Larissa Probst im Gespräch mit Dr. Anna Punke-Dresen

Wer steckt hinter dieser neuen Rubrik und was möchte sie für einen Mehrwert bieten?

Portraits über Menschen im gemeinnützigen Bereich findet man auch an anderer Stelle. Wir erinnern uns zum Beispiel an die „Köpfe“ in der Stiftungsbeilage der Wochenzeitung DIE ZEIT. Mit dieser Rubrik „Mensch des Monats“ möchten wir Menschen hinter einer Führungsposition besser kennenlernen. Dafür hat Dr. Anna Punke-Dresen diese Rubrik ins Leben gerufen.


Anna Punke-Dresen ist selbst seit über 15 Jahren in diversen Funktionen und Kontexten sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich im gemeinnützigen Sektor unterwegs - unter anderem als stellvertretende Leiterin des Kreises Junge Menschen und Stiftungen, Community Lead für MentorMe, Vorständin von Hamburger mit Herz e.V. und aktuell als Leitung Fundraising der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch.


Schreiben und gemeinnütziges Engagement sind die beiden Pfeiler, die ihren Werdegang prägen.

Mit dieser monatlichen Rubrik möchte sie einige spannende Personen aus ihrem Netzwerk in persönlichen Gesprächen fragen, wie und warum sie sich selbst im gemeinnützigen Bereich engagieren. Welche Ehrenämter werden zusätzlich zum Hauptamt gepflegt? Was treibt sie dazu an? Was bedeutet Engagement für sie und welche Learnings und Botschaften bringt das für sie mit?

 
Carola von Peinen

Larissa Probst ist Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising Verbands (DFRV) in Berlin. Davor leitete sie die Geschäfte bei der Stiftung Stiftung Schüler Helfen Leben.






 

Liebe Larissa, ich möchte in dieser Rubrik jedem*r Interviewpartner*in die gleiche Einstiegsfrage stellen: Wann und wo hast Du Dich zum allerersten Mal ehrenamtlich engagiert? Wie kamst Du dazu und was war Deine Motivation dahinter?


Mein erstes Engagement war die Initiative eines Greenteams in der 3. Klasse. Nach der Schule habe ich oft mit zwei Freunden im Wald gespielt und Müll gesammelt. Einer der beiden Freunde war der Sohn des Försters, der uns öfter mit auf Ausflüge mitgenommen hat, bei denen wir alles Gesagte und Gezeigte aufgesogen haben und uns schnell eigene Projekte ausgedacht haben. Irgendwann haben wir bei einem der älteren Brüder einen Flyer zu Greenteams entdeckt, wollten das ausprobieren und andere Kinder kennenlernen.


Du bist seit einigen Jahren im gemeinnützigen Bereich tätig und engagierst Dich zusätzlich zum DFRV breit gefächert. Willst Du unseren Leser*innen erzählen, was Dich engagementmäßig zurzeit am meisten in Beschlag nimmt?


Seit vielen Jahren engagiere ich mich im Bereich Bildung mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Aktuell bin ich persönlich sehr eingebunden durch meine Erfahrungen als Mutter eines Kleinkindes und dem entsprechenden Engagement in der Kita in einer globalen Pandemie. Als Fundraiserin fällt es mir sehr schwer, mich erfolgreich wegzuducken. Auf der übergreifenden strukturellen Ebene bin ich aktives Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Bildung.


Wie hat ehrenamtliches Engagement Deinem beruflichen Werdegang geholfen? Von welchen Netzwerken profitierst Du heute?


Eigentlich bin ich Unternehmerin. Mein ehrenamtliches Engagement (besonders bei Amnesty International) und der entsprechende Freundeskreis haben mich stark geprägt und dafür gesorgt, dass ich auch hauptamtlich Verantwortung in der Zivilgesellschaft übernehme. Aus finanzieller Karriereperspektive war und ist mein Netzwerk also eher keine Hilfe ;-)

Besonders dankbar bin ich für viele vertrauensvolle Kontakte und Freundschaften aus meiner Zeit als ehrenamtlicher Vorstand von Amnesty International. In ganz unterschiedlichen (Führungs-)Rollen treffe ich diese Menschen wieder, es entstehen neue Verbindungen und gemeinsame Fortschritte. Viele ältere (politische) Akteur*innen kennen mich bereits seit über 20 Jahren, können meine Sozialisation in einer basisdemokratischen Menschenrechtsorganisation und meine Haltung gut einordnen. Als ich Ende 2018 als Vertreterin des Deutschen Fundraising Verbands in die Bündnisse und Gremien „als Neue“ eingetreten bin, konnte ich auf diese Verlässlichkeit und Ausdauer mit dem Fundraisingfokus sehr authentisch aufbauen.


Was sind für Dich die zurzeit größten Herausforderungen im gemeinnützigen Bereich, und speziell auch was das Fundraising betrifft?


Die Zivilgesellschaft ist in jeder Krise ganz besonders gefordert. Die gemeinnützigen Organisationen sind meist die allerersten, die anpacken, die am stärksten gefordert sind. Wir beobachten allerdings, dass dieses schnelle Handeln von staatlicher Seite kaum Wertschätzung und Unterstützung erfährt. Im Gegenteil wird auf bürokratischen Vorgängen beharrt. Staatliche Fördergelder werden - im Vergleich zur Unterstützung der Wirtschaft – nur minimal für gemeinnützige Organisationen zur Verfügung gestellt. Diese Fördermöglichkeiten zu finden, zu beantragen und abzurechnen, sind zusätzlich mit großen Hürden verbunden. Das wurde in zwei Studien in 2020 und 2021 besonders herausgestellt.


Speziell für das Fundraising sehe ich den Fachkräftemangel als eine der größten ganz greifbaren Herausforderungen. Es gibt unglaublich viele vakante Stellen. Unsere Stellenbörse ist voll. Weiterhin spielt das Thema Leadership eine entscheidende Rolle. Die letzten Jahre haben uns sehr hart vor Augen geführt, wie wichtig gute, verantwortungsvolle Führungskräfte auch für die Zivilgesellschaft sind und dass das Thema Fundraising auf der Führungsebene verstanden und verankert sein muss.


Kannst Du noch ein paar Sätze zur aktuellen Strategie des DFRV verlieren? Was sind zurzeit Deine operativen Hauptaufgaben? Was hat der DFRV in diesem Jahr auf dem Zettel? Welche Netzwerke spielen zurzeit eine große Rolle für Euch?


Wir stellen unsere Strategie regelmäßig unseren Gremien und Mitgliedern vor. Sie ist entsprechend lebendig, wird regelmäßig auf den Prüfstand gestellt und weiterentwickelt. Operativ ist der Bereich der Lobbyarbeit zum Zuwendungsempfängerregister, Lobbyregister, Transparenzregister und Gemeinnützigkeitsrecht sowie der Einsatz für Bürokratieabbau im Bereich der Katastrophenhilfe besonders arbeitsintensiv. Diese Arbeit ist nur erfolgreich mit anderen Verbündeten, sodass die Netzwerkarbeit beispielsweise im Bündnis für Gemeinnützigkeit, der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung e. V. und der Initiative Transparente Zivilgesellschaft besonders relevant ist. Für eine lebendige Verbandskultur entwickeln wir unsere digitalen (Bildungs-)Angebote, den Deutschen Fundraising Kongress (25. bis 27. September 2022 in Berlin) und das Netzwerk der Fachgruppen weiter. All das funktioniert nur mit einer weiteren Professionalisierung unserer Geschäftsstelle und einer diversifizierten Finanzierung der Verbandsarbeit.


Möchtest Du noch etwas zur aktuellen Ukraine Nothilfe sagen, das überwältigende Angebot an Hilfsangeboten – was sind diesbezüglich in deinen Augen Herausforderungen und Chancen?


Die Hilfsangebote und die Spendenbereitschaft sind derzeit außergewöhnlich. Das ist eine Chance, Menschen für längerfristiges Engagement und regelmäßige Spenden zu gewinnen. Es ist auch eine Chance, dass die Zivilgesellschaft die Kolleg*innen aus Osteuropa intensiver kennenlernt und von ihnen lernt, – auch wenn die Situation furchtbar ist.


Die Risiken sehe ich darin, dass durch Überlastung, schlechte politische Entscheidungen und Kommunikation die Solidarität zurückgeht und antidemokratische Akteur*innen diese Krisensituation für ihre Botschaften nutzen. Das größte Risiko ist natürlich eine zeitliche und geografische Ausweitung des Krieges.

 

Und zum Schluss – 3 Fragen in je einem Satz:


Welches Buch hast Du bzgl. Ehrenamt/Engagement oder auch den Feldern, in denen Du Dich engagierst, gelesen, das Dich nachhaltig beeindruckt hat?

„The Tipping Point: How Little Things Can Make a Big Difference“ von Malcolm Gladwell


Wenn Du einen Wunsch für den gemeinnützigen Sektor frei hättest, welcher wäre das?

Eine Pause von allen Krisen zum Durchatmen, Sortieren und dann gestärkt weitermachen.


Was möchtest Du unseren Leser*innen mit auf den Weg geben? Was ist Dein Credo?

Kleine Dinge können Großes bewirken - vor allem wenn wir zusammenarbeiten!

 
Carola von Peinen

Larissa Probst

Geschäftsführerin

DFRV