(Noch) Ein Tabu: Gutes Leadership in der Zivilgesellschaft

Im November geht das Führungskräfte-Entwicklungsprogramm „Leaders of Tomorrow“ an den Start. Gelingt es endlich, gutes Leadership in der Zivilgesellschaft voran zu bringen?


Es ist fast unglaublich: Mit mindestens zwei Jahrzehnten Verspätung (zumindest im Vergleich zur Wirtschaft) beginnt in Vereinen, Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen – ganz langsam – ein Diskurs über gute Führung. Es wird nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand über schlechte Führung(skräfte) gemosert oder – spiegelbildlich – über unwillige, unfähige Mitarbeiter*innen, sondern plötzlich stehen Führungsfähigkeiten und Professionalisierung der Führung in zivilgesellschaftlichen Organisationen (ZGOs) zur Debatte. Das zeigt sich z.B. an dem völlig überraschenden Zuspruch bei der Gründung der Fachgruppe Leadership im Deutschen Fundraising Verband (statt der erwarteten 30-50 Interessent*innen wollen fast 200 Expert*innen mitwirken), an immer mehr (meist intern organisierten) Führungskräfteprogrammen in großen ZGOs oder auch an Initiativen wie Fair Share of Women Leaders oder dem Führungskräfte-Entwicklungsprogramm Leaders of Tomorrow. Während ähnliche Vorstöße früher sehr exklusiv blieben oder schnell ausbrannten, scheint inzwischen ein Wind of Change zu wehen. Es wird nicht mehr nur über fehlende Institutional Readiness geklagt, sondern darüber nachgedacht, wie der Sektor gute Führung definiert und seine Führung(skräfte) qualifizieren kann.

Es besteht dringender Handlungsbedarf


Die Zivilgesellschaft ist eine der Säulen, auf denen unser Gemeinwesen gründet: Ohne bürgerschaftliches Engagement wäre unsere Demokratie nicht vorstellbar, ohne ihre Organisationen würde unser Sozialsystem nicht funktionieren, würden wir Katastrophen und Krisen schlecht bewältigen, wären Kultur und Moral leblos, ohne ihre Visionen unser Leben seelenlos, ohne ihr Eingreifen das Überleben auf diesem Planeten wahrscheinlich verloren. Die Zivilgesellschaft ist unverzichtbar!


Wen immer der Autor dieser Zeilen in den vergangenen drei Jahren auf das Thema angesprochen hat: Es herrscht Einigkeit, dass ZGOen in ihrer derzeitigen Verfassung diese Aufgaben nur mäßig bewältigen, dass ihr Wirken und insbesondere ihre Wirkungen nicht ausreichen - dass enormer Handlungsbedarf besteht.


Dabei wurde ein gut funktionierender und wirkungsvoller „Dritter Sektor“ noch nie so dringlich gebraucht wie angesichts dieser enormen Herausforderungen:

  • Risse und Spaltungen im gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgrund von Ungerechtigkeiten, der immer bedrohlicheren Klimakatastrophe sowie der Pandemie und deren Folgen

  • Schwindendes Vertrauen in die Lösungsfähigkeiten der Demokratie nebst Vertrauensverlust in ihre Institutionen, die Medien etc.

  • Multipler gesellschaftlicher Veränderungsdruck (Digitalisierung, Bürokratisierung, neue Konkurrenzen etc.)

  • Ein fundamentaler Generationswechsel (Abtreten der engagierten Babyboomer-Generation) - einhergehend mit einem zunehmenden Mangel an qualifizierten Fach- und Führungskräften.


Zivilgesellschaft ist nicht gut gerüstet


Auf all das sind viele etablierte ZGOs – Vereine, Stiftungen, Institutionen von Sozialwirtschaft und Kirchen – schlecht vorbereitet. Der enorme Veränderungsdruck führt zu zunehmenden Konflikten und Auseinandersetzungen. Es stellt sich die Frage, wie sie diese multiplen Herausforderungen bewältigen können - und zudem grundlegende Fragen zu ihrem Selbstverständnis und ihrer Führung(sfähigkeit):


Was ist gute Führung im aktuellen Kontext der Zivilgesellschaft? Wie kann eine Organisation und ihre Leitung neu inspiriert werden? Wie reagieren Führungskräfte auf Krisen, interne und externe Herausforderungen? Welche Vision treibt sie selber an? Wie entwickeln, stärken und erhalten sie ihre persönlichen Ressourcen? Was braucht eine Führungskraft für Strukturen und welches Umfeld ist förderlich, um erfolgreich agieren zu können? Wie handelt sie erfolgreich in solchen Kontexten?


The times they are a-changing, der externe und interne Druck auf ZGOs steigt. Aber, das scheint Konsens, ohne bessere/qualifiziertere Führung werden viele Organisationen diesem Sturm nicht standhalten (können). Allerdings ist es schon jetzt schwer genug, frei werdende Führungspositionen fachlich qualifiziert zu besetzen. Führungskräfte zu finden, die sich auch als „Leader“ verstehen und entsprechend agieren, ist meist reine Glückssache.



Qualifizierte Führungskräfte dringend gesucht


Antworten hierauf müssen von persönlich geeigneten, fachlich qualifizierten und inspirierenden Führungskräften kommen, die den ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten Wege, Mittel und Lösungen aufzeigen – und sie auf dem Weg in eine Zivilgesellschaft 2.0 begleiten, anführen und mitnehmen.


Doch während Wirtschaft und staatliche Institutionen längst massiv in die Qualität der Führung investieren, behandelt die Zivilgesellschaft ihre Führungskräfte schlecht: Komplexe, altmodisch funktionierende Strukturen und Hierarchien, unklare Ziele, viel zu geringe finanzielle und personelle Ressourcen (angesichts hoher und divergierender Erwartungen), große persönliche Risiken und oft völlig unklare oder gar gegensätzliche Konzepte von Führung kennzeichnen diesen Sektor. Insbesondere in Krisen werden diese Defizite als besonders drängend wahrgenommen.


Das neue Führungskräfte-Entwicklungsprogramm Leaders of Tomorrow ist ein Angebot zur Lösung.


Es fokussiert auf die Führungskraft selber. Ziel ist, die (zukünftige) Führungselite der Zivilgesellschaft ihrer Führungsrolle bewusster und für diese stark zu machen – ihr das Rüstzeug in die Hand zu geben, diese (und ihre jeweilige) Welt zu retten, denn nichts anderes ist die Anforderung an sie.


Leaders of Tomorrow verfolgt dabei ein innovatives didaktisch-methodisches Konzept:

  • Simulationen von Führungsverhalten und individuelles Coaching bilden das Rückgrat.

  • Gemeinsames und individuelles konkretes Führungs-Training und Reflexion auf der Basis langjähriger Erfahrungen und Expertise steht während einer Seminarwoche im Vordergrund.

  • Ein persönlicher Entwicklungsplan wird erarbeitet.

  • Die Führungskraft wird 12 Monate bei der Umsetzung ihres persönlichen Entwicklungsplanes durch individuelles Coaching begleitet.

  • Im Zuge der kollegialen Beratung innerhalb der Gruppe entwickelt sich ein tragendes Netzwerk von Führungskräften.


Das Angebot von Leaders of Tomorrow ist einmalig im deutschsprachigen Raum. Es ist hierzulande innovativ und doch international seit Jahren erprobt. Ein exklusives Premium-Fortbildungs- und Entwicklungsprogramm, das die Führungskraft auf ihre komplexe Aufgabe vorbereitet, sie neu motiviert und stärkt.


Damit ist das Programm darauf ausgerichtet, das Führungs-Tabu zu brechen: Nur wenn in den ZGOs endlich über gute Führung angstfrei und offen debattiert wird (und werden kann), wenn das Verständnis von Führung sich wandelt (nicht auf die hierarchische Position fixiert oder reduziert), wenn Führungskräfte sich nicht mehr als Manager*innen definieren, sondern als Leader, die ihren Auftrag verinnerlichen und ihre Organisationen strategisch voranbringen (können und sollen) und wenn man sich selber als/zur Führungskraft qualifizieren kann, dann wird die Zivilgesellschaft ihre großen Aufgaben bewältigen.



Der Autor, Christian Osterhaus, hat – zusammen mit Miriam Wagner Long und Jan Uekermann, im Mai 2021 die Stiftung Leaders of Tomorrow als ein gemeinnütziges Unternehmen gegründet. https://de.leaders.ngo/uber-uns/stiftung-leaders-of-tomorrow


Im November bietet die Stiftung erstmals ihr innovatives Entwicklungsprogramm für Führungskräfte an. Man kann sich noch bewerben. Es sind noch fünf Teilnehmer*innenplätze frei: https://de.leaders.ngo/programm/bewerben


Christian Osterhaus hatte 30 Jahre Führungspositionen in ZGOs inne (u.a. Christoffel-Blindenmission, Menschen für Menschen, Welthungerhilfe). Aktuell ist er Geschäftsführender Gesellschafter der Stiftung Leaders of Tomorrow gUG. Er ist einer der Mitgründer des Deutschen Fundriasing Verbandes (DFRV) sowie Mitglied und Sprecher ihres Beirates