„Modell aus 13.000 Legosteinen“ titelte eine Zeitung. So viele Steine zählt das Frauenhaus aus LEGO®-Steinen,
das als spielerischer Blickfang für Spenden zum geplanten Neubau des Frauenhauses in Norderstedt wirbt.

„Anfangs haben wir es nicht für möglich gehalten, ein 1,9 Millionen-Projekt zu stemmen. Es war ein langer Weg – doch wir konnten viele überzeugen“, bedankte sich Andrea Makies, Kaufmännische Geschäftsführerin des DiakonischenWerkes Hamburg-West/Südholstein, bei der Einweihung des neuen Frauenhauses Ende November 2015. Der Dank galt den Mitgliedern des Unterstützerkreises und den ZuschussgeberInnen ebenso so, wie den vielen hundert SpenderInnen, die ihren Beitrag geleistet haben. Gefördert wurde das 1,9-Millionen-Projekt vom Land Schleswig-Holstein (700.000 €), von der Stadt Norderstedt(210.000 €), vom Kreis Segeberg (300.000 €), aus dem Topf der Deutschen Fernsehlotterie (145.000 €) und vom Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein (445.000 €). Dies war nicht selbstverständlich und oft erst das Ergebnis langwieriger Verhandlungen. Denn die Finanzierung der Betriebskosten eines Frauenhauses ist gesetzlich geregelt, aber für die Finanzierung von Investitionskosten gibt es dagegen keine Regelung – und daher auch keinen Anspruch.

Der Schlüssel zum Glück: UnterstützerInnenkreis

Für die Inneneinrichtung jedoch, so hieß die Auflage, müssen Spenden von 100.000 € gesammelt werden. Damit sollten die wohnliche Ausgestaltung der Einzelzimmer für die Frauen und ihre Kinder, zwei praktische und zugleich kommunikative Gemeinschaftsküchen, Spielzimmer und Räume für Gruppen- und Einzelgespräche finanziert werden. Tragender Motor der Spendenaktionen wurde der UnterstützerInnenkreis u. a. aus PolitikerInnen der Stadt Norderstedt, des Kreises Segeberg und Landes Schleswig-Holstein und dem Fundraiser des Kirchenkreises. Die 15 Mitglieder koordinierten alle Spendenaktivitäten und wurden selbst aktiv bei zahlreichen Veranstaltungen und– ganz wichtig! – als TüröffnerInnen zu Unternehmen. So gab es z. B. eine Ausstellung „Herz-Schlag“ über die Situation der betroffenen Frauen im Rathaus, Infostände zum Weltfrauentag und in der Adventszeit im regionalen Einkaufszentrum, zahlreiche Benefizveranstaltungen und mehrere Aktionen in den sozialen Medien.

Ein Modell weckt ein fröhliches Gesicht

Eine große Schwierigkeit bestand darin, dass die Adresse des bisherigen und des neuen Frauenhauses zum Schutz der Frauen und ihrer Kinder nicht bekannt werden darf. Deshalb fehlte die klassische Möglichkeit, den beengten Zustand des alten Frauenhauses und den Plan des neuen Frauenhauses zu zeigen und dorthin zum Besuch einzuladen. Deshalb war das Layout der Informations- und Werbematerialien in einem neutralen Betongrau gehalten. Das änderte sich im Sommer 2014, als durch die Vermittlung eines Mitgliedes des UnterstützerInnenkreises ein Modell aus LEGO®-Steinen gebaut wurde. Dies wurde sofort zum fröhlichen Gesicht dieses Projektes und durfte seitdem auf keinem Pressefoto mehr fehlen. Und wer gerne mehr wissen wollte, bekam einen Einblick durch mehrere Filmbeiträge, die auf der neu geschaffenen Internetseite www.frauenhaus-norderstedt.de angesehen werden konnten.

Mehr Nachhaltigkeit durch Unternehmenskooperation

Durch ein Mitglied des UnterstützerInnenkreises entwickelte sich eine Unternehmenskooperation mit den Stadtwerken Norderstedt. So ist eine Publikation entstanden, die mehr ist als nur ein Bericht über 35 Jahre Frauenhaus und das soziale Engagement der Stadtwerke Norderstedt. Auf 72 Seiten widmet sich die Broschüre dem Thema Häusliche Gewalt und trägt damit zu einer vielfältigen Auseinandersetzung und Sensibilisierung für das Thema bei. In der Konzeption haben die Beteiligten Wert daraufgelegt, das Thema Häusliche Gewalt und die Einrichtung Frauenhaus aus vielen verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. So kommen Fachautorinnen und -autoren aus Wissenschaft und Praxis ebenso zu Wort wie betroffene Frauen und Kinder. Die Beiträge sind mal emotional-aufrührend, mal sachlich-informierend, aber immer differenziert und vielfältig. Diese Veröffentlichung zeigt ebenso den gesamtgesellschaftlichen Kontext und die Bedeutung eines Frauenhauses im Zusammenspiel sehr vieler unterschiedlicher Institutionen und Beteiligter in einer städtischen Infrastruktur.

Auszeichnung

Die Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland hat die Spendenaktivitäten mit dem Fundraising-Preis 2015 in der KategorieSonderpreis ausgezeichnet. In der Begründung heißt es: „Mit gutem Öffentlichkeitsmaterial wurde die Kampagne eingeleitet. Durch viele persönliche Kontakte wurden Hauptamtliche und Ehrenamtliche motiviert sich für dieses Projekteinzusetzen. Das Fundraisingkonzept mit der Analyse und Bedarfsermittlung, Gestaltung des Corporate Designs, Kommunikationsmittel, Maßnahmenplan und Zeitplan führte letztendlich zum Erfolg und der Betrag für die Inneneinrichtung wurde erreicht. Dieses Konzept für ein besonders schwer zu bewerbendes Projekt hat den Vergabeausschuss überzeugt, diesem Projekt den Sonderpreis zu verleihen.“
Gunnar Urbach, Pastor + Kommunikationswirt (GEP) + Fundraising-Manager (FA)
Ev.-Luth. Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein
Projektstelle Fundraising
Foto: Cornelia Strauß

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„Modell aus 13.000 Legosteinen“ titelte eine Zeitung. So viele Steine zählt das Frauenhaus aus LEGO®-Steinen, das als spielerischer Blickfang für Spenden zum geplanten Neubau des Frauenhauses in Norderstedt wirbt. „Anfangs haben wir es nicht für möglich gehalten, ein 1,9 Millionen-Projekt zu stemmen. Es war ein langer Weg – doch wir konnten...