Nina Greb im Gespräch mit Dr. Anna Punke-Dresen
- jschumacher84
- 10. Nov. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Dez. 2025
Wer steckt hinter dieser neuen Rubrik und was möchte sie für einen Mehrwert bieten?
Portraits über Menschen im gemeinnützigen Bereich findet man auch an anderer Stelle. Wir erinnern uns zum Beispiel an die „Köpfe“ in der Stiftungsbeilage der Wochenzeitung DIE ZEIT. Mit dieser Rubrik „Mensch des Monats“ möchten wir Menschen hinter einer Führungsposition besser kennenlernen. Dafür hat Dr. Anna Punke-Dresen diese Rubrik ins Leben gerufen.
Anna Punke-Dresen ist selbst seit über 15 Jahren in diversen Funktionen und Kontexten sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im gemeinnützigen Sektor unterwegs - unter anderem als stellvertretende Leiterin des Kreises Junge Menschen und Stiftungen, Community Lead für MentorMe, Vorständin von Hamburger mit Herz e.V. und seit 2023 Leitung Fundraising der Abteilung Engagement & Partnerschaften bei der Hamburger Kunsthalle in Doppelspitze.
Schreiben und gemeinnütziges Engagement sind die beiden Pfeiler, die ihren Werdegang prägen.
Mit dieser monatlichen Rubrik möchte sie einige spannende Personen aus ihrem Netzwerk in persönlichen Gesprächen fragen, wie und warum sie sich selbst im gemeinnützigen Bereich engagieren. Welche Ehrenämter werden zusätzlich zum Hauptamt gepflegt? Was treibt sie dazu an? Was bedeutet Engagement für sie und welche Learnings und Botschaften bringt das für sie mit?

Nina Greb ist Mitglied der Geschäftsführung bei der AckerCompany GmbH und ehrenamtliche Schatzmeisterin bei Youth For Understanding (YFU). Seit ihrem Studium der Angewandten Kulturwissenschaften ist sie im Nonprofit-Bereich tätig. Sie hat bald 20 Jahre Erfahrung im Fundraising und in dieser Zeit für verschiedene große Organisationen (u.a. DRK und WWF) gearbeitet. Dabei hat sie vorrangig Kooperationen mit Unternehmen akquiriert und verantwortet. 2022 ist sie zu Acker e. V. gewechselt und hat dort das Team Unternehmen & Privatspenden geleitet. Seit März 2025 ist sie Teil der Geschäftsführung der AckerCompany GmbH und dort für Vertrieb, Kommunikation und Personal verantwortlich. Das Green Start-up AckerCompany entwickelt eine App für die Planung und Pflege von Gemüsebeeten im Büro. Sie engagiert sich dafür, dass möglichst viele Menschen beim Urban Farming, Office Gardening oder im Programm Pflegeacker die Hände in die Erde stecken und selbst Gemüse anbauen.
Liebe Nina, ich möchte in dieser Rubrik jedem*r Interviewpartner*in die gleiche Einstiegsfrage stellen: Wann und wo hast Du Dich zum allerersten Mal ehrenamtlich engagiert?
Für mich waren die Erfahrungen, die ich als Austauschschülerin in den USA machen durfte, ausschlaggebend: Ich konnte in dieser Zeit so viel über mich, meine kulturelle Prägung und Werte und natürlich über mein Gastland lernen, dass ich danach das große Bedürfnis hatte, dies auch anderen Jugendlichen zu ermöglichen.
Bei der gemeinnützigen Schüleraustauschorganisation Youth For Understanding (YFU) ist es Teil der Nachbereitung nach dem Austauschjahr, dass auch Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie man sich für YFU oder andere Vereine engagieren kann – das hat mir den Einstieg ins Ehrenamt sehr leicht gemacht.
So habe ich zunächst kleinere Aufgaben wie die Organisation eines Elternabends oder Infostands übernommen, als Teamerin zukünftige Austauschschüler*innen bei Tagungen auf ihr Auslandsjahr vorbereitet und dann auch verantwortungsvollere Ämter übernommen. Nach einer längeren Ehrenamtspause bin ich inzwischen als Schatzmeisterin im YFU-Vorstand aktiv und immer noch begeistert davon, wie sehr ein Austauscherlebnis dazu beitragen kann, wichtige Demokratiekompetenzen zu erwerben, zum Beispiel konstruktiv zu diskutieren, die Perspektive zu wechseln sowie Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten auszuhalten. Das motiviert mich sehr für dieses Ehrenamt.
Du hast in diesem Jahr die Geschäftsführung Kommunikation, Vertrieb & Personal bei der AckerCompany übernommen, warst zuvor Teamlead bei Acker e.V. Was hat Dich dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen und was hat sich seitdem für Dich in Deinem Arbeitsalltag geändert?
Das Angebot, Teil der Geschäftsführung eines so tollen Sozialunternehmens zu werden, erhält man ja nicht oft – daher musste ich nicht lange überlegen und habe diese Chance sehr gern ergriffen. Seit meinem Start im März habe ich gemeinsam mit dem Team an strategischen und strukturellen Fragen gearbeitet, damit wir gut aufgestellt für die weitere Entwicklung sind. Denn anders als im e.V. geht es in der GmbH nicht um Spenden und Sponsoring – sondern wir erbringen Leistungen für unsere Kunden und müssen sehr darauf achten, dass wir unsere Dienstleistungen so gestalten und vertreiben, dass wir damit auch schwarze Zahlen schreiben.
Mein Fokus auf Kommunikation und Vertrieb ist sehr ähnlich zu meiner vorherigen Rolle – ich nutze nach wie vor intensiv LinkedIn für die Ansprache möglicher Partner, besuche Veranstaltungen, erweitere mein Netzwerk und kommuniziere, welche Angebote wir für die verschiedenen Zielgruppen bieten. Deutlich ausgeprägter ist mein zeitlicher Einsatz für Personalthemen: in diesem Bereich war und ist viel Aufmerksamkeit nötig und es waren einige – nicht immer leichte – Entscheidungen zu treffen. Gerade in einem Sozialunternehmen ist das Team ein wesentlicher Erfolgsfaktor und das gemeinsame Miteinander bekommt daher ganz bewusst viel Aufmerksamkeit.
Was bedeutet für Dich Erfolg? Und wie transportierst Du dies auch im Umgang mit Deinem Team und mit Unterstützer*innen?
Erfolg hat bei Acker viel mit Wirkung zu tun: Wir setzen uns ambitionierte Wirkungsziele und holen uns Unterstützer*innen an die Seite, die unsere Vision teilen: Wir engagieren uns dafür, dass möglichst viele Menschen über den Gemüseanbau mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel entwickeln. Daher feiern wir jede neue Krankenkasse, die ihrer Zielgruppe die Teilnahme an unseren Präventionsprogrammen ermöglicht, jede Nachbarschaft und Pflegeeinrichtung, die mit uns Gemüse anbauen will, jedes Unternehmen, das unser Office Gardening-Programm oder Workshops zu Agrar- oder Ernährungsthemen mit uns umsetzen möchte.
Da viele Teammitglieder eher die operative Umsetzung steuern und nur gelegentlich bei den Workshops vor Ort sind, ist es wichtig, die Erfolgsgeschichten und das positive Feedback der Teilnehmenden im Team zu teilen – das motiviert und erinnert uns immer wieder daran, warum wir ackern. Auch die Unterstützer*innen laden wir regelmäßig dazu ein, die Umsetzung der Programme selbst zu erleben und mit uns die Hände in die Erde zu stecken – so können wir unsere Begeisterung meist recht eindrucksvoll übertragen und sie zu Acker-Fans machen.
Nimm uns mal kurz mit in die Unternehmensstruktur von der AckerCompany, was macht es so besonders?
Das Besondere ist, dass wir in der AckerCompany ein kleines, sehr flexibles Team sind und gleichzeitig von den Synergien mit dem länger etablierten Acker e.V. profitieren: von der Strahlkraft der immer bekannter werdenden Marke, vom Netzwerk und von den Erfahrungen in der operativen Umsetzung. Vor allem das Netzwerk von bundesweit rund 500 AckerCoaches ist für die Umsetzung unserer Programme vor Ort sehr entscheidend. Für den e.V. sind sie ehrenamtlich tätig, wir in der GmbH setzen sie als Honorarkräfte ein und können so bundesweit Projekte realisieren.
Was hat die Ackerpause in diesem Jahr schon geschafft? Was habt ihr bis Ende des Jahres noch vor?
Wir ackern aktuell mit 44 Pflegeeinrichtungen, 56 Office Gardening-Kunden, 65 Urban Farming-Projekten und führen regelmäßig Teamevents durch. Wir sind auf einem sehr guten Weg, dieses Jahr erneut über 1 Mio. € Umsatz zu erreichen, was ein großer Erfolg ist. Um unabhängiger von der Jahreszeit Projekte durchführen zu können, haben wir inzwischen ein Format für Kantinen entwickelt, bieten Teamevents z.B. zum Thema Fermentation in der Weihnachtszeit an und haben auch eine Winter-Variante des Offices Gardenings im Sortiment. Dabei wird ein erster Workshop zu einem Ernährungsthema bereits im Winter durchgeführt – denn eine gute Versorgung mit Nährstoffen ist gerade in der dunklen Jahreszeit wichtig. Und natürlich läuft die Akquise für 2026 jetzt bereits auf Hochtouren, damit wir mit möglichst vielen Projekten in die nächste Gemüsesaison starten können.
Du bist nebenbei auch noch Schatzmeisterin bei YFU - was hat Dich dazu gebracht, wie strukturierst Du Deine ehrenamtliche Arbeit noch nebenbei?
Zugegeben: es ist nicht immer leicht, Ehrenamt, Vollzeitjob in einem Sozialunternehmen und das Familienleben mit zwei kleinen Kindern unter einen Hut zu bekommen. Wenn man sich aber vom Anspruch verabschiedet, dass man alles immer sofort und zu 100% erledigen muss, dann geht es schon. Oft reichen ja die berühmten 80% und ich habe inzwischen gelernt, gut zu priorisieren. Und wir besprechen als Familie regelmäßig, was geht und was zu viel ist. Das Engagement für YFU gibt mir aber viel Kraft und Inspiration und ich spüre regelmäßig, wie sehr meine beiden Tätigkeiten voneinander profitieren, weil doch einige Themen, Netzwerke und Bedarfe ähnlich sind. Daher vermeide ich es sehr, das Ehrenamt als belastendes Extra wahrzunehmen, sondern schaue bewusst auf die Mehrwerte – für mich persönlich und für die Zivilgesellschaft.
Welche Tipps hast Du für's Netzwerken?
Ich finde wichtig, dass man neugierig dafür bleibt, was andere Menschen bewegt und antreibt – und sich nicht zu sehr von den eigenen Fundraising- oder Akquisebedarfen pushen lässt. Klar: Ich schaue mir vor einem Event die Teilnehmendenliste an und recherchiere, mit wem ich gern sprechen würde. Aber manchmal sind es genau die ungeplanten Begegnungen, die einen voranbringen.
Zudem schätze ich LinkedIn als Arbeitsplattform fürs Netzwerken sehr. Ich kann sehen, wer wen kennt, wer in einem Unternehmen die richtigen Ansprechpersonen für mich sind und kann verfolgen, zu welchen Themen sie sich äußern. So kann ich dann gut vorbereitet und authentisch Kontakt aufnehmen und ein Gespräch anbahnen. Menschen kennen zu lernen bereitet mir Freude – das ist wahrscheinlich die wichtigste Grundvoraussetzung für erfolgreiches Netzwerken.
Und zum Schluss: Drei Fragen & Antworten
Welches Buch hast Du zum Thema Ehrenamt oder Engagement gelesen, das Dich nachhaltig beeindruckt hat?
Zeit zum Lesen bleibt derzeit kaum – ganz oben auf der Liste steht aber „Keine Zukunft ist auch keine Lösung“ von Fabian Grischkat und Baro Vicenta Ra Gabbert. Ich finde sehr wichtig, dass wir uns damit beschäftigen, wie wir hoffnungsvoll in die Zukunft schauen können. Ich glaube fest daran (und es gibt bestimmt eine Studie, die das belegt), dass Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sich weniger ohnmächtig und ängstlich fühlen und eher daran glauben, etwas verändern zu können.
Wenn Du einen Wunsch für den gemeinnützigen Sektor frei hättest, welcher wäre das?
Eine stabile Finanzierung der Personalkosten, die möglichst projektunabhängig und langfristig ist. Und das auf einem Niveau, das es gemeinnützigen Organisationen ermöglicht, die Mitarbeitenden angemessen zu bezahlen und zu entwickeln.
Was möchtest Du unseren Leser*innen mit auf den Weg geben? Was ist Dein Credo?
Große Visionen und Veränderungen kann man nicht im Alleingang realisieren, daher glaube ich an die Kraft von Netzwerken und Kooperationen – und ans Ärmel-Hochkrempeln und Anpacken. Dann können wir ganz schön viel bewegen.

Nina Greb
Geschäftsführung
AckerCompany GmbH
Foto: Michel Buchmann






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