die Stiftung die Hamburger Elbphilharmonie, die Salzburger Festspiele und das Opernhaus Berlin. Dr. Jörg Dräger, Geschäftsführender Stiftungsrat der Kühne-Stiftung, spricht im Podcast „New Philanthropy“ von neues stiften über die Verantwortung der Stiftung (https://new-philanthropie-podcast.podigee.io/5-neue-episode).
Kühnes Erbe ist die kapitalstärkste Stiftung in Europa
Die gemeinnützige Stiftung erbt das Unternehmenskapital, das auf über 30 Milliarden Euro geschätzt wird. Den größten Vermögenswert bilden dabei die Beteiligungen an Unternehmen, die in der Kühne Holding AG gebündelt sind. Dazu gehören u. a. mehr als 50 Prozent an Kühne+Nagel, ca. 30 Prozent an Hapag-Lloyd und rund 20 Prozent an der Lufthansa. Die Stiftung wird mit diesem Erbe zum Verwalter und Gestalter des unternehmerischen Vermögens. Damit wird aus dem bis dato privaten Vermögen von Klaus-Michael Kühne ein philanthropisches Dauervermögen. Damit dürfte die Kühne-Stiftung nach der Novo Nordisk Foundation die vermögendste Stiftung in Europa und mit Abstand die größte in Deutschland werden.
Andreas ist Schiemenz ist Philantropie-Berater, Fundraising-Ikone, Buchautor und Mitgründer von neues-stiften.de. Er traf Klaus-Michael Kühne in Hamburg.

Milliardär und Mäzen Klaus-Michael Kühne starb mit 89 Jahren in seinem Haus in der Schweiz.
Foto: Kühne-Stiftung



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