„Deutschlands Stiftungen in Not – Das Geschäftsmodell der Stiftungen steht vor dem Scheitern?“

Dieses Zitat stammt aus einem spannenden Artikel von Dennis Kremer, erschienen in der Printausgabe der FAZ am 3. Mai 2015. Auslöser für diesen spannenden Beitrag ist eine Mitteilung der Herbert Quandt-Stiftung über die Einstellung verschiedener operativer Tätigkeiten.

Die Herbert Quandt-Stiftung, so berichtet der Autor Dennis Kremer, wird ihre Projektarbeit einschränken. Grund für diese Meldung sind die geringen Kapitalmarktzinsen. Nichts wirklich Neues aus der Stiftungswelt. Zahlreiche Stiftungen müssen die Arbeit einschränken, weil das Stiftungsvermögen wenig Rendite bringt. Sind doch eine Vielzahl von Stiftungen unterkapitalisiert, nur 5,4 Prozent der über 20.000 rechtsfähigen Stiftungen verfügt über ein Vermögen von einer Million Euro oder mehr. Für fast alle Stiftungen ist die Situation dramatisch. Auf der einen Seite muss das Vermögen durch sichere Anlagen im Bestand erhalten bleiben – doch sichere Vermögensanlagen bringen keine Renditen. Auf der anderen Seite müssen Stiftungen gemeinnützige Projekte fördern, damit sie dem Satzungszweck entsprechen. Ein Verstoß gegen diese beiden Paradigmen kann zum Verlust der Reputation und noch schlimmer, der Gemeinnützigkeit führen.

Spannend bei diesem Artikel ist der ehrliche Umgang mit der aktuellen Situation in der Deutschen Stiftungslandschaft. Die Einstellung des operativen Geschäftes bei Stiftungen oder gemeinnützigen Organisationen wird zukünftig kein Einzelfall bleiben, diese Entwicklung könnte sogar erdrutschartig vonstatten gehen. Durch die Politik des billigen Geldes von Zentralbank Präsident Mario Draghi, so der Autor, wird das bürgerschaftliche Engagement in Deutschland zerstört. Er sieht das Geschäftsmodell der Stiftungen in ernster Gefahr.

Denn die erwähnte Herbert Quandt Stiftung verfügt über ein Vermögen von 40 Millionen Euro und gehört damit zu den gut ausgestatteten Akteuren. Zudem steht der Stiftung Susanne Klatten, geborene Quandt, vor, die bereits seit Jahren die Liste der reichsten Deutschen mit einem geschätzten Vermögen von über 16 Milliarden Euro anführt.
Wobei Fluch und Segen hier ganz nah beieinander liegen. Der philanthropische Geist der Familie Quandt findet in zahlreichen sozialen Engagements Ausdruck. Dazu gehört auch die nach dem Patriarchen Herbert Quandt genannte Stiftung. Die Stifterfamilie stattete in der Vergangenheit diese Stiftung immer wieder mit frischem Geld aus und förderte damit u.a. interreligiöse Begegnungen. Von einer solchen komfortablen Situation träumen die meisten Stiftungen nur.

Doch wenn sich die Familie aus dem Engagement zurückzieht, dann muss die Stiftung radikal die Förderung einstellen. Alternative Geldquellen gibt es für solche Namensstiftungen nicht. Der Name „Herbert Quandt“ und die Vermögensverhältnisse der Familie macht ein Fundraising unmöglich. Denn wer möchte sein Geld in eine Stiftung geben, die doch sehr reich ist und die Stifter alle Projekte aus der sogenannten „Portokasse“ bezahlen können?

Um dem eigenen Untergang der Organisation nicht tatenlos zuzusehen, skizziert der Autor Stiftungsverantwortlichen drei mögliche Auswege:

  • Durch eine Umwandlung in eine Verbrauchsstiftung (das Kapital wird nach und nach aufgebraucht, Mindestdauer 10 Jahre) können die Stiftungsverantwortlichen eine viel höhere Wirkung erzielen und mit dem Verbrauch des Stiftungsvermögen ihren Stiftungszweck erfüllen (prominentes Bsp. ist die RWE Stiftung)
  • Durch die Fusion von Stiftungen können gemeinnützigen Organisationen ihren Wirkungsgrad erhöhen. Die Fortführung des gemeinsamen Satzungszweckes und die Namensfindung sind dabei Hürden, die zu überwinden sind.
  • Eine weitere Möglichkeit ist die Etablierung einer Fundraisingabteilung in der eigenen Organisation und die damit verbundene Möglichkeit, die fehlenden Erträge durch neue Spendengelder auszugleichen. Für eine erfolgreiche Etablierung ist also eine gute Positionierungsstrategie notwendig, die im Idealfall bereits bei den Satzungszwecken und der Namensgebung beginnt. Diese Punkte sind das Fahrgestell einer modernen Stiftung. Engagierte Stifter und engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter sind dabei der Motor, der die ganze Initiative voranbringt.

Fazit:
Große Veränderungen in der Stiftungslandschaft stehen uns bevor!
Nur durch eine starke Bereitschaft aller Akteure wird ein dringend benötigter „Kulturwandel“ sowohl auf Stiftungsseite als auch auf Stifterseite erfolgen können.

Doch wie könnte die Philanthropie des 21. Jahrhunderts in Deutschland aussehen?

Der alte Weg, dieses Engagement in eine Stiftung umzuleiten, entspricht aber meist nicht mehr den Erwartungen der Philanthropen und ist häufig auch nicht mehr der beste Weg, um die Stiftungsziele zu erreichen. Die Möglichkeiten, die Welt trotzdem etwas besser zu machen gibt es und warten nur darauf von den Philanthropen des 21. Jahrhunderts um- bzw. eingesetzt zu werden, damit die Wirkung des Engagements im Sinne einer gesellschaftlichen Veränderung erhalten bleibt.

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„Deutschlands Stiftungen in Not - Das Geschäftsmodell der Stiftungen steht vor dem Scheitern?“ Dieses Zitat stammt aus einem spannenden Artikel von Dennis Kremer, erschienen in der Printausgabe der FAZ am 3. Mai 2015. Auslöser für diesen spannenden Beitrag ist eine Mitteilung der Herbert Quandt-Stiftung über die Einstellung verschiedener operativer Tätigkeiten. Die...