Vor einigen Wochen stellten wir in Bezug auf die Bund-Renditen die Frage: Wie tief kann es noch gehen? Die zehnjährigen Staatsanleiherenditen sind weiter gefallen und im August 2014 haben wir die 1%-Marke nach unten durchbrochen. Aktuell liegen  die Renditen von 10 jährigen Bundesanleihen auf einem Rekordtief von 0,83% p.a. und die 2 jährigen Bundesanleihen auf – 0,01% p.a.

Immer mehr Stiftungen erinnern sich an die Alternative der Anlage in Schuldscheindarlehen. Was zeichnet diese Anlageform aus?

Versicherungen hatten im Jahre 1935 in Deutschland mit Schuldscheindarlehen als Anlageform im Rahmen der Deckungsstockfähigkeit begonnen. Sie dienen heute den Emittenten aus Mittelstand und Großindustrie als ergänzendes bzw. substituierendes Finanzierungsmittel zum Bankkredit oder der Unternehmensanleihe. Es ist attraktiv insbesondere für Unternehmen, die für die Emission von Unternehmensanleihen größenbedingt nicht in Frage kommen oder sich nicht durch eine Ratingagentur bewerten lassen wollen. Das Schuldscheindarlehen gehört in Deutschland zu den Private Placements, die außerbörslich gehandelt werden.

Warum kaufen große Non Profit Organisationen wieder vermehrt Schuldscheindarlehen?

Immer noch sind bei Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen festverzinsliche Wertpapiere der größte Depotposten.  Bei steigenden Zinsen am Rentenmarkt bleiben Kursverluste in den Wertpapierbeständen nicht aus. Das bringt Bilanzverluste mit sich, die praktisch erst wieder ausgeglichen werden können, wenn die Obligationen/Anleihen zur Rückzahlung fällig werden. Das kann je nach Laufzeit viele Jahre dauern. Gerade in einer Niedrigzinsphase bevorzugen viele große Stiftungen und gemeinnützige Organisationen Schuldscheindarlehen, um entsprechende Abschreibungen möglichst zu vermeiden.

Vorteile für gemeinnützige Organisationen oder Stiftungen

  • Da Schuldscheine als Forderungen und nicht als Wertpapiere einzustufen sind, werden diese Papiere zum Nennwert verbucht und dem Anlagevermögen zugeordnet. Damit erfolgt die Bewertung nach dem gemilderten Niederstwertprinzip und erzeugt i.d.R. keine Abschreibungen.
  • Die Stückelung liegt in der Regel bei 1 Mio. Euro.
  • Der Zinssatz liegt etwa 0,25 bis 0,5 Prozentpunkte über dem Zinssatz einer vergleichbaren Anleihe.
  • Die Laufzeit ist individuell gestaltbar.
  • Schuldscheine führen zu einer Optimierung der Anlageportfolien und Diversifikation der erwarteten Renditen.

Nachteile für gemeinnützige Organisationen oder Stiftungen

  • Schuldscheindarlehen werden nicht an der Börse gehandelt. Es gibt aber einen Zweitmarkt, der einen vorzeitigen Verkauf ermöglicht, so dass Umschichtungen innerhalb des Anlagevermögens der Stiftung erfolgen könnten.
  • Voraussetzung für den Kauf dieser Anlageform sind  besondere Kapitalmarktkenntnisse der handelnden Personen entsprechend der gesetzlichen Anforderungen.

Fazit: Für gemeinnützige Organisationen und Stiftung eignen sich Schuldscheindarlehen als gute Beimischung bei der Umsetzung einer langfristig orientierten Anlagestrategie.

Jörg Alves, HSH Nordbank AG

Er betreut als Vermögensexperte Privatkunden, Unternehmerfamilien, Stiftungen, gemeinnützige Organisationen und Verbände (Ihr direkter Weg zu unseren Vermögensexperten).

 

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Vor einigen Wochen stellten wir in Bezug auf die Bund-Renditen die Frage: Wie tief kann es noch gehen? Die zehnjährigen Staatsanleiherenditen sind weiter gefallen und im August 2014 haben wir die 1%-Marke nach unten durchbrochen. Aktuell liegen  die Renditen von 10 jährigen Bundesanleihen auf einem Rekordtief von 0,83% p.a....