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Kirchtürme als Werbeträger nutzen?

Der Glockenturm der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche dient derzeit als Werbefläche. Der sechseckige Turm ist seit dem 27. März mit einem Rundum-Werbeplakat des chinesischen Technologiekonzerns Huawei verhüllt. Mit den Einnahmen soll das Gebäude saniert werden. Die Kosten belaufen sich auf rund vier Millionen Euro. Sollte man am Kirchturm Werbung aufhängen? Dazu äußern sich der Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Martin Germer, und der Fundraising-Experte Andreas Schiemenz (Hamburg) in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar).

Pro: Werbung kann zeitweise ein Notbehelf sein

Germer befürwortet einen solchen Schritt, „wenn das Bauwerk anders nicht vor dem Verfall bewahrt werden kann: zeitweilig ja!“ Dies könne aber immer nur ein Notbehelf sein. Der filigrane Beton an dem Glockenturm bröckele an Hunderten von Stellen. Doch Betonsanierung – das wisse man aus Fundraising-Erfahrung – bewege Spenderherzen weniger als die Erhaltung der Gedächtnis-Kirchen-Ruine, dem „symbolträchtigen Berlin-Wahrzeichen“. Als dieses vor zwölf Jahren saniert werden musste, seien weit mehr als ein Viertel der Kosten durch Spenden zusammengekommen. Landeskirche und andere Fördermittelgeber forderten aber immer Eigenmittel und „nicht zu knapp“. Deshalb ergreife man jetzt die Chance, die fehlenden Mittel durch Werbung aufzubringen. Das Werbegeld diene der Erhaltung des bedeutenden Baudenkmals und komme den Kirchenbesuchern und der Allgemeinheit zugute.

Kontra: Der Glockenturm wird als Werbeträger gedemütigt

Für „legitim und doch falsch“ hält diesen Weg dagegen Andreas Schiemenz, Geschäftsführer der Schomerus Beratung für Gesellschaftliches Engagement GmbH. „Denn der Glockenturm wird als Werbeträger gedemütigt.“ Nach seinen Worten gibt es genügend Argumente, diesen besonderen Glockenturm im Zentrum Berlins mit Spenden zu unterstützen. „Doch offensichtlich haben die Gemeinde und Berlin diese Argumente aus dem Blick verloren und den Turm auf einen Werbeträger reduziert.“ Berlin brauche aber klare Zeichen und Töne sowie ein Bewusstsein für seine christlichen Werte. Schiemenz: „Beides wird wohl nicht mehr so gesehen. Offensichtlich schon seit längerer Zeit nicht mehr.“ Nach seinen Worten wäre Spendenbeschaffung hier ein guter Weg gewesen, um dieses Bewusstsein wieder zu wecken. Schiemenz war unter anderem Leiter des Fundraisings der Berliner Stadtmission.

Kirchtürme als Werbeträger nutzen? Zum Video: [1]

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Der Glockenturm der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche dient derzeit als Werbefläche. Der sechseckige Turm ist seit dem 27. März mit einem Rundum-Werbeplakat des chinesischen Technologiekonzerns Huawei verhüllt. Mit den Einnahmen soll das Gebäude saniert werden. Die Kosten belaufen sich auf rund vier Millionen Euro. Sollte man am Kirchturm Werbung aufhängen? Dazu...