Anlagerichtlinien und Controlling- wesentliche Voraussetzungen für das Vermeiden von Haftungsrisiken für Gremienmitglieder von Stiftungen.

Die Stiftungsstudie des Bundesverbandes der Stiftungen zeigt es deutlich. Nur gut 50 % der Stiftungen haben Anlagerichtlinien und einen festgelegten Prozess zur Vermeidung von Haftungsfällen in der häufig ehrenamtlich geleisteten Gremienarbeit. Immerhin- über 40 % haben für eventuelle Regressforderungen eine D&O Versicherung abgeschlossen. Ein erster Schritt in die richtige Richtung: doch zu einer Inanspruchnahme muss es nicht kommen. Eine Entwicklung von Leitlinien für die Vermögensanlage ist eine ideale Möglichkeit, um für den laufenden Entscheidungsprozess und eine regelmäßige Überwachung durch die Stiftungsaufsicht gerüstet zu sein.

Das deutsche Stiftungsrecht zielt sehr auf den Stifterwillen ab. Daher liegt es in der Verantwortung der nachfolgenden Geschäftsführung diesen zu erfüllen und somit auch das verwaltete Kapital mit einer ausgewogenen Risikostruktur auf lange Sicht anzulegen und angemessene Kontrollmechanismen zu etablieren. Der Stifter, der Finanzverantwortliche bzw. die Gremienmitglieder haben womöglich eine unterschiedliche Risikoaffinität. Bei kleineren Stiftungen gibt es häufig nur einen ehrenamtlichen Vorstand und als Kontrollorgan fungiert die zuständige Aufsichtsbehörde. Das funktioniert, steht und fällt aber mit den Personen, die die Verantwortung für die Stiftung übernehmen. Für die Zukunftssicherung der Stiftung ist es ratsam, wesentliche Rahmenanforderungen festzuzurren und einen Anlageausschuss zu etablieren, um auch bei den Anlageentscheidungen ein Vier-Augen-Prinzip zu leben und damit das Schiff STIFTUNG sicher durch künftige stürmische Marktentwicklungen zu navigieren. Bei größeren Stiftungen sind diese wichtigen Voraussetzungen leichter zu erfüllen, weil der Vorstand und das Kuratorium in der Regel zahlreicher besetzt sind.

Wie kann solch eine Navigation aussehen?

Auf jeden Fall schaffen festgelegte Anlagerichtlinien einen sicheren Rahmen, in dem sich die Entscheidungsträger bewegen können. Die gewählte Risikostruktur sollte nicht zu eng ausgerichtet sein, so dass  die Stiftung auftretende Marktschwankungen an den Finanzmärkten entsprechend durchlaufen kann und eine langfristige Anlagestrategie verfolgt. Auftretende Buchverluste sind immer nur eine Momentaufnahme und haben nur dann Auswirkungen, wenn eine Veräußerung des Bestandes erfolgt. Wichtig bei der Gestaltung der Anlagerichtlinien ist es, auf eine gesunde, auf das Risikoprofil der Stiftung zugeschnittene Mischung der verschiedenen Risikoklassen zu setzen. Weiterhin hat es sich bewährt, auf die Bonität des Emittenten oder der Aktiengesellschaft abzustellen und mit einer ausgewogenen Laufzeitstruktur für regelmäßige Wiederanlagemöglichkeiten zu sorgen. Die jährliche Teil-Wiederanlage ermöglicht eine gute Chance, die verschiedenen Anlageherausforderungen in verschiedenen Marktzyklen erfolgreich zu bewältigen.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Dieser bewährte Spruch trifft auch auf Ihre Anlageentscheidungen zu. Beispielsweise die Kontrolle der Transaktionsabrechnungen und der regelmäßigen Zahlungsströme ist ein erstes Muss in der Verwaltung des Stiftungsvermögens. Häufig unterstützen Vermögensverwalter auch in Form von monatlichen oder mindestens vierteljährlichen Reports die Kontrolle der Wertentwicklung der Anlagebestände. Sofern das Vermögen auf unterschiedliche Partner verteilt ist, gibt es im besten Falle mehrere Reports für unterschiedliche Depots. Eine Herausforderung, die die Stiftung zu bewältigen hat, um auch bei mehreren Partnern in einer sorgfältigen Stiftungsverwaltung immer einen Gesamtüberblick zu haben. Eine individuell gepflegte Excellösung kann eine erste Antwort für kleinere Stiftungen sein, es gibt aber auch professionelle Anbieter, die Softwarelösungen anbieten und die unterschiedlichen Depotbestände als Ganzes betrachten. Größere Stiftungen holen sich häufig Unterstützung bei den Managern von großen Familienvermögen, für die diese Art der Aufbereitung der Zahlen zum Alltag gehört. Der Vorstand oder der Finanzverantwortliche einer Stiftung kann nicht jedes Risiko vermeiden. Jede Organisation sollte allerdings jederzeit in der Lage sein, gemeinsam mit seinem Anlageausschuss oder seinem Kuratorium das Gesamtrisiko der Stiftungsanlagen festzustellen und zu bewerten, um die Ausrichtung des Stiftungsvermögens ggf. anzupassen.

Verantwortung für die Zukunft

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Sie als gemeinnützige Organisation zur Vermeidung von Haftungsrisiken für die handelnden Personen folgende Leitlinien etablieren sollten:

  1. Anlagerichtlinien bieten Ihnen einen wertvollen Beitrag zur langfristig ausgerichteten Anlagepolitik Ihrer Stiftung und geben einen Handlungsrahmen für alle Beteiligten.
  2. Eine Etablierung eines Anlageausschusses hat sich bewährt, um die Verantwortung auf eine breitere Basis zu stellen. Zudem schaffen regulierte Entscheidungsprozesse Sicherheit für alle beteiligten Gremienmitglieder.
  3. Auch ein installiertes Controllingsystem z.B. anhand von Reports unter Berücksichtigung aller Assets bietet den Entscheidungsträgern eine gute Basis zur Vermeidung möglicher Haftungsrisiken. 
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Anlagerichtlinien und Controlling- wesentliche Voraussetzungen für das Vermeiden von Haftungsrisiken für Gremienmitglieder von Stiftungen. Die Stiftungsstudie des Bundesverbandes der Stiftungen zeigt es deutlich. Nur gut 50 % der Stiftungen haben Anlagerichtlinien und einen festgelegten Prozess zur Vermeidung von Haftungsfällen in der häufig ehrenamtlich geleisteten Gremienarbeit. Immerhin- über 40 % haben...