Wenn sich die beiden RB´s dieser Republik zusammentun, wenn also die Robert Bosch Stiftung bei Roland Berger Strategy Consultants eine Studie in Auftrag gibt, dann hält die Stiftungswelt erst einmal erwartungsvoll den Atem an.  So ziert das Cover der 94-seitigen Studie die Headline SHAPE THE FUTURE- Zukunft des Stiftens. Diese Studie hat die Robert Bosch Stiftung anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens in Auftrag gegeben.

Das Ziel der Studie wird bescheiden als ein Impuls gesehen, der die Stiftungswelt über die eigene Zukunft nachdenken lassen soll. Aber ist dieser Impuls nicht paradox? Stiftungen sind grundsätzlich für die Zukunft ausgelegt und daher der Inbegriff der Zukunftsfähigkeit! Ein Punkt, den das Roland Berger-Team offensichtlich nicht berücksichtigt hat.

Laut der Studie schöpfen Stiftungen ihre Möglichkeiten nicht genug aus, sind weder transparent noch auf Effizienz und Wirkung ausgelegt. Nach der Lektüre der Studie und den begleitenden Pressemeldungen kommt erst einmal der Gedanke: Nichts Neues.

Und tatsächlich ist es auf den zweiten Blick überraschend, wie viele Allgemeinplätze in der Studie wiederzufinden sind. Als Ergebnis für ein branchenfremdes Beratungsunternehmen nicht verwunderlich, jedoch scheint die Expertise der Robert-Bosch-Stiftung in die Studie nicht eingeflossen zu sein.

Es ist weder erstaunlich, dass erkannt wurde, wie sich die Aufgaben in unserer Gesellschaft zwischen dem Staat und den gemeinnützigen Organisationen neu verteilt haben. Noch ist es nicht neu, dass sich die Frage nach der Wirksamkeit des Engagements, dem Impact, der Effektivität immer stärker stellt.

Natürlich haben sich in Zeiten knapper Kassen die gemeinnützigen Stiftungen immer mehr in Projekten wiedergefunden, die vorher vom Staat durchgeführt wurden. Und selbstverständlich müssen sich gerade steuerbefreite Akteure in der Demokratie von den Bürgern fragen lassen, inwieweit diese Befreiung einen gesellschaftlichen Vorteil hat. Dazu gehört neben Transparenz und aktiver Öffentlichkeitsarbeit auch das kontinuierliche, kritische Hinterfragen der eigenen Arbeit.

Spannend ist die These, dass die Zivilgesellschaft unterfordert und der Staat überfordert ist. Dieses Ungleichgewicht wirkt sich auf die Zukunft unserer Gesellschaft aus, analysierten die Strategieberater. Die Grundannahme hierbei ist, dass der Staat mit seinen Aufgaben überfordert ist und gleichzeitig die Bürger nicht bereit sind, in diese Bresche zu springen. Die Bürger delegieren Verantwortung an den Staat. Doch genau dieser kritisierte Prozess ist ein Grundprinzip unserer demokratischen Ordnung des Sozialstaates. In unserer Demokratie ist das Verständnis, den Staat zu beauftragen und sich um die sozialen Belange der Gesellschaft zu kümmern ein wesentlicher Grundpfeiler. Denn dafür zahlen wir schließlich Steuern, Abgaben und in die Sozialkassen ein. Der Vorwurf, dass sich die Bürger in den USA stärker für die sozialen Belange einsetzen, gilt nicht. Denn in deren Demokratie wurde der Staat nicht für die sozialen Belange ins Zentrum der Verantwortung gestellt.

Generell langweilt der ewige Vergleich zwischen Deutschland und den USA. Auch hier ist die Studie den klassischen Vorurteilen unterlegen und singt das Hohelied der amerikanischen Philanthropie. Doch Hamburg ist nicht New York und Duisburg eben nicht Pittsburg. Diese kulturelle Vielfalt im Denken und Handeln macht diese Welt bunt und interessant. Und wir können durchaus stolz sein auf die soziale Marktwirtschaft der Nachkriegsära.

Ja, die Studie hat in vielen Punkten den Finger auf die Wunden des deutschen Stiftungswesens gelegt. Die meisten Stiftungen haben zu wenig Kapital und können mit den geringen Zinserträgen nicht wirklich die Satzungsziele realisieren. Die kritische Reflexion der eigenen Arbeit bezüglich ihrer Wirksamkeit ist noch zu schwach entwickelt. Stiftungen müssen aus ihren Fehlern lernen und den Mut haben, ihre Ansätze komplett umzukrempeln. Stiftungen müssen mehr zusammen arbeiten. So bündeln beispielsweise Stiftungsnetzwerke die Mittel, steigern die Kreativität und erhöhen die Wirksamkeit.

Die Studie betrachtet auch die Erwartungen der Geber. Aber auch das ist nicht neu: Geber suchen Alternativen zu dem wenig effektiven Stiftungsmodell, wollen effektiv investieren und haben betriebswirtschaftliche Erwartungen an Projekte und Projektträger.

Natürlich ist das Fazit der Studie nachvollziehbar: Stiftungen müssen sich den Erwartungen der Öffentlichkeit in der Zukunft anders stellen als in der Vergangenheit. Und die jüngeren Geber haben andere Emotionen, Anforderungen und Vorstellungen als die Mäzene des letzten Jahrhunderts.

Spannend wird es sein zu erleben, wie sich die Stiftungen in Zukunft diesem Spagat stellen. Auf der einen Seite die eigenen Projekte kritisch hinterfragen und gleichzeitig die Anforderungen von Öffentlichkeit und Gebern zu erfüllen. Doch die wirklich spannende Frage lautet doch: Müssen Stiftungen die staatlichen Aufgaben übernehmen oder zieht sich der Staat wegen der Stiftungen aus seiner Verantwortung zurück?

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Wenn sich die beiden RB´s dieser Republik zusammentun, wenn also die Robert Bosch Stiftung bei Roland Berger Strategy Consultants eine Studie in Auftrag gibt, dann hält die Stiftungswelt erst einmal erwartungsvoll den Atem an.  So ziert das Cover der 94-seitigen Studie die Headline SHAPE THE FUTURE- Zukunft des Stiftens....