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Sabrina Behm im Gespräch mit Dr. Anna Punke-Dresen

  • vor 6 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Wer steckt hinter dieser neuen Rubrik und was möchte sie für einen Mehrwert bieten?

Portraits über Menschen im gemeinnützigen Bereich findet man auch an anderer Stelle. Wir erinnern uns zum Beispiel an die „Köpfe“ in der Stiftungsbeilage der Wochenzeitung DIE ZEIT. Mit dieser Rubrik „Mensch des Monats“ möchten wir Menschen hinter einer Führungsposition besser kennenlernen. Dafür hat Dr. Anna Punke-Dresen diese Rubrik ins Leben gerufen.


Anna Punke-Dresen ist selbst seit über 15 Jahren in diversen Funktionen und Kontexten sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im gemeinnützigen Sektor unterwegs - unter anderem als stellvertretende Leiterin des Kreises Junge Menschen und Stiftungen, Community Lead für MentorMe, Vorständin von Hamburger mit Herz e.V. und seit 2023 Leitung Fundraising der Abteilung Engagement & Partnerschaften bei der Hamburger Kunsthalle in Doppelspitze.


Schreiben und gemeinnütziges Engagement sind die beiden Pfeiler, die ihren Werdegang prägen.

Mit dieser monatlichen Rubrik möchte sie einige spannende Personen aus ihrem Netzwerk in persönlichen Gesprächen fragen, wie und warum sie sich selbst im gemeinnützigen Bereich engagieren. Welche Ehrenämter werden zusätzlich zum Hauptamt gepflegt? Was treibt sie dazu an? Was bedeutet Engagement für sie und welche Learnings und Botschaften bringt das für sie mit?

Carola von Peinen
Sabrina Behm ist mit ihren Ladies in Red im Einsatz. Fotos: Kinescope Film / Dennis Williamson

Sabrina Behm ist Fundraising- und Eventexpertin aus Hamburg. Ihre Karriere begann in Hongkong, wo sie internationale Charity-Galas organisierte. Weitere berufliche Stationen führten sie unter anderem nach Shanghai, Singapur, London und Genf. 2014 kehrte sie nach Deutschland zurück und gründete die Agentur CHARITYBEAT. Seitdem begleitet sie gemeinnützige Organisationen und Unternehmen bei Charity-Events und Fundraisingkampagnen. Ihr Schwerpunkt liegt auf emotionalen Veranstaltungen mit gesellschaftlicher Wirkung. Kolleginnen und Kollegen schätzen besonders ihre internationale Erfahrung und ihre kreative Herangehensweise. Privat ist Sabrina Behm eng mit Hamburg verbunden und liebt den Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Reisen und Begegnungen inspirieren ihre Arbeit bis heute. Mit Leidenschaft und Haltung setzt sie sich dafür ein, Menschen für gesellschaftliches Engagement zu begeistern.

Liebe Sabrina, ich möchte in dieser Rubrik jedem*r Interviewpartner*in die gleiche Einstiegsfrage stellen: Wann und wo hast Du Dich zum allerersten Mal ehrenamtlich engagiert?


In der Zeit, als ich noch in Hong Kong gelebt habe, bin ich für einen „low budget“ Kurzurlaub mit Freunden auf eine philippinische Insel geflogen. Meine Freunde habe ihre Tauchlehrgänge gemacht, und ich wollte eigentlich nur ein bißchen ausspannen.

 Es war eine kleine Insel, auf der es, neben viel weißem Sand und glasklarem Wasser, vor allem noch etwas anderes gab: viele Kinder, die in großer Armut aufwuchsen. Ich kann es gar nicht genau benennen – ich folgte irgendeiner inneren Stimme und einem sehr starkem Impuls hier etwas sinnvolleres zu tun, als in der Hängematte zu baumeln. So zog ich los und sprach jeden Urlauber an, der mir begegnete und bat um Geld, um den Kindern Stifte und Papier zu kaufen. Es fühlte sich warm und richtig an mit meinem Freund später durch die Behausungen zu ziehen und die Malsachen zu verteilen.


2014 hast Du die Organisation „Charitybeat“ gegründet und bietest Stille Auktionen als Veranstaltungsformat an. Kannst Du unseren Leser*innen kurz erzählen, was man sich darunter vorstellen kann und was die Ziele dahinter sind?


Wenn wir bei einer Charity-Gala oder bei einem Fundraising-Dinner unsere Silent Auction (Stille Auktion) durchführen, werden dabei im Wesentlichen drei Ergebnisse erreicht:

Es werden höhere Erlöse erzielt, die Gäste sind begeistert und gut unterhalten. Und: Es wird eine Brücke zur Spender-bzw. Kunden-Bindung gebaut, damit die Veranstaltung über den Abend hinaus wirken kann.

Eine Stille Auktion in einer Veranstaltung mit einem gesetzten Abendessen zu integrieren, bietet sich entsprechend vorrangig für alle Veranstalter an (gemeinnützige Vereine, Stiftungen, Unternehmen oder private Unternehmer), die zum einen für den guten Zweck Erlöse einnehmen möchten und für die zum anderen eine längerfristige Bindung zu ihren Spendern oder Kunden wichtig ist.

 Bei unserer Stillen Auktion suchen sich die Gäste einen oder mehrere Herzensartikel aus, die sie (mit Glück) am Ende des Abend mit nach Hause nehmen können – sofern sie in unserem Katalog hoch genug geboten haben.

Manchmal ist es das signierte Trikot von Lionel Messi, manchmal ist es eine private Führung im Kunstmuseum oder auch ein signiertes Sammlerstück von Nelson Mandela, welches die Herzen der Gäste höher schlagen und tief ins Portemonnaie greifen lässt (oder es sind alle drei Dinge gleichzeitig, denn viele Gäste erwerben gleich mehrere Preise).


Was war damals die Initialzündung für die Gründung und wie bist Du bei der Gründung vorgegangen, was waren die ersten Schritte?

 

Ich bin 2014 nach sieben Jahren aus Hong Kong zurück nach Hamburg gegangen und hatte davor in Asien viele Jahre lang große Charity-Events mit der Silent Auction begleitet – damals noch als Angestellte eines britischen Unternehmens, die diese Auktionen im großen Stil weltweit durchgeführt haben.

Ich war fasziniert von diesem Fundraising-Modul für Veranstaltungen mit (potenziellen) Großspendern oder Kunden, denn es ist ein wahrhaftiges „Win-Win-Konzept“ für sämtliche Beteiligten – und es macht auch noch unfassbar viel Spaß. Ich könnte ohne Punkt und Komma von den vielen Geschichten und strahlenden Gesichtern der Gäste erzählen, wenn sie ihre Lieblingsartikel am Abend erfolgreich ergattern konnten.

Und dass gemeinnützige Organisationen happy sind, wenn der Erlöstopf voll ist, ergibt sich von selbst.

Entsprechend habe ich meine langjährigen Erfahrungen mit Charity-Events und Silent Auctions mit nach Deutschland genommen. Ehrlich gesagt war ich zunächst schockiert. Hierzulande setzt man überwiegend auf eine Tombola oder eine laute Versteigerung – was oftmals regelrecht kontraproduktiv und wenig nachhaltig ist.

Das Event-Fundraising war regelrecht verstaubt und Fundraising hatte hier wenig mit „Fun“ zu tun. Da kam ich gerade richtig...


Was sind die wichtigsten Learnings? Hast Du Downlights und Highlights, die Du mit unseren Leser*innen teilen möchten?


Oh, Learnings gab es viele. Insbesondere im Bezug darauf, sich hierzulande selbständig zu machen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Rein auf die Veranstaltungen bezogen, möchte ich insbesondere den gemeinnützigen Organisationen gern empfehlen, zweierlei Dinge schon bei der Einladung der Gäste, vor allem aber am Abend in den Vordergrund zu stellen:

➢    Klarheit in der Kommunikation

➢    Freude und Begeisterung

➢   Klarheit im Bezug auf: Was wollen wir von Dir, lieber Gast? WOFÜR benötigen wir DEINE Unterstützung und WARUM ist Dein Support so wichtig?

Es darf nicht passieren, dass Gäste am Abend nach Hause fahren, lecker gegessen und getrunken und auf diese Fragen keine Antworten haben.

Freude und Begeisterung im Bezug auf das Grundgefühl am Abend:

Ein Gast, der traurig und eher deprimiert nach Hause fährt, weil er eine Hiobsbotschaft nach der anderen über den Zustand der Flüchtlingslager bekommen hat oder weil er am Abend mehrere Videos weinender Kinder mit anschauen musste, wird danach vermutlich weder ein großzügiger Förderer noch ein wiederkehrender Gast werden.

Damit möchte ich nicht sagen, dass die bedrückenden Themen nicht benannt werden sollen – im Gegenteil! Es kommt nur, denke ich, wie bei allem im Leben, auf das Maß der Dinge an. Viele Veranstaltungen sind unglaublich überfrachtet, mit teilweise wenig zielführenden Inhalten.

Veranstaltungs-Highlights – oh, dafür müssen wir eine Extra-Story aufmachen. Nach über 500 Charity-Events fällt es mir schwer, einen Anfang zu finden. Meist hat es etwas mit Glücksmomenten und viel Lachen zu tun.

Und zum Schluss: Drei Fragen & Antworten

Welches Buch hast Du zum Thema Ehrenamt oder Engagement gelesen, das Dich nachhaltig beeindruckt hat?

Ich gebe zu, ich bin nicht der größte Bücherwurm. Aber "Just Kids" von Patti Smith hat mich wirklich berührt und lässt mich bis heute nicht los. Es ist kein Buch über Ehrenamt im klassischen Sinne — aber es ist ein Buch über bedingungslose Hingabe, über den Mut einer inneren Stimme zu folgen und über die Kraft von echten menschlichen Verbindungen. Genau diese Dinge treiben mich auch in meiner Arbeit an.


Wenn Du einen Wunsch für den gemeinnützigen Sektor frei hättest welcher wäre das?

Mein Wunsch wäre, dass der gemeinnützige Sektor mutiger wird — mutiger in der Professionalität. Ich glaube, dass Fundraising ein Handwerk ist, das gelernt und mit Überzeugung eingesetzt werden darf. Ich erlebe es immer wieder, dass viele Organisationen sich scheuen, Gäste und Spender direkt und klar anzusprechen — aus Angst zu aufdringlich zu wirken. Dabei denke ich, dass das Gegenteil wahr ist: Wer klar kommuniziert, wofür er steht und was er braucht, erntet Respekt und Großzügigkeit.

Ich könnte mir vorstellen, dass ein Sektor der mutiger darin wird, sich Unterstützung zu holen und offen für neue Wege ist, langfristig viel mehr bewegen und bewirken kann — für die Menschen und Themen, für die er da ist.


Was möchtest Du unseren Leser*innen mit auf den Weg geben? Was ist Dein Credo?

Mein Credo? Zum Beispiel: "Und was, wenn's gut wird?"

Ich lebe gern im Fokus auf das Positive. Das wirkt vielleicht manchmal naiv — und ja, es bedeutet oft auch, Dinge bewusst auszublenden, die einen lähmen würden. Aber ich glaube, dass diese Haltung eine starke Kraft sein kann. Im Fundraising, bei Charity-Events — und im Leben. Denn wer fest daran glaubt, dass es gut werden kann, gibt auch anderen die Erlaubnis, großzügig zu sein und mitzumachen, oder?

Carola von Peinen

Sabrina Behm

Gründerin

CHARITYBEAT

Foto: Charitybeat

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