Wir haben Fondsmanager Thomas Boss (er ist für den VIA Stiftungsfonds mit verantwortlich) interviewt und sind der Frage nachgegangen, ob es in der aktuellen Marktsituation überhaupt noch Sinn macht, in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren.

Macht es in der aktuellen Marktsituation überhaupt noch Sinn, in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren?

Ja, denn viele Stiftungen haben ihre Anlagerichtlinien so ausgerichtet, dass Sicherheit und hohe Verfügbarkeit im Einklang zu einer angemessenen Rentabilität stehen sollen. Die Zielsetzung ist dabei der reale Kapitalerhalt (d.h. unter Berücksichtigung der Inflationsrate), die Sicherheit steht dabei aber vor Ertrag.

Worauf sollte Ihrer Meinung nach eine Stiftung beim Kauf vom festverzinslichen Wertpapieren achten?

Sicherheit, Bonität, Liquidität. Wenn man sich diese drei Schlagworte fest einprägt, ist der erste Schritt schon mal getan. Dabei ist im Einzelnen folgendes zu beachten: Die Art des Emittenten; handelte es sich z.B. um eine Staatsanleihe oder um eine Unternehmensanleihe. Das Rating; wie wird der Emittent von den Ratingagenturen auf seine Ausfallwahrscheinlichkeit eingestuft und passt die Investition zu Anlagerichtlinien der Stiftung; d.h. hier sollte man unterscheiden zwischen Investment Grade (AAA-BBB) und Non Investment Grade (BB-)

Und was kommt dann noch zusätzlich hinzu?

Ganz entscheidend für planbare Ertragsausschüttungen ist die Laufzeit der Anleihe. In der heutigen Zeit bewegen wir uns bei kürzeren Laufzeiten in einem Bereich in dem es aktuell sehr geringe Zinserträge gibt. Wenn man noch eine etwas höhere Rendite erzielen möchte, muss man in längere Laufzeiten investieren.

Längere Laufzeiten heißt aber auch, dass das Zinsänderungsrisiko stark steigt?

Das stimmt. Längere Laufzeiten geben einer Stiftung auf der einen Seite die Sicherheit von etwas höheren Ertragsausschüttungen. Auf der anderen Seite steigt das Risiko bei Zinsänderungen einen Kursverlust erleiden zu können. Man sollte darauf achten, dass die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer (Duration) der Geldanlage(n), im Einklang mit dem bzw. mit seinem Anlagehorizont steht.

Gibt es eine Möglichkeit sich gegen einen Kursverlust bei steigenden Zinsen abzusichern?

Ja, wenn man aber seine Investitionen relativ gleichmäßig über mehrere Laufzeiten verteilt (Leiterstrategie), kann man seine Kursverluste begrenzen.

Eine andere Möglichkeit ist der Kauf von sogenannten Floatern. Floater sind Anleihen mit variabler Verzinsung, die an einen Referenzzinssatz gekoppelt sind. Der Vorteil ist, dass dieser Zinssatz regelmäßig an den aktuellen Markt angepasst wird und der Kurs der Anleihe nahe 100% notieren muss.

Und wenn man gar keine Kursverluste erleiden möchte?

Dann könnte man bei einem höheren Anlagevolumen über die Anlage in Schuldscheindarlehen (SSD) nachdenken.

Und welchen Vorteil hat man dann als Stiftung?

SSD sind keine Wertpapiere sondern wie der Name sagt ein Darlehen. Mit einem Volumen, Zinssatz und einer Fälligkeit, die individuell verhandelbar ist. Der entscheidende Vorteil aus Sicht der Stiftung ist aber die Bilanzierung. Ein SSD gilt als Kreditinstrument und kann somit zu Anschaffungskosten bilanziert werden.

Heißt das dann, dass man mit Schuldscheindarlehen nie einen Kursverlust erleiden kann?

Nein. Wenn man vorzeitig sein SSD veräußern möchte, wird selbstverständlich der dann aktuelle Marktzins zur Berechnung herangezogen. Das kann im Zweifel natürlich zu einem niedrigeren Verkaufskurs führen.

Einige Begriffe aus dem Bereich der Vermögensanlage haben wir Ihnen nachfolgend noch einmal erläutert:

Verzinsliches Wertpapier: Ist ein schuldrechtlicher Anspruch auf die Zahlung eines zeitabhängigen Entgelts (Zinszahlung) und der Rückzahlung des überlassenen Kapitalbetrags. Das Schuldverhältnis endet nach Ablauf der Laufzeit durch die Rückzahlung des Kapitalbetrags. Sie sind mit einer festen oder variablen Verzinsung ausgestattet (Sonderformen möglich)  und haben eine vorgeschriebene Laufzeit und Tilgungsform.

Art des Emittenten: Öffentliche Anleihen werden von Bund, Ländern und Gemeinden sowie öffentlich-rechtlichen Körperschaften herausgegeben. Bankschuldverschreiben und Pfandbriefe werden von Kreditinstituten emittiert. Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) sind Inhaberschuldverschreibungen die von in- und ausländischen Unternehmen emittiert werden.

Ausgabepreis: Der Ausgabepreis entspricht nicht immer dem Nennwert. Anleihen werden zum Nennwert (zu pari = 100%) über pari oder unter pari ausgegeben. Unter bzw. über pari bedeutet, dass bei der Ausgabe einer neuen Anleihe ein Abschlag (=Disagio) bzw. ein Aufschlag (=Agio) festgelegt wird, um den der Ausgabepreis den Nennwert unter- bzw. überschreitet.

Laufzeit: Es lassen sich kurzfristige Anleihen (bis vier Jahre Laufzeit), mittelfristige Anleihen (zwischen vier und acht Jahre Laufzeit) und langfristige Anleihen (mehr als acht Jahre Laufzeit) unterscheiden.

Erträge: Als Vermögensanlage können Anleihen prinzipiell auf zwei Arten Ertrag bringen: zum einen in Form von Zinszahlungen während der Laufzeit oder am Laufzeitende, zum anderen in Form von eventuellen Wertsteigerungen während der Laufzeit.

Verzinsung: Zinsen werden vom Emittenten auf das nominal eingesetzte Kapital (den Nennwert des Wertpapiers) bezahlt. Dabei gibt es nicht nur den „klassischen“ Festzins und den variablen, den jeweiligen Marktbedingungen angepassten Zinssatz: Dazwischen ist eine große Anzahl von Mischformen möglich.

Rendite: Um die Rentabilitäten verschiedener Wertpapiere – unabhängig von unterschiedlichen Ertragsarten – vergleichbar zu machen, ist die Rendite eine geeignete Kennzahl.

Auf dem Wertpapiermarkt wird nicht ein Zinssatz bestimmt, sondern es wird ein Preis für ein Wertpapier festgelegt. Dieser Preis ist der Kurs eines Wertpapiers. Die Rendite lässt sich aus dem Preis ableiten. Die Rendite eines Wertpapiers ist somit das, was man für das Wertpapier in einem Jahr erhält, abzüglich des heute gezahlten Preises, geteilt durch den heutigen Preis

Rating: Das Rating ist im Finanzwesen eine Einschätzung der Bonität eines Schuldners. International tätige Ratingagenturen errechnen die Ausfallwahrscheinlichkeit (Bonitätsrisiko) eines Schuldners teilen ihn zu einer Ratingklasse zu. Die Unterteilung sieht wie folgt aus: sehr gute Anleihen (beispielsweise steht AAA für höchste Bonität), gute Anleihen, spekulative Anleihen und Junk Bonds (hoch verzinslich, hoch spekulativ).

Investment Grade: Unter der Kategorie Investment Grade fallen Anleihen bei denen das Bonitätsrisiko als relativ gering anzusehen ist. Die Ratingklassen mit sehr guten bzw. guten Anleihen fallen in diese Kategorie.

Duration: Die Duration ist eine Sensitivitätskennzahl, die die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer einer Geldanlage in einem festverzinslichem Wertpapier bezeichnet.

Floating Rates Notes (Floater): Floater gewähren keinen festen, sondern einem variablen Zinsertrag. Nach jeder Zinsperiode, zum Beispiel nach Ablauf von drei, sechs oder zwölf Monaten zahlt der Emittent der Anleihe die Zinsen, gleichzeitig gibt es den Zinssatz für die neue Periode bekannt. Dieser Zinssatz orientiert sich an einem Referenzzinssatz, meist an Geldmaktsätzen wir EURIBOR (=European Interbank Offered Rate) oder LIBOR (=London Interbank Offered Rate).

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Wir haben Fondsmanager Thomas Boss (er ist für den VIA Stiftungsfonds mit verantwortlich) interviewt und sind der Frage nachgegangen, ob es in der aktuellen Marktsituation überhaupt noch Sinn macht, in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren. Macht es in der aktuellen Marktsituation überhaupt noch Sinn, in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren? Ja, denn viele...