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Künstliche Intelligenz im Dienste des Gemeinwohls: Chancen für NGOs!

Von Jörg Reschke

 
Nico Reis

In dieser Rubrik erzählt unser Partner Jörg Reschke, bekannt als Digital Fundraising Experte, von Digitalisierung für gemeinnützige Organisationen. Als Business Analyst und NGO-Experte begleitet er bei der IT-Beratung Capgemini Organisationen, die verstärkt moderne Technologien einsetzen um ihre Ziele zu erreichen.




Foto: Andi Weiland

 

Die digitale Welt erlebt mal wieder eine Revolution – und diesmal ist KI der Motor. ChatGPT und andere Sprachmodelle machen moderne Technologien in der Breite zugänglicher, helfen bei kreativen Prozessen und erleichtern den Arbeitsalltag an der ein oder anderen Stelle.

Die Möglichkeiten gehen weit über das Offensichtliche hinaus. Deutlich interessanter noch als der Wortwechsel mit einem Chatbot ist die Frage, wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz Nonprofit-Organisationen dabei unterstützen kann, ihre Missionen zu erfüllen.


KI - mehr als ChatGPT und Chatbots

Als Künstliche Intelligenz werden Technologien bezeichnet, die es Computern ermöglichen, Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern würden:

  • Einfache Formen von KI umfassen regelbasierte Systeme, die auf vordefinierten Regeln und Mustern basieren.

  • Maschinelles Lernen ist eine weiterentwickelte Form von KI, bei der Algorithmen aus Daten lernen, Muster erkennen und Vorhersagen treffen können, ohne explizit programmiert zu werden.

  • Neuronale Netze sind eine Form des maschinellen Lernens, die inspiriert ist von der Funktionsweise des menschlichen Gehirns und komplexe Probleme lösen kann, wie etwa Bild- und Spracherkennung.

  • Starke KI ist die Idee von KI-Systemen, die eine menschenähnliche Intelligenz und Fähigkeit zur Problemlösung besitzen könnten. Diese Form von KI bleibt jedoch (noch) eher dem Science Fiction-Genre zugeordnet.


Den aktuellen Hype um Künstliche Intelligenz geht insbesondere auf die publikumswirksamen Dienste wie ChatGPT, CoPilot und Gemini zurück. Sie bedienen sich sprachbasierter Modelle (Large Language Models) und basieren auf neuronalen Netzen.


Wozu brauchen Stiftungen und Organisationen KI?


Die bisherige Diskussion über den Einsatz Künstlicher Intelligenz in NGOs hat sich vorwiegend auf generative KI, Content-Erstellung und Datenanalysen konzentriert. Dieser Fokus ist jedoch stark verkürzt und berücksichtigt nicht das volle Potenzial dieser Technologie.

Nonprofit-Organisationen verpassen eine bedeutende Chance, wenn sie KI lediglich im Kontext des Fundraisings betrachten. Warum nutzen sie KI nicht verstärkt, um die eigentlichen Herausforderungen anzugehen, für die sie gegründet wurden?

KI könnte dazu beitragen, komplexe gesellschaftliche Probleme anzugehen, Ressourcen effizienter zu nutzen und die Wirksamkeit ihrer Programme zu steigern. Es ist an der Zeit, den Blick über das Fundraising hinaus zu lenken und KI als Werkzeug zur Förderung des sozialen Wandels voll auszuschöpfen:


  • Das Trevor Project nutzt einen KI-Ansatz, um mehr Freiwillige für die Unterstützung von LGBTQ+ Jugendlichen in Krisen zu schulen. Durch den Einsatz von Chatbots in Simulationsübungen können Trainingszeiten flexibler gestaltet und mehr Freiwillige ausgebildet werden. Dies ermöglicht es der Organisation, ihre Krisendienste zu erweitern und mehr Jugendliche zu erreichen.

  • Die Vereinten Nationen nutzen KI um Roboterfahrzeuge für die Lieferung von Lebensmittelpaketen in Konflikt- und Katastrophengebiete zu steuern, um das Risiko für Mitarbeiter zu reduzieren. Diese Technologie kombiniert Daten aus verschiedenen Quellen, wie Satelliten und Sensoren, um Lastwagen ferngesteuert zu lenken und könnte einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der globalen Ziele der Vereinten Nationen leisten, insbesondere zur Beseitigung von Hungersnöten.

  • An der Universität Bonn wird eine KI-Technologie entwickelt, welche die Bekämpfung der Flussblindheit verbessern soll, indem Gewebeschnitte von Wurmknoten maschinell ausgewertet werden, um Wirkstofftests zu standardisieren und zu beschleunigen.

  • Wild Me nutzt KI, um bedrohte Tierarten anhand individueller Merkmale auf Fotos und Videos zu identifizieren und mit einer Datenbank abzugleichen. Diese Initiative ermöglicht es Nutzern, unabhängig von ihrem Standort, durch das Hochladen von Bildmaterial einen Beitrag zur Artenforschung und -erhaltung zu leisten.

  • Die Johanniter, das Österreichische Rote Kreuz und weitere Partner nutzen KI-Systeme um im Katastrophenschutz Auswertungszeiten zu reduzieren, Informationsprodukte zu verbessern und Entscheidungsunterstützungssysteme zu optimieren. Dies umfasst die automatisierte Auswertung verschiedener Datenquellen wie Fernerkundungsdaten und Internetdaten, um schnell und effizient umfassende Lageinformationen zu generieren.


Diese Beispiele machen deutlich, dass der mögliche Mehrwert von Künstlicher Intelligenz deutlich über Chatbots und kreatives Arbeiten hinausgeht. Wenn KI-Technologie im Kernbereich der Nonprofit-Organisation dazu eingesetzt wird die Mission zu erreichen, dann ist der gesellschaftliche Mehrwert am größten.


Geeignete Rahmenbedingungen schaffen


Die Integration von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung in Nonprofit-Organisationen erfordert mehr als nur technologische Neuerungen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass KI nicht isoliert als Selbstzweck eingesetzt wird. Es reicht nicht aus, einfach nur Fragen mit KI zu beantworten oder Prozesse zu digitalisieren, wenn dabei die Spenderperspektive und die Relevanz für die Organisation nicht berücksichtigt werden.

Eine hypothesenbasierte Herangehensweise und ein Raum für Experimente sind unerlässlich, um sicherzustellen, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz tatsächlich einen Mehrwert bieten kann.

Darüber hinaus müssen Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit sorgfältig berücksichtigt werden, insbesondere wenn es um die Verwendung eigener Daten geht. Eine umfassende Arbeits- und Fehlerkultur ist ebenfalls wichtig, um aus den Erfahrungen zu lernen und die KI-Strategie kontinuierlich zu verbessern.

Empfehlenswert sind Fortbildungsangebote für die Mitarbeiter:innen und Orientierung bietende Leitlinien für den Einsatz von KI-Instrumenten. Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung hat es vorgemacht und ihren Leitfaden veröffentlicht.


Fazit und Ausblick


Die Überlegungen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Nonprofit-Organisationen ist von großer Bedeutung, da sie Potenziale für den sozialen Wandel und die Effektivität von Programmen aufzeigt. KI bietet weit mehr als nur Chatbots und generative Inhalte. Sie kann dazu beitragen, komplexe gesellschaftliche Probleme anzugehen, Ressourcen effizienter zu nutzen und die Wirksamkeit von Organisationen zu steigern. Es ist an der Zeit, den Blick über das Fundraising hinaus zu lenken und KI als Werkzeug zur Förderung des sozialen Wandels voll auszuschöpfen.


Bei inhaltlichen Fragen zu Digitalisierung im Nonprofit-Sektor erreichen Sie Jörg Reschke unter joerg.reschke@capgemini.com.

 


Stephanie Reuter

Jörg Reschke

Business Analyst und NGO-Experte

Capgemini

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