Deutsche Kulturförderung – zwischen Dauerbewerbung und Daseinsvorsorge!
- jschumacher84
- 20. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Von Dr. Anna Punke-Dresen

Anna Punke-Dresen ist auf neues-stiften.de für die Rubrik „Mensch des Monats“ verantwortlich, dort stellt sie spannende Personen aus dem gemeinnützigen Bereich und die Menschen hinter einer Führungsposition vor. Darüber hinaus möchte sie nun einmal pro Quartal einen Einblick in aktuelle Fragestellungen rund um Kulturförderung in Deutschland geben. Anna Punke-Dresen ist selbst seit über 15 Jahren in diversen Funktionen und Kontexten sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im gemeinnützigen Sektor unterwegs - unter anderem als stellvertretende Leiterin des Kreises Junge Menschen und Stiftungen, Vorständin des Vereins Hamburger mit Herz e.V. und aktuell als Leitung Engagement & Partnerschaften der Hamburger Kunsthalle.
Foto: privat
Im deutschen Kulturbetrieb wird gern von Vielfalt gesprochen. Weniger gern spricht man über die Finanzierungslogik, die diese Vielfalt zugleich ermöglicht und systematisch erschöpft. Das Spannungsfeld zwischen Projektförderung und institutioneller Förderung betrifft längst nicht mehr nur freischaffende Künstler:innen oder die sogenannte freie Szene. Es betrifft ebenso Kulturvereine, Initiativen, soziokulturelle Zentren, Geschichtsvereine, Migrant:innenorganisationen, Literaturhäuser in Vereinsform oder ehrenamtlich getragene Kulturorte auf dem Land. Die Liste ist unendlich lang. Und sie alle arbeiten im gleichen System: sichtbar, engagiert – und strukturell auf Zeit.
Institutionell geförderte Kultureinrichtungen gelten als unverzichtbare Infrastruktur. Theater, Museen oder Orchester erhalten regelmäßige Zuschüsse, oft unabhängig davon, wie viele Anträge sie schreiben oder wie oft sie ihre gesellschaftliche Relevanz neu begründen müssen. Diese Häuser sind Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, zumindest dem Anspruch nach. Sie verfügen über Personalstellen, Verwaltungsstrukturen, Gebäude. Kurz: über Kontinuität.
Anträge schreiben in Dauerschleife
Demgegenüber steht eine wachsende Zahl von Akteur:innen, die Kultur nicht als Beruf, sondern als zivilgesellschaftliche Praxis organisieren – häufig in Vereinsform. In Städten wie Leipzig, Dortmund oder Hamburg, aber ebenso in ländlichen Räumen, stemmen Kulturvereine Ausstellungen, Lesungen, Festivals, Erinnerungsarbeit oder interkulturelle Programme. Sie sichern kulturelle Teilhabe dort, wo es keine großen Institutionen gibt. Finanziert werden sie jedoch meist über befristete Projektförderung: ein Jahr, manchmal zwei, selten länger. Danach beginnt alles wieder von vorn.
Was das bedeutet, wird kulturpolitisch oft unterschätzt. Denn Projektförderung setzt Professionalität voraus: Antragsrhetorik, Abrechnungskompetenz, Evaluationslogik. Für viele Vereine heißt das, dass ehrenamtliche Vorstände Förderanträge in ihrer Freizeit schreiben, während sie gleichzeitig Veranstaltungen organisieren, Mitglieder verwalten und Räume betreiben. Der Verein wird zur Endlosschleife der Dauerbewerbung. Die eigentliche Kulturarbeit rutscht zwischen Förderfristen und Verwendungsnachweise.
Was bedeutet gesellschaftlicher Nutzen?
Besonders paradox ist, dass gerade jene Akteur:innen, die als gesellschaftlich relevant gelten – für Themen wie Demokratiearbeit, Erinnerungskultur, Integration, kulturelle Bildung uvm. –, selten institutionell abgesichert sind. Ein Geschichtsverein, der lokale NS-Aufarbeitung leistet, oder ein interkultureller Kulturverein, der seit Jahren Nachbarschaftsarbeit macht, muss seine Existenz regelmäßig neu legitimieren. Das bedeutet: Relevanz wird nicht belohnt, sondern befristet anerkannt.
So entsteht eine stille Schieflage: Stabilität wird Institutionen zugesprochen, Engagement wird projektiert. Kulturvereine gelten als flexibel, niedrigschwellig, bürgernah – und genau deshalb offenbar auch als zumutbar prekär. Dass diese Logik langfristig zur Überlastung führt, ist kein Geheimnis. Viele Initiativen geben auf – nicht aus Mangel an Ideen, sondern aus Erschöpfung.
Zeit als goldene Währung
Dabei ist auch die institutionelle Förderung kein Gegenentwurf ohne Probleme. Öffentliche Häuser sind politisch gebunden, müssen Auslastung nachweisen, kulturpolitische Leitlinien erfüllen. Doch sie verfügen über etwas, das Projektstrukturen fehlt: Zeit. Zeit zum Entwickeln, zum Scheitern, zum Lernen. Kulturvereine hingegen arbeiten im Modus des permanenten Neuanfangs – selbst wenn sie seit zwanzig Jahren bestehen.
Das eigentliche Spannungsfeld verläuft daher nicht zwischen Innovation und Bestand, sondern zwischen Struktur und Dauerprovisorium. Projektförderung ist sinnvoll für Experimente, Modellvorhaben, neue Ideen. Sie wird problematisch, wenn sie zur Regel für dauerhafte Aufgaben wird. Genau das ist im deutschen Kulturbereich längst der Fall.
Fazit: Kulturpolitische Basisförderung ist nötig!
Eine zukunftsfähige Kulturpolitik müsste diese Realität anerkennen. Kulturvereine und zivilgesellschaftliche Initiativen brauchen mehr als Anerkennung in Sonntagsreden. Sie brauchen Basisförderung, mehrjährige Zuschüsse, Entlastung von Bürokratie. Denn nicht jede Form von Kultur lässt sich sinnvoll in Jahresprojekte zerlegen.
Das Spannungsfeld zwischen Projekt- und institutioneller Förderung ist also kein abstraktes Verwaltungsproblem. Es ist eine Frage der Wertschätzung. Wer Kultur dauerhaft will, muss sie auch dauerhaft ermöglichen – jenseits der Logik, dass Engagement schon irgendwie funktioniert, solange es leidenschaftlich genug ist.

Anna Punke-Dresen
Autorin neues stiften und NGO-Expertin






Ich kenne das aus eigener Erfahrung, als ich versuchte, ein Stipendium für Kulturprojekte zu bekommen, Dutzende von Anträgen schrieb, Absagen kassierte und völlig ausgebrannt war. Meine Energie war aufgebraucht, und gleichzeitig erforderte mein Diplom in Kulturpolitik eine eingehende Analyse des Fördersystems in Deutschland, seiner Quellen und Schlussfolgerungen. Ich musste nicht lange warten – ich suchte nach Bewertungen auf ghostwritingerfahrungen.de , wählte eine Agentur mit echten Förderprojekten und bestellte ein Kapitel mit Kritiken und Empfehlungen. Sie lieferten qualitativ hochwertige Arbeit mit aktuellen Daten und dem passenden Stil. Jetzt suche ich viel entspannter nach Fördermitteln, ohne mich im Studium zu verausgaben. Kultur und Wissenschaft brauchen Unterstützung.