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Chee hoo! Warum wir jetzt mehr in Führung investieren müssen!

vor 2 Tagen
3 Min. Lesezeit

Von Miriam Wagner Long

Nico Reis

Miriam Wagner Long ist seit 2004 Fundraiserin aus Leidenschaft. Sieben Jahre arbeitete sie bei einer Fundraising-Agentur in den USA, zuletzt als Director of Development für die NephCure Foundation. Ihren Master in Nonprofit Management schloss sie 2009 nebenberuflich in den USA ab.

Heute ist sie geschäftsführende Gesellschafterin der Agentur Zielgenau GmbH in Darmstad. 2021 hat sie die Stiftung Leaders of Tomorrow mitgegründet. Deren gleichnamiges Entwicklungsprogramm stärkt Führungskräfte der Zivilgesellschaft. Im Deutschen Fundraising Verband engagiert sie sich seit Jahren: Sie war sechs Jahre im Vorstand, ist Mitglied des Beirats und der Jury und leitet die Fachgruppe Leadership.

Foto: DRFV

Wer schon einmal eine Parade in Disneyland erlebt hat, kennt diesen Moment: Die Musik setzt ein, Konfetti liegt in der Luft, tausende Augenpaare strahlen. Man sieht sofort, was man bewirkt. In der Zivilgesellschaft bleibt dieser Moment meist aus. Unsere Wirkung zeigt sich in Jahren, manchmal erst in Generationen und gleichzeitig überlagern sich Krisen, Budgets schrumpfen, der gesellschaftliche Ton wird rauer. Was es jetzt bräuchte, ist ein „Chee hoo“: der hawaiianische Ruf, mit dem man Begeisterung und Aufbruch ausdrückt und den man nicht erst bei der Ankunft ruft, sondern beim Ablegen. Diesen Ruf anzustimmen, ist Aufgabe von Führung. Fünf Impulse zeigen, warum wir genau jetzt in Leadership investieren müssen.

 

1. Führung in der Zivilgesellschaft ist ein Langstreckenlauf

Wer in unserem Sektor führt, führt ohne sofortige Belohnung. Der Jugendliche, der durch ein Mentoring-Programm seinen Weg findet, schickt keine Postkarte von der Parade. Das Gesetz, das sich nach jahrelanger Advocacy-Arbeit verändert, kommt ohne Konfetti. Führungskräfte müssen deshalb Sinn stiften, lange bevor Ergebnisse sichtbar sind; für ihr Team und für sich selbst. Das kostet Kraft. Und diese Kraft ist keine unerschöpfliche Ressource.

 

2. Wer andere entflammen soll, braucht selbst Sauerstoff

Visionen sichtbar machen, Teams zusammenschweißen, Menschen mitreißen: Das gelingt nur, wenn die eigene Flamme brennt. Viele Führungskräfte in gemeinnützigen Organisationen verantworten gleichzeitig Strategie, Fundraising, Personal und operative Arbeit. Zeit für Reflexion, Weiterbildung oder kollegialen Austausch bleibt selten. Doch erschöpfte Führungskräfte können kein Chee hoo anstimmen. Ohne diesen Ruf bleibt das Boot im Hafen.

 

3. Führung ist kein Overhead, sondern Wirkung

In der Wirtschaft ist es selbstverständlich, in Führungskräfte zu investieren – nicht aus Nächstenliebe, sondern weil es sich lohnt: für Bindung, Innovationskraft und Ergebnisse. In der Zivilgesellschaft gilt dieselbe Investition oft als Verwaltungskosten, die möglichst niedrig bleiben sollen. Dabei entscheidet gute Führung darüber, ob gute Ideen umgesetzt werden (können), ob Mitarbeitende bleiben und ob eine Organisation eine Krise übersteht.

 

4. Die Förderlücke ist real

Mittel fließen vor allem in Projekte, weil sie sich nach außen gut zeigen lassen. Die Menschen, die diese Projekte Tag für Tag tragen, bleiben häufig unsichtbar. Zahlen aus den USA machen das Ungleichgewicht deutlich: Nach Angaben der Robert Sterling Clark Foundation fließt nur rund 1 % der philanthropischen Mittel gezielt in Menschen und der Privatsektor investiert viermal so viel in seine Mitarbeitenden wie der gemeinnützige Sektor. Es gibt Stiftungen, die bewusst in Capacity Building und Führung investieren. Aber es sind zu wenige. Vielleicht auch, weil sich eine gestärkte Führungskraft schlechter fotografieren und verpacken lässt als ein neues Projekt?! Es mag sein.

 

5. Wer in Menschen investiert, investiert in jedes Projekt

Ein Projekt endet mit seiner Laufzeit. Eine gestärkte Führungskraft trägt ihre Klarheit, ihre Kompetenz und ihr Netzwerk in jedes Vorhaben, das sie in den kommenden Jahren verantwortet und in jedes Team, das sie aufbaut. Genau hier liegt der Denkfehler vieler Förderlogiken: Investitionen in Führung wirken nicht weniger, sondern breiter und länger. Man sieht ihre Wirkung nur nicht sofort.

 

Fazit: Jetzt in Führung investieren – nicht später!

Man könnte meinen, in Krisenzeiten sei Führungskräfteentwicklung ein Luxus, den wir uns später leisten können. Das Gegenteil ist richtig: Gerade jetzt brauchen wir Menschen, die sich stark machen und mutig vorangehen. Deshalb mein Aufruf in drei Richtungen:

  • An uns Führungskräfte, Geschäftsführungen und Vorstände: Investiert in euch selbst. Nicht aus Egoismus, sondern aus Verantwortung gegenüber euren Teams und eurer Mission. Plant Zeit für Reflexion, Weiterbildung und Austausch so fest ein wie jeden Projekttermin.

  • An Stiftungen und Philanthrop:innen: Fördert nicht nur Projekte, sondern die Menschen dahinter. Macht Leadership und Capacity Building zu einem selbstverständlichen Teil eurer Förderung und fragt eure Partner:innen, was sie wirklich brauchen, um stark zu bleiben. Genau hier kann eine doppelte Hebelwirkung stecken.

  • An uns alle gemeinsam: Lasst uns offen darüber sprechen, warum das bisher so selten passiert und was wir ändern können.

 

Wann habt ihr zuletzt ein Chee hoo gespürt? Wer in eurem Team wartet gerade darauf, dass jemand den Ruf anstimmt? Bis zum nächsten Impuls: Chee hoo!


Stephanie Reuter



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