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Ist wirksames Spenden Fluch oder Segen?

  • 13. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 7 Tagen

Von Dr. Anna Punke-Dresen

Nico Reis

Anna Punke-Dresen ist auf neues-stiften.de für die Rubrik „Mensch des Monats“ verantwortlich, dort stellt sie spannende Personen aus dem gemeinnützigen Bereich und die Menschen hinter einer Führungsposition vor. Darüber hinaus möchte sie nun einmal pro Quartal einen Einblick in aktuelle Fragestellungen rund um Kulturförderung in Deutschland geben. Anna Punke-Dresen ist selbst seit über 15 Jahren in diversen Funktionen und Kontexten sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im gemeinnützigen Sektor unterwegs - unter anderem als stellvertretende Leiterin des Kreises Junge Menschen und Stiftungen, Vorständin des Vereins Hamburger mit Herz e.V. und aktuell als Leitung Engagement & Partnerschaften der Hamburger Kunsthalle.

Foto: privat

Am 7. Februar 2025 wurde mit Spannung eine ganz besondere Pressemeldung erwartet: An diesem Tag gab der Hamburger Senat bekannt, dass auf dem Baakenhöft in der HafenCity in Hamburg ein neues Opernhaus entstehen soll, das der Milliardär und Philanthrop Klaus-Michael Kühne finanzieren wird und wofür der architektonische Siegerentwurf an diesem Tag feierlich vorgestellt wurde.


Braucht Hamburg noch eine Oper?

Bereits im Frühjahr 2022 hatte Kühne mit seinen Plänen für ein neues Opernhaus für Furore gesorgt. Braucht Hamburg überhaupt eine neue Oper? Sollen die Gelder nicht lieber in die Sanierung bestehender Kulturorte investiert werden? Darf ein Philanthrop einfach solche großen eigenen Wünsche und Vorstellungen äußern und die Stadt dadurch quasi überreden, diese Wünsche umzusetzen? Eine Diskussion wurde angestoßen, die Impact Philanthropie (auch wirksames Spenden genannt) ausmacht: die Krux zwischen der einerseits Begeisterung und ja auch Notwendigkeit für Großspenden von Philanthropen und auch Stiftungen, mit zusätzlichen finanziellen Mitteln möglichst große und messbar positive Veränderungen in der Gesellschaft zu bewirken und andererseits die Skepsis und auch Angst vor zu viel Machteinfluss und Abhängigkeit von eben solchem bedeutungsvollen philanthropischen Gebaren.


Negative Folgen im Blick behalten

Impact Philanthropie kann zwar viel Gutes bewirken, aber es gibt auch einige kritische Aspekte und potenziell negative Auswirkungen, die bedacht werden sollten. Große Stiftungen oder Einzelspender:innen können durch ihre finanziellen Mittel erheblichen Einfluss auf die Agenda von NGOs, Gemeinden oder sogar Regierungen nehmen. Dies kann demokratische Prozesse untergraben, wenn lokale Bedürfnisse oder Prioritäten ignoriert werden. Zudem kann eine Abhängigkeit von Fördergeldern entstehen. Organisationen können sich so stark auf einzelne Spender:innen ausrichten, dass sie ihre eigene Mission oder Unabhängigkeit verlieren. In diesem Beispiel behält sich die Kühne-Stiftung ein Vetorecht bei architektonischen und inhaltlichen Fragen vor. Dies unterstreicht die Machtkonzentration bei einem privaten Akteur und wirft die Frage auf, wie nachhaltig und unabhängig kulturelle Einrichtungen sein können, wenn sie von Einzelspender:innen abhängig sind. Außerdem wird Philanthropen oft Greenwashing oder Reputationsmanagement vorgeworfen, so auch Kühne. Denn manche Unternehmen oder Einzelpersonen nutzen Impact Philanthropie, um von umstrittenen Geschäften oder unkritischer Firmengeschichte abzulenken.


Gelder lieber in Bestehendes investieren?

Im Fall der geplanten Kühne-Oper zeigt sich zunächst das Potenzial privater Großspenden: Klaus-Michael Kühne stellt der Stadt Hamburg bis zu 330 Millionen Euro für einen Opernneubau zur Verfügung und übernimmt damit eine Aufgabe, die traditionell im Verantwortungsbereich der öffentlichen Hand liegt. Das neue Opernhaus soll nach seiner Fertigstellung in das Eigentum der Stadt übergehen. Für Hamburg eröffnet sich dadurch die Chance auf ein architektonisch herausragendes Kulturgebäude, das die internationale Strahlkraft der Stadt stärken könnte.

Gleichzeitig wird das Projekt kritisch diskutiert. Denn mit der Finanzierung durch einen einzelnen Mäzen verschieben sich auch Entscheidungslogiken: Anstelle klassisch demokratischer Prozesse prägt eine private Stiftung maßgeblich die kulturelle Infrastruktur der Stadt. Der Denkmalverein Hamburg spricht in diesem Zusammenhang von einer „feudalen“ Vorgehensweise, bei der „sämtliche sonst üblichen Entscheidungsprozesse auf den Kopf gestellt“ würden. Kritiker:innen argumentieren zudem, dass die Mittel besser in die dringend benötigte Sanierung der bestehenden und stark maroden Hamburgischen Staatsoper investiert werden sollten.


Fazit: Kulturförderung zahlt sich aus!

Das Hamburger Opernprojekt zeigt, wie Impact Philanthropie im Kulturbereich wirken kann: Sie ermöglicht Großprojekte, die ohne private Mittel kaum realisierbar wären. Gleichzeitig birgt sie Risiken – von Machtkonzentration über mangelnde Transparenz bis hin zur Verdrängung öffentlicher Verantwortung. Die Debatte in Hamburg spiegelt damit eine grundsätzliche Frage wider: Wie viel Einfluss sollten private Mäzene auf die kulturelle Infrastruktur einer Stadt haben – und wer entscheidet, was „gute“ Kultur ist?

Impact Philanthropie ist folglich kein Allheilmittel. Wichtig ist, dass sie partizipativ (mit Einbindung der Betroffenen), transparent (klare Ziele und Evaluation) und komplementär (nicht als Ersatz für staatliche Aufgaben) gestaltet wird. Kritische Stimmen fordern, dass Philanthropie sich stärker an Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit orientieren sollte – statt an den Vorlieben der Spendenden!


Stephanie Reuter
In der Hansestadt soll nun auch noch eine zusätzliche Oper entstehen, unterstützt von einer Spende über 330 Mio Euro.

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