Eine positive Wirkung erzielen steht im Leistungszentrum einer jeden gemeinnützigen Stiftung. Und gerade deshalb kann der Einstieg in nachhaltige Investments für diese durchaus interessant sein. 5 Fragen helfen bei der Orientierung. Von Oliver Oehri

Es findet derzeit ein spannender Paradigmenwechsel in der Stiftungslandschaft statt. Der aktuelle Swiss Foundation Code formuliert diesen sehr treffend: „Alles, was eine Stiftung tut, gehört zusammen. Ihre Aktivitäten – Fördertätigkeit und Vermögensbewirtschaftung – bündeln sich zu einer Gesamtwirkung. Aus diesen Gründen darf sie sich nicht nur auf Vermögenserhalt und Rendite ausrichten, sondern muss auch weitere Wirkung anstreben.“ Diese Aussage erfährt insbesondere in der Niedrigzinsphase besondere Bedeutung. Wie kann nun aber die Vermögenswirkung einer Stiftung ermittelt, beziehungsweise positiv umgesetzt werden? Fünf Fragen ermöglichen den Einstieg ins nachhaltige Investieren.

1)        ZIELE – Welche Stiftungsmotive lassen sich verfolgen?
Gerade eine gemeinnützige Stiftung sollte bei ihrer Vermögensbewirtschaftung keine gemeinschädliche Wirkung in Kauf nehmen sowie Reputationsrisiken vermeiden. Insbesondere gilt es zu prüfen, mit welchen Investitionen eine nachhaltige Wirkung erzielt werden kann, um so die Gesamtwirkung der Stiftung zu erhöhen. Letztendlich sollten Investitionen in schlecht geführte Firmen vermieden werden, da diese das finanzielle Risiko im Stiftungsportfolio erhöhen würden (Stichwort: Risikomanagement).

2)        EIGNUNG – Kann jede Stiftung mit ihrer Vermögensbewirtschaftung einen Wirkungsbeitrag leisten?
Jede Stiftung, die eine Vermögensbewirtschaftung betreibt kann eine positive aber auch negative Vermögenswirkung entfalten – sei es in Form eines Vermögensverwaltungsmandats bei einer Bank oder Vermögensverwalter oder durch den Kauf eines Anlagefonds. Die Meinung, dass Nachhaltigkeit eine Renditeeinbusse erzeugen soll, gehört dabei zu den Mythen & Märchen. So belegen über 2‘000 Studien den überwiegenden positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitskennzahlen und der finanziellen Vermögensperformance.

3)        NACHHALTIGKEITSTESTS – Wie kann die Vermögenswirkung einer Stiftung bestimmt werden?
Mittlerweile haben sich drei Nachhaltigkeitstests zur Überprüfung der Vermögenswirkung durchgesetzt: der ESG-Test, der UN Global Compact Test und der Klimafussabdruck. Die Wirkung des Stiftungsvermögens kann insbesondere durch die zentralen Bereiche der Nachhaltigkeit, mittels der so genannten  „ESG-Kennzahlen“ (Environmental, Social and Governance), gemessen werden. Ob ein Verstoss gegen die UN Global Compact Richtlinien und deren Werte vorliegt  oder ob die Stiftung aktiv die globale Klimaerwärmung vorantreibt (Klimafussabdruck des Stiftungsvermögens) geben zusätzlich über die positive oder negative Vermögenswirkung einer Stiftung Aufschluss. Alle drei Nachhaltigkeitstests können bei jeder Stiftung unabhängig der Vermögensgrösse und -struktur angewendet werden.

4)        ÜBERPRÜFUNG – Wer ist der richtige Anbieter?
Ist eine Stiftung dann soweit, nachhaltig zu investieren, so hat sie die Qual der Wahl – es gibt unzählige Anbieter und jeder behauptet besonders nachhaltig zu sein. Wen sollte man nun auswählen und wie kann eine Stiftung die tatsächliche Wirkung überprüfen? Viele der rund 13‘000 gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz sind auf der Suche nach kostensparenden und einfach zu handhabenden Lösungen. An dieser Stelle soll auf drei unabhängige Online Plattformen zur Überprüfung der Vermögenswirkung aufmerksam gemacht werden:

  • yourSRI.com: Die Online-Plattform ermöglicht die Überprüfung aller drei Nachhaltigkeitstests (ESG-Kennzahlen, UN Global Compact sowie Klimafussabdruck) für das eigene Stiftungsportfolio sowie für sogenannte nachhaltige als auch traditionelle Anlagefonds. Eine gesonderte Suche nach nachhaltigen Anlagefonds ist darüber hinaus möglich.
  • morningstar.com: Die Online-Plattform ermöglicht die Überprüfung insbesondere der ESG-Kennzahlen für so genannte nachhaltige als auch traditionelle Anlagefonds.
  • nachhaltiges-investment.org: Die Online-Plattform bietet zwar keine Nachhaltigkeitstests, ermöglicht jedoch eine gesonderte Suche nach nachhaltigen Anlagefonds.

5)        GOVERNANCE – Wie oft sollte eine Stiftung ihre Vermögensbewirtschaftung kontrollieren?
Die Vermögensbewirtschaftung ist bei gemeinnützigen Stiftungen wie die Kontrolle der Förderaktivitäten eine relevante Governance-Aufgabe des Stiftungsrats. So sollte die Wirkungsüberprüfung des Stiftungsvermögens auch mindestens einmal pro Jahr von einer unabhängigen Organisation durchgeführt und dem Stiftungsrat vorgelegt werden. Die Weiterbildung des Stiftungsrats sowie der Erfahrungsaustausch mit Experten nehmen dabei an Bedeutung zu.

Fazit

Das Bedürfnis nach mehr gesellschaftlicher Verantwortung, nach mehr Transparenz, aber auch die Weiterentwicklung des heutigen Vermögensrisiko-Managements ist deutlich spürbar. Gerade gemeinnützige Stiftungen beginnen verstärkt ihre Vermögenswirkung zu hinterfragen. Kostensparende und einfach zu handhabende Nachhaltigkeitstests unterstützen dabei die gemeinnützigen Stiftungen entscheidend.

Quelle: CSSP, Auszug
Oliver Oehri ist Managing Partner bei der CSSP, ein Unternehmen für die Überprüfung und Überwachung von Vermögenswirkung.

Bildquelle: fotolia.com

http://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2017/03/Fotolia_72598222_Subscription_Monthly_XL-940x627.jpghttp://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2017/03/Fotolia_72598222_Subscription_Monthly_XL-300x300.jpgGastautorFinanzenOrganisationenMission Investing,Nachhaltigkeit,Vermögensanlage
Eine positive Wirkung erzielen steht im Leistungszentrum einer jeden gemeinnützigen Stiftung. Und gerade deshalb kann der Einstieg in nachhaltige Investments für diese durchaus interessant sein. 5 Fragen helfen bei der Orientierung. Von Oliver Oehri Es findet derzeit ein spannender Paradigmenwechsel in der Stiftungslandschaft statt. Der aktuelle Swiss Foundation Code formuliert...