Viele Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich. Damit ihre Ideen in der Praxis noch besser umgesetzt werden, fördert startsocial jedes Jahr bundesweit 100 Projekte und Ideen durch Stipendien in einem Wettbewerbsformat und stärkt freiwillig Engagierte durch kompetenzbasiertes Engagement.

So funktioniert der startsocial-Wettbewerb:
Mitmachen kann jeder, der eine Idee oder ein Projekt für die nachhaltige Lösung eines
sozialen oder gesellschaftlichen Problems hat, dabei auch auf ehrenamtliche Arbeit setzt
und ein Standbein in Deutschland hat. Bewerben kann man sich jedes Jahr auf
www.startsocial.de. Hier beantwortet man Fragen zu seinem Projekt und zeigt, wie es
finanziert werden soll. Alle Bewerbungen werden von ehrenamtlichen Juroren bewertet
und bekommen ein umfangreiches Feedback. Die 100 Besten gewinnen ein Stipendium:
eine viermonatige Beratung. Erfahrene ehrenamtliche Experten helfen, Schwachstellen
zu erkennen und Lösungen zu entwickeln. Danach sind wieder die Juroren an der Reihe.
Sie beurteilen, wer das Stipendium am besten genutzt und sich am stärksten
weiterentwickelt hat. Die 25 erfolgreichsten Stipendiaten dürfen zur
Bundespreisverleihung nach Berlin kommen. Dort werden sieben der Projekte mit
insgesamt 35.000 Euro ausgezeichnet. In den vergangenen Jahren hat sogar die
Bundeskanzlerin persönlich eingeladen und ein Projekt mit einem Sonderpreis belohnt.
startsocial wurde 2001 gegründet und wird von Partnern aus der Wirtschaft unterstützt.
Der Verein hat bereits über 1.000 soziale Projekte gefördert.

Startsocial versteht sich als Pro-bono-Mittlerorganisation, die Freiwillige, die ihre beruflichen Kompetenzen spenden wollen und soziale Initiativen, die diese Kompetenzen brauchen, zusammenbringt. Der Wettbewerb bildet die gesamte Bandbreite traditionellen und modernen ehrenamtlichen Engagements in Deutschland ab. Unter den Bewerbern und Stipendiaten befinden sich regelmäßig Initiativen aus dem Bereich des klassischen Ehrenamts, wie beispielsweise Sportvereine, Selbsthilfegruppen oder karitative Einrichtungen. Daneben bewerben sich privat initiierte soziale Initiativen und Ideen, viele von ihnen bereits etabliert und einige auf dem Sprung zum Sozialunternehmen. Bekannte Beispiele für erfolgreiche startsocial-Alumni sind wellcome, Viva Con Agua oder Teach First Deutschland. Zunehmend bewerben sich auch Initiativen, die die Möglichkeiten sozialer Medien und mobiler Anwendungen zur Lösung bestehender Probleme nutzen. Die andere große Gruppe ehrenamtlich Engagierter bei startsocial bilden die Coaches und Juroren. Sie stellen den Stipendiaten und dem startsocial-Wettbewerb pro bono und zeitlich begrenzt spezifisch ihr Fachwissen und ihre Expertise zur Verfügung und gehören damit zu den Vertretern des modernen, so genannten kompetenzbasierten Engagements. Ihre Bewerbung für ein Engagement bei startsocial erfolgt selbständig und eigeninitiativ oder im Rahmen verschiedener Corporate Volunteering Programme der Wirtschaftspartner von startsocial.

Im Rahmen der viermonatigen Beratungsphase bei startsocial beraten beispielsweise eine Pressesprecherin und ein Abteilungsleiter im Ruhestand im Tandem eine Präventions- und Hilfsinitiative für Jugendliche zu ihrer Öffentlichkeitsarbeit und Arbeitsorganisation, ein Business Coach und der Geschäftsführer eines Medienunternehmens coachen ein Sport- und Bildungsprojekt für Kinder in Tansania zu Strategieentwicklung und Wachstum, eine Bankmanagerin und eine selbständige Unternehmerin stehen einer Gruppe Krebsüberlebender bei der Gründung eines Selbsthilfevereins zur Seite.

Das bei startsocial ausgeübte Ehrenamt, kompetenzbasiertes Engagement, ermöglicht es, sich zeitlich begrenzt und wirkungsvoll mit seinen beruflichen Fähigkeiten zu engagieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Fach- und Führungskräfte entwickeln sich auf persönlicher und beruflicher Ebene weiter, während sie sich gleichzeitig gesellschaftlich engagieren. In einem für sie oft ungewohnten Umfeld erfahren sie, wie für sie alt bekanntes Wissen und gewohnte Methoden eine neue Wirksamkeit entfalten können. Sie erweitern ihr Kompetenznetzwerk in den sozialen Bereich hinein – eine Voraussetzung in unserer immer komplexer werdenden Gesellschaft und Arbeitswelt. Wenig überraschend ist daher, dass kompetenzbasiertes Engagement von Mitarbeitern auch bei vielen Personalverantwortlichen hoch im Kurs steht.

Ein Erfolgsfaktor von startsocial ist jedoch nicht nur die Art des Engagements, sondern auch das Management der freiwillig Engagierten. Akribie, Sorgfalt und Einfühlungsvermögen ist bei der Arbeit mit Freiwilligen unverzichtbar. So muss nicht nur die jeweilige Aufgabe stimmig für den Engagierten sein, auch eine gute Ablauforganisation, regelmäßiges Feedback, ausreichende Wertschätzung und die Einbindung in ein Alumni-Netzwerk lassen Freiwillige mit einer guten Erfahrung zurück und binden diese langfristig an eine Organisation. Die Zuordnung der jährlich 400 ehrenamtlichen Coaches nicht nur zum jeweiligen startsocial-Stipendiaten mit Beratungsbedarf, sondern auch untereinander als Coaching-Team erfolgt handverlesen – geografisch, thematisch und, sofern möglich, zwischenmenschlich passend. Dieser nicht unerhebliche zeitliche Mehraufwand gegenüber einer automatischen Zuordnung per Algorithmus macht sich bezahlt: 92 Prozent der startsocial-Stipendiaten gaben im Wettbewerbsjahr 2014/15 an, dass sich ihr Projekt durch die Beratung des Coachingteams entscheidend weiterentwickelt hat. Und mehr als die Hälfte der Coaches möchte sich auch nach Ablauf der startsocial-Beratung weiterhin für ihr Projekt engagieren.

Im angelsächsischen Raum bereits fest verankert nimmt das Pro-bono- oder kompetenzbasierte Engagement von Fachkräften neben dem klassischen Ehrenamt auch in Deutschland immer mehr zu. Gemeinnützigen Organisationen fehlt oft das Geld, um professionelle Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Freiwillig engagierte Fachkräfte erfahren in ihrem Engagement eine Bestätigung ihrer Selbstwirksamkeit und entwickeln sich persönlich und fachlich weiter. Ganz gleich jedoch, ob es sich um klassisches oder kompetenzbasiertes Engagement handelt: Ein sorgfältiger Umgang mit freiwillig Engagierten sowie die ausreichende Rückmeldung, Wertschätzung und Anerkennung ihrer Tätigkeit ist unerlässlich.

Caroline Oxley & Dr. Sunniva Engelbrecht, startsocial e.V.

 

 

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Viele Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich. Damit ihre Ideen in der Praxis noch besser umgesetzt werden, fördert startsocial jedes Jahr bundesweit 100 Projekte und Ideen durch Stipendien in einem Wettbewerbsformat und stärkt freiwillig Engagierte durch kompetenzbasiertes Engagement. So funktioniert der startsocial-Wettbewerb: Mitmachen kann jeder, der eine Idee oder ein Projekt...