Stiftungen verwirklichen mit den Erträgen ihres Grundstockvermögens ihren Stiftungszweck und unterliegen der Verpflichtung, das Stiftungskapital zu erhalten. Ob das Stiftungsvermögen nominal oder real zu erhalten ist, richtet sich nach den einzelnen Landesstiftungsgesetzen und den Anordnungen des Stifters in der Stiftungssatzung.

1.        Herr Pohl, in Ihrem Beratungsalltag haben Sie häufig mit Vereinen und Stiftungen zu tun, wie sind diese gemeinnützigen Organisationen bei der  Vermögensanlage heute aufgestellt?

Traditionell waren Stiftungen immer darauf bedacht, regelmäßige Erträge aus konservativen Geldanlagen zu erzielen. Das bedeutet, dass der Schwerpunkt auf Staatsanleihen und mündelsicheren Anlagen lag – und auch immer noch liegt. In den letzten Jahren konnten Stiftungen die Inflationsrate problemlos mit Staatsanleihen oder ähnlich risikoarmen Wertpapieren ausgleichen. In den letzten Monaten hat sich abgezeichnet, dass dies langfristig nicht zu erreichen ist. Aufgrund der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB und damit deutlich sinkender Erträge sehen sich viele Stiftungen und Vereine nun gezwungen, ihre Anlagestrategie zu überprüfen, da die Finanzierung der Projekte immer schwieriger wird.

2.        Rücken nun Aktieninvestments in den Fokus der Stiftungen, Herr Jedtberg?

Vereinzelt haben Stiftungen und Vereine ihre Anlagerichtlinien überarbeitet, um sich den aktuellen Kapitalmarktgegebenheiten anzupassen. Dieses führte teilweise dazu, dass mögliche Aktienquoten von bis zu 30 Prozent in die Anlagestrategie aufgenommen wurden.

2.        Herr Pohl, was hindert aus Ihrer Sicht gemeinnützige Organisationen daran, noch mehr in Aktien zu investieren?

Ganz klar das Risiko. Deshalb scheuen sich viele Stiftungen und Vereine, ihre Anlagerichtlinien zu überarbeiten. Häufig herrscht zudem im Vorstand keine Einigkeit über die Anlagestrategie. Oftmals fehlt allerdings auch die nötige Expertise im Aktienbereich.

3.        Angesichts des häufig fehlenden Finanzmarkt-Know-hows – was raten Sie gemeinnützigen Organisationen in Bezug auf die Vermögensanlage?

Aufgrund der Herausforderung im Niedrigzinsumfeld ausreichend Erträge zu generieren und nicht zuletzt aus Haftungserwägungen suchen gemeinnützige Organisationen bei der Geldanlage vermehrt Rat bei Experten. Hierfür bieten wir unseren Kunden eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene, individuelle Beratung durch unsere Wertpapierspezialisten an. Hierbei werden alle Anlageentscheidungen mit dem Kunden besprochen und gemeinsam getätigt. Zum Beispiel könnten viele der von uns betreuten Stiftungen und Vereine von der Anlage in Fonds auf Basis von Dividendenstrategien, die sich durch regelmäßige Ausschüttungen und eine stabile Wertentwicklung in der Vergangenheit auszeichnen, profitieren. In welchem Fall, ein Investment tatsächlich sinnvoll ist, gilt es in der Beratung individuell zu klären.

4.        Herr Jedtberg, bietet sich  angesichts des häufig fehlenden Know-hows bei gemeinnützigen Organisationen  – nicht auch eine extern gemanagte professionelle Vermögensanlage an?

Selbstverständlich. Gerade in Zeiten, in denen die Kapitalmärkte immer schneller und undurchsichtiger werden, gewinnt eine professionell gemanagte Geldanlage immer mehr an Bedeutung. Für gemeinnützige Organisationen, die ihre Vermögensverwaltung komplett in externe Hände geben möchten oder dies aufgrund fehlenden Know-hows sogar müssen, bietet sich unsere Vermögensverwaltung an. Hierbei gibt der Kunde lediglich seine eigene Risikoaffinität vor. Auf dieser Grundlage wird die Depotstruktur durch unsere Vermögensverwalter zusammengestellt und ständig ergänzt und überwacht. Die Stiftung erhält regelmäßig ein Reporting und wird so über die Entwicklung informiert.

5.         Herr Pohl, warum ist aus Ihrer Sicht eine Vermögensverwaltung mit ETFs („börsengehandelte Fonds“) für gemeinnützige Organisationen ein gutes Anlageinstrument?

ETFs bieten eine kostengünstige, schnell liquidierbare und transparente Anlagealternative zu direkten Investments. Gerade unsere Privatkunden und vermehrt auch Stiftungen und Vereine nutzen diese Möglichkeit der Geldanlage. Bei einer Vermögensverwaltung mit ETFs werden unterschiedliche Anlageklassen je Anlagestrategie so kombiniert, dass das Gesamtrisiko der Strategien unterschiedlich ist. Natürlich existieren auch hier – wie bei jeder Wertpapieranlage -Risiken (wie z. B. das Kursverlust-, Bonitäts-, Fremdwährungs- oder Liquiditätsrisiko). Bei der Vermögensverwaltung mit ETFs werden sie aber in jeder Anlagestrategie durch eine entsprechende Risikostreuung gemindert. Kombiniert mit der Expertise einer professionellen Vermögensverwaltung können sich Stiftungen und Vereine für die Zukunft so hervorragend aufgestellt.

Oliver Pohl arbeitet als Senior Relathionshipmanager bei der HSH Nordbank und betreut vermögende Kunden im Wealth Management. Volker Jedtberg betreut als Wertpapierspezialist aktienaffine Kunden der Bank.

http://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2015/10/info-553638_1280-940x626.jpghttp://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2015/10/info-553638_1280-300x300.jpgJörg SchepersOrganisationen
Stiftungen verwirklichen mit den Erträgen ihres Grundstockvermögens ihren Stiftungszweck und unterliegen der Verpflichtung, das Stiftungskapital zu erhalten. Ob das Stiftungsvermögen nominal oder real zu erhalten ist, richtet sich nach den einzelnen Landesstiftungsgesetzen und den Anordnungen des Stifters in der Stiftungssatzung. 1.        Herr Pohl, in Ihrem Beratungsalltag haben...