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Nicolaus Stadeler im Gespräch mit Dr. Anna Punke-Dresen

  • vor 3 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 21 Stunden

Wer steckt hinter dieser neuen Rubrik und was möchte sie für einen Mehrwert bieten?

Portraits über Menschen im gemeinnützigen Bereich findet man auch an anderer Stelle. Wir erinnern uns zum Beispiel an die „Köpfe“ in der Stiftungsbeilage der Wochenzeitung DIE ZEIT. Mit dieser Rubrik „Mensch des Monats“ möchten wir Menschen hinter einer Führungsposition besser kennenlernen. Dafür hat Dr. Anna Punke-Dresen diese Rubrik ins Leben gerufen.


Anna Punke-Dresen ist selbst seit über 15 Jahren in diversen Funktionen und Kontexten sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im gemeinnützigen Sektor unterwegs - unter anderem als Community Lead für MentorMe, Vorständin von Hamburger mit Herz e.V. und seit 2023 Leitung Fundraising der Abteilung Engagement & Partnerschaften bei der Hamburger Kunsthalle in Doppelspitze.


Schreiben und gemeinnütziges Engagement sind die beiden Pfeiler, die ihren Werdegang prägen.

Mit dieser monatlichen Rubrik möchte sie einige spannende Personen aus ihrem Netzwerk in persönlichen Gesprächen fragen, wie und warum sie sich selbst im gemeinnützigen Bereich engagieren. Welche Ehrenämter werden zusätzlich zum Hauptamt gepflegt? Was treibt sie dazu an? Was bedeutet Engagement für sie und welche Learnings und Botschaften bringt das für sie mit?

Carola von Peinen
Vorstand Nicolaus Stadeler in der Montur der Seenotretter Fotos:DGzRS

Nicolaus Stadeler verantwortet seit 2011 als Geschäftsführer die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), seit mehr als 160 Jahren der Seenotrettungsdienst auf Nord- und Ostsee. Er ist innerhalb der Seenotretter  speziell für den Bereich Finanzen zuständig und kümmert sich um die wirtschaftliche Verwaltung, da sich die gesamte Organisation nur durch Spenden und Beiträge finanziert. 800 freiwillige Seenotretter an Bord und rund 700 Ehrenamtliche an Land tragen diese Arbeit – für Stadeler ist das kein Zufall, sondern Ergebnis von Vertrauen. Geboren und aufgewachsen in Bonn, führte den gelernten Diplom-Volkswirt sein Weg zunächst durch Wirtschaftsprüfung, Controlling und Investor Relations – national wie international. Seit 2003 ist er im gemeinnützigen Bereich aktiv, seit 2011 an der Spitze der Finanzen der DGzRS. 2012 gründete er außerdem die Stiftung „Die Seenotretter", deren Vorstand er bis heute ist.

Lieber Nicolaus Stadeler, ich möchte in dieser Rubrik jedem*r Interviewpartner*in die gleiche Einstiegsfrage stellen: Wann und wo haben Sie sich zum allerersten Mal ehrenamtlich engagiert?


Ehrenamtliches Engagement kann man gar nicht früh genug erlernen. Geboren und aufgewachsen bin ich in Bonn – im vorwiegend katholischen Rheinland. Dort gab es für Schülerinnen und Schüler der Grundschule im Herbst die Tradition, Martinslose zu verkaufen. Zu gewinnen gab es Gänsebraten, und aus den Erlösen finanzierten sich die lokalen Martinsumzüge. Da im protestantischen Norden Martinsumzüge wahrscheinlich nicht so bekannt sind: Der Heilige Martin war der, der seinen Umhang mit einem armen Bettler teilte. Eine bewegende, viele Jahrhunderte alte Geschichte über selbstloses Engagement für andere.


Sie sind Vorstandsmitglied der Stiftung „Die Seenotretter“. Wie sind Sie zur DGzRS gekommen?

 

In meiner Hauptfunktion bin ich Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, eines Vereins, der seit mehr als 160 Jahren der Seenotrettungsdienst auf Nord- und Ostsee ist. Die DGzRS war mir bereits seit Kinderzeiten über das Sammelschiffchen als äußerst vertrauensvolle und wirkungsstarke gemeinnützige Organisation bekannt. Die Stiftung Die Seenotretter habe ich 2012 gegründet, da ich aus zahlreichen Gesprächen mit Spenderinnen und Spendern gelernt habe, warum ein Vermögen – ganz gleich wie groß es ist – für viele Menschen wichtig ist. Es soll nicht ausgegeben werden, sondern es dient als Sicherheit und als Basis von Erträgen. Diese Erträge können dann frei verwendet werden. Ein Gedanke, der mit einer Zustiftung in die Stiftung Die Seenotretter weitergeführt werden kann. Wir orientieren uns damit an den Wünschen unserer Spenderinnen und Spendern bzw. unserer Zustifterinnen und Zustifter.

Zur DGzRS selbst bin ich nach einigen Berufsjahren im gemeinnützigen Bereich über eine Stellenanzeige gekommen. Mein Vorgänger sagte mir damals: „Herr Stadeler, Sie haben Glück gehabt, dass ich jetzt in Rente gehe. Diese Stelle behält man in der Regel bis zum Austritt aus dem Berufsleben. In den letzten 100 Jahren war sie nur viermal vakant.“ Und glauben Sie mir, ich bin mit meiner Aufgabe für die DGzRS wirklich glücklich und plane seinen Hinweis zu beherzigen.

 

Was sind die wichtigsten Erfahrungen, die Sie in dieser Zeit gemacht haben?


Aus der kommerziellen Berufswelt kommend, hatte ich eher den kurzfristigen Erfolg im Blick. Der Aktienkurs musste rauf, egal was die damit verbundenen Entscheidungen für einen Effekt auf die folgenden Jahre haben. Im gemeinnützigen Bereich wollen wir auch erfolgreich sein und unsere satzungsgemäßen Aufgaben erfüllen. Die Ziele sind hier jedoch anders, langfristiger und nachhaltiger.

Highlights sind alle erfolgreichen Rettungseinsätze, die die Seenotretter auf Nord- und Ostsee für Menschen in Not erbringen. Diese bestärken mich in der Sinnhaftigkeit unseres Handelns.

 

Was beschäftigt Sie im Jahr 2026 als Vorstand? Was sind Ihre Hauptthemen?

 

Ein Hauptthema für alle Stiftungen und Vereine, die sich ausschließlich aus Spenden und freiwilligen Beiträgen finanzieren, ist wahrscheinlich die Sicherstellung der langfristigen Finanzierung ihrer gemeinnützigen Arbeit. Für die DGzRS bedeutet das zum Beispiel: Nur durch eine solide Finanzierung unserer Arbeit können wir die Seenotretter mit dem besten Material und der besten Ausbildung in ihre Einsätze schicken.

Nachhaltig verfestigt sich in Deutschland laut Umfragen jedoch ein Rückgang der Spendenbereitschaft, was insbesondere zu Lasten der kleineren Organisationen geht. Das empfinde ich als bedauerlich, da so viele Menschen leidenschaftlich sich in diesem Bereich engagieren und der Erhalt des Engagements und die damit verbundene Erfüllung des Satzungszweckes – die gute Tat – so wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.


Was ist Ihnen wichtig bezogen auf die vielen Ehrenamtlichen, die sich für die DGzRS engagieren?

 

Im freiwilligen, ehrenamtlichen Engagement liegt ein wunderbares Potenzial, über Begeisterung andere Menschen von der guten Sache zu überzeugen. Die Kunst liegt darin, das ehrenamtliche Engagement inhaltlich zu bündeln und in eine gemeinsame Richtung zu lenken. Anerkennung und Wertschätzung im direkten Austausch sowie Teil einer starken Gemeinschaft zu sein, sind für viele Ehrenamtliche Motivationsfaktoren, die auch mir wichtig sind. Ohne unsere 800 freiwilligen Seenotretter an Bord und unsere rund 700 Ehrenamtlichen in der Öffentlichkeitsarbeit an Land könnte die DGzRS ihre selbstgewählte Aufgabe, die Rettung von Menschenleben auf Nord- und Ostsee, nicht erfüllen. Das Ehrenamt stellt dabei unser Rückgrat dar. Wir sind eine starke Crew.


In welchen Netzwerken sind Sie aktuell viel unterwegs?

  

Persönlich für mich scheue ich digitale soziale Netzwerke. Mir ist eher ein persönliches Gespräch, ein persönlicher Austausch wichtig. Die Vorteile der Skalierbarkeit einer digitalen Nachricht sind mir dabei bewusst, aber ein persönlicher Kontakt hält erfahrungsgemäß nachhaltiger. Auch kann tiefer und individueller auf Fragen, Anregungen und Ideen eigegangen werden. Oft ist das Zuhören wichtiger als das Reden.

Und zum Schluss: Drei Fragen & Antworten

Welches Buch haben Sie zum Thema Ehrenamt oder Engagement gelesen, das Sie nachhaltig beeindruckt hat?

Ich hatte das Glück, auf einer Veranstaltung auf Alan Clayton zu treffen, und habe aufmerksam seinen Vortrag verfolgt. Seine Erkenntnisse hat er in dem Buch: „Great Fundraising Organizations“ zusammengefasst, welches einen breiten Einblick in Fundraising-Aktivitäten bekannter Organisationen gibt. Lesenswert!


Wenn Sie einen Wunsch für den gemeinnützigen Sektor frei hätten, welcher wäre das?

Nicht Gelder einfordern, sondern um die freiwillige Unterstützung durch Spenderinnen und Spender mutig werben.


Was möchten Sie unseren Leser*innen mit auf den Weg geben? Was ist Ihr Credo?

Nicht aufhören, an die eigenen Kräfte zu glauben.

Carola von Peinen

Nico Stadeler

geschäftsführender Vorstand

Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

Foto: DGzRS

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