Für unsere Veranstaltung Stiftungsnetzwerke- Fluch oder Segen? am 28.10.2014 von 18.00 – ca. 20:30 Uhr in Hamburg hat das StiftungsZirkel Team den Referenten Thomas Marschall schon vorab interviewt.

Herr Marschall, Stiftungs-Netzwerke zum Austausch gibt es im gemeinnützigen Sektor sehr viele. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Herausforderungen für deutsche Stiftungsnetzwerke und was benötigt man, um ein ergebnisorientiertes Netzwerk zu starten?

Sie haben recht, es gibt viele und vielfältige Netzwerke. Die meisten konzentrieren sich pur auf den Austausch, was ich sehr hilfreich finde. Ein ergebnisorientiertes Netzwerk unterscheidet sich davon in jedenfalls drei Punkten: erstens haben die Teilnehmer ein klares, erkennbares Ziel, zweitens bringt dieses Ziel auch eine gesellschaftliche Lösung voran, und ist somit auch von außen klar erkennbar und wertvoll, drittens sind die Teilnehmer bereit, Zeit und möglicherweise auch Geld in das Netzwerk zu investieren. Vor allem der zweite Punkt ist eine Herausforderung, die meisten Netzwerke, die ich kenne, sind sehr auf sich konzentriert, und tun sich schwer, den Blick von außen zu erkennen, im Sinne von: welches Ergebnis, welche Leistung, welchen Impact erbringen wir als Netzwerk für die Gesellschaft?

 

Eine große Herausforderung ist es doch, die Vielfältigkeit und somit auch die unterschiedlichen Themen und Interessen zu einem wirksamen Stiftungsnetzwerk zu bündeln. Wie führt man diese unterschiedlichen Akteure zusammen?

Eine Voraussetzung habe ich bereits benannt: ein gemeinsames, gesellschaftlich relevantes Ziel. Dabei ist es aber einfach, sich auf einer allgemeinen abstrakten Ebene zu einigen, bei der jeder sein eigenes Bild und seine eigenen Ziele ohne Abstriche behalten kann. Ein wirkliches Zusammenführen aber setzt voraus, dass ich als Moderator sowohl die Interessen und Blickwinkel jedes Teilnehmers entdecke, dass ich diese mit Blickwinkeln und Erwartungen von außen abgleiche und dann, durchaus unbequem, aber mit klaren Methoden es schaffe, die „Ziele hinter den Zielen“ jedes Teilnehmers zu nutzen, um eine echter gemeinsame Leistung zu erbringen. Es wird Zielkonflikte geben und unterschiedliche Blickwinkel: genau diese aber nutze ich, um die Akteure zusammenzuführen und echten Ergebnisse mit dem Netzwerk zu erzielen. Das ist der Kern der Arbeit. Am Ende wird dann jeder für die gemeinsame „Wirkung“ arbeiten, dabei seine Interessen im Blick haben, nicht mehr jedoch seine unverrückbare vorteilhafte Position.

 

In München haben Sie es geschafft, ein Netzwerk als Moderator hin zu einer ergebnisorientierten Arbeitsweise zu begleiten. Was waren die größten Herausforderungen bei diesem Prozess?

Das Bildungsnetzwerk München „Binet“ hatte mehrere Herausforderungen. Zum einen ist es ein Netzwerk, das zum Teil historisch sich aus dem Verbund „Lernen vor Ort“ entwickelt hat. Dazu kommt, dass dadurch bereits sehr gute Verbindungen zum Referat für Schule und Bildung der Stadt München da sind – sie aber andererseits auch mit Erwartungen und Wünschen für die Zukunft besetzt sind. Wobei, das ist natürlich im Grunde ein sehr positiver Punkt. Und drittens ist es so, dass dort sehr unterschiedliche Stiftungen aktiv sind – von der Ein-Personen-Stiftung bis zur großen Unternehmensstiftung, vom absoluten Praxisbezug bis zur eher konzeptorientierten Stiftung, von der Förder-Stiftung bis zur operativen Stiftung. Alles in allen sehr unterschiedliche Interessen, Kompetenzen und auch Kapazitäten! Diese Dinge zielführend zu verbinden und vor allem den Blick von außen in den Mittelpunkt zu rücken, das waren die wesentlichen Herausforderungen.

 

Was macht dieses Netzwerk so effektiv?

Binet konzentriert sich nun im Weiteren absolut auf vorzeigbare, erkennbare Ergebnisse. Mit fünf Werkzeugen und Arbeitsfeldern werden sowohl Projekte der Teilnehmer selbst auch als neue Bildungsherausforderungen in München besser und wirksamer umsetzbar. Zum einen hat das etwas mit klaren Kooperationsstrukturen zu tun, zum anderen mit einem einfachen aber klaren Verfahren, um Projekte an deren gesellschaftlicher Wirkung entlang zu entwickeln und zu bewerten. Drittens schließlich mit der Dialogfähigkeit zur Stadtgesellschaft und anderen Akteuren. Eines besticht dabei vor allem: die Stiftungen wissen, dass Sie wichtig und hilfreich sein können – sie wissen aber auch, dass sie nicht das Maß aller Dinge sind. Das macht Binet in Summe nicht nur effektiv, sondern vor allem offen, neugierig und verbindlich.

 

Welche Moderationsmethoden nutzen Sie, was ist Ihre Rolle?

Wie bereist angesprochen, ist eine meiner Kernmethoden das Erkennen von „wirklichen“ Zielen, die oft unausgesprochen sind, das Einbringen und Erkennen aller notwendigen Blickwinkel und das pointierte, offene und unbequeme Benennen von Zielkonflikten. Daraus dann kann ich mit hoher persönlicher Forderung von Verantwortung die Teilnehmer ins Boot holen. Klingt im Interview etwas grob und abstrakt, im Erleben wird das schnell spürbar …

 

Welche Rolle spielen Kooperationen für ein effizientes Stiftungsnetzwerk?

Kooperationen zwischen den Teilnehmern sind ein wichtiges Ziel, die Bereitschaft dazu die wichtige Voraussetzung. Jedoch ist Kooperation nach innen nur ein Teil der Möglichkeiten. Genauso wichtig, wenn nicht wichtiger, sind Kooperationen und Verbindungen nach außen, um nicht nur von sich selbst auszugehen, sondern sich aktiv und sehr kritisch mit Bewertungen, Erwartungen und Ergebnissen der eigenen Arbeit auseinanderzusetzen.

 

Profil in Kürze:

Thomas Marschall, 43 ist Moderator, Entwickler und Trainer. Er berät Unternehmen und Stiftungen bundesweit und betreibt mit seiner Firma Marschall & Andere den Ort „berg23“ in München, der auch Räume für Workshops und Seminare bietet. Schwerpunkt sind Projekte und Coachings, in denen es knifflig wird, in denen Zielkonflikte, Interessen und verschiedene Blickwinkel im Spiel sind, auch in Führungstrainings. Bis 2008 war er Geschäftsführer einer Tochter der SOS-Kinderdörfer weltweit. Mehr auch unter http://berg23.de

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