Tausende Wohltäter haben ihr Geld in eigene Stiftungen eingebracht. Jetzt heißt es, Vertrauenskapital aufzubauen, um die Saat der gesellschaftlichen Verantwortung auch zur Blüte zu bringen.

Deutschland hat eine sehr lange Kultur des Gebens. Bereits im 16. Jahrhundert haben die Augsburger Kaufleute der Familie Fugger gezeigt, dass sich unternehmerischer Erfolg nicht losgelöst von gesellschaftlicher Verantwortung gestalten lässt.

Durch die Gründung der Fuggerei, dem ersten Projekt des sozialen Wohnungsbaus, wurden 106 vorbildlich gestaltete Wohnungen geschaffen, die Menschen zur Verfügung standen, die ohne eigenes Verschulden in die Mittellosigkeit gesunken waren.

Von den Fuggern bis zur Familie Otto

Im Jahre 1900 hat sich die Firma Krupp durch vorbildliche Werkssiedlungen, eigenen Schulen und Lebensmittelläden, einer Sparkasse sowie einem Waisen- und Rentenversorgungssystem, einer Werksbücherei und Erholungsheimen für das Wohl der Arbeiter eingesetzt. Durch die Gründung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das gesamte Unternehmen in eine Stiftung übertragen. Diese Stiftung setzt sich für Wissenschaft, Bildung, Sport, Kunst, Kultur und Medizin im Ruhrgebiet ein.

Die Beispiele von gesellschaftlichem Engagement lassen sich mit den Namen von Robert Bosch, der Bertelsmann Stiftung und dem Engagement der Familie Otto bis in die Gegenwart fortsetzen.

Allen diesen Initiativen ist gemeinsam, dass sich erfolgreiche Unternehmer dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen und ein prägendes Engagement für die Förderung der Gesellschaft zeigen und aktiv umsetzen.

Dieses Engagement findet sich auch bei den heutigen Gebern wieder. Die Menschen, die heute gesellschaftlich aktiv sind, wollen wirkungsvoll helfen und Lösungen fördern, die das Leben für die Menschen besser machen.

Geber in der öffentlichen Kritik

Anders als in der Vergangenheit leben die prominenten Geber in einer medialen Öffentlichkeit, die deren Wirken auf Tritt und Schritt begleiten und dabei auch vor kritischer Berichterstattung nicht zurückschrecken. Gerade in der Öffentlichkeit wird oft der Eindruck vermittelt, dass sich gesellschaftliches Engagement als eine moderne Form der Eigenwerbung darstellt.

Ein gutes Beispiel der kritischen Stimmen ist der Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Die Kritiker dieses Baus werfen den Unterstützern vor, dass ihr Geld viel besser in den Ausbau von Kindergärten investiert wäre.

Gesellschaftliche Effektivität

Neben der kritischen Begleitung der Medien ist auch der Anspruch der Geber an den Wirkungsgrad gestiegen. Während der klassische Mäzen seine Aufgabe als Unterstützer wahrgenommen hat und sich gern für Projekte gewinnen ließ, ist der moderne soziale Investor auch an dem gesellschaftlichen Output seines Engagements interessiert.

Hinter der Frage nach der Wirksamkeit steht die Erkenntnis, dass nicht allein das finanzielle Volumen über die Effektivität von Projekten entscheidend ist, sondern auch die Art und Weise der Projektdurchführung. Entscheidend ist nicht allein, wie viel Geld in einem Projekt ankommt, sondern wie dieses Geld eingesetzt wird. Eine Stiftung mit höheren Verwaltungskosten kann durchaus den höchsten Wirkungsgrad haben. Durch nachhaltige Projektbegleitung und Projektevaluation entstehen zwar höhere Kosten, doch auf der anderen Seite ist ein optimaler Wirkungsgrad durch die intensive Begleitung gewährleistet.

Kennzahlen optimieren den Wettbewerb zwischen den Organisationen

Auch zeigen die Entwicklungen im Wirtschaftsalltag ihre Auswirkungen auf die Arbeit von Stiftungen und gemeinnütziges Projekten. Kennzahlen zur Messung von Wirkungsgraden, Benchmarks zum Vergleich von Projektträgern spielen auch im Non-Profit-Bereich eine wichtige Rolle. Da die meisten finanzstarken Geber erfolgreiche Unternehmer sind, übertragen sie diese Denkweise von der einen Welt in die andere Welt. Dadurch entsteht ganz nebenbei auch ein Wettbewerb unter den Organisationen, der die ohnehin effektive Arbeit in den Projekten weiter optimiert.

So kann der Geber zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen ist er gegenüber der Öffentlichkeit in der Lage über die Wirkungsweise seines Engagements eindeutige Kennzahlen zu nennen, zum anderen wird dadurch sichergestellt, dass die Organisation mit den Projekten unterstützt werden, die den größten gesellschaftlichen Nutzen haben.

Die Projektauswahl ist emotional getrieben

Trotz unserer aufgeklärten und stark technikorientierten Welt spielen weiterhin die Emotionen die wichtigste Rolle bei den Motiven von Gebern. Es ist nicht die Ratio, die entscheidet, welches Projekt unterstütz werden soll. Es sind die Gefühle, die Geber mit bestimmten Projekten verbinden, Gefühle, die den Geber berühren.

Daher ist es immer ratsam, wenn die finanziellen Unterstützer ihrem Herzen folgen und sich für jene Projekte entscheiden, die sich für den Geber am besten anfühlen. Erst danach werden die rationalen Fakten geprüft, also die Frage welches Engagement und welcher Wirkungsgrad möglich ist.

Die Ansprache von Gebern ist das Erfolgsgeheimnis im Fundraising

Für Organisationen ist es schwer herauszubekommen, welcher Geber sich für die eigenen Projekte gewinnen lässt. Sicherlich lassen sich Schwerpunkte aus der bisherigen Geberpraxis herausfinden, doch wenn ein Geber bisher immer Museen unterstützt hat bedeutet das nicht automatisch, dass er sich für Entwicklungshilfeprojekte nicht begeistert. Vielleicht sind ihm bisher die richtigen Projekte noch nicht über den Weg gelaufen?

Fundraising bedeutet, aktiv um Unterstützung von Gebern zu bitten. Das heißt, die Organisation muss auf die Geber zugehen und sie direkt ansprechen. Nur durch das direkte Gespräch lässt sich tatsächlich herausfinden, welche Emotionen der Geber mit einem bestimmten Projekt verbindet. Und nur wenn solche Emotionen vorhanden sind, kann der Spendensammler erfolgreich sein. 

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Tausende Wohltäter haben ihr Geld in eigene Stiftungen eingebracht. Jetzt heißt es, Vertrauenskapital aufzubauen, um die Saat der gesellschaftlichen Verantwortung auch zur Blüte zu bringen. Deutschland hat eine sehr lange Kultur des Gebens. Bereits im 16. Jahrhundert haben die Augsburger Kaufleute der Familie Fugger gezeigt, dass sich unternehmerischer Erfolg nicht...