Das Magazin portfolio institutionell berichtet in seiner aktuellen Augustausgabe unter dem Titel „Mission Possible“ über den wachsenden Erfolg von Impact Investing, Geldanlagen mit sozialer Wirkung. Gerhard Bissinger von der Social Business Stiftung gilt als eine der Pioniere im Bereich Impact Investing. Wir haben ihm in einem Exklusivinterview für neues stiften sieben spannende Fragen gestellt.

1. Herr Bissinger, Sie sind mit Ihrer Stiftung Social Business im Expertenkreis „Impact Investing“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung in Deutschland?

Der Bundesverband und einige Stiftungen und Akteure der Finanzwelt sind zur Zeit auf gutem Wege das Thema „nach vorn“ zu bringen. Nach dem Pilotfonds, der im Bereich Bildung mit Impact Investing Anlagen aufgesetzt wurde, soll das Thema weiter in die (Stiftungs-)Öffentlichkeit getragen werden und eine Dokumentation des gesamten Bereiches ist für 2016 seitens des Expertenkreises in Arbeit.
2. Warum steckt dieser Markt noch immer in den Kinderschuhen?

Die Produkte sind noch sehr unterschiedlich. „Impact- und Missioninvesting haben keine Wertpapierkennnummer“, wie ich sage. Es ist jeweils eine sorgfältige Due Diligence (Risikoprüfung) nötig vor dem Investment und eine stetige Begleitung während des Investments. Das können wir kleinen Stiftungen gut ehrenamtlich leisten, wenn es um kleinere Summen geht. Große Stiftungen und Geldhäuser brauchen schon ein Investment im 6stelligen Bereich, um das mit bezahlten Kräften leisten zu können. Deshalb sind aus diesen und vor allem regulatorischen Gründen die Losgrößen groß, wenn große Stiftungen und Finanzhäuser investieren, um die Verwaltungskosten gering zu halten. Deshalb brauchen kleine Stiftungen Fonds- und Poollösungen im 5 stelligen Bereich, um da mitzumachen, wenn sie die Due Diligence und Begleitung des Investments nicht selber durchführen können.

3. Warum sollte sich noch viel mehr gemeinnützige Organisationen mit dem Thema Impact Investing beschäftigen?

Da das Zinstal bis auf weiteres anhält, geht die gesellschaftliche Wirkung einer Stiftung mit sinkenden Zinsen zurück, da weniger Mittel zur Verfügung stehen, wenn die Anlagepolitik unverändert bleibt.
Neben einer Umschichtung in risikoreichere Anlagen oder der Einwerbung von Spenden, ist das Wirken mit dem Kapitalstock ein sehr guter Weg das gesellschaftliche Potential der Stiftung zu erhalten, bzw. größer werden zu lassen: Wenn die deutschen Stiftungen mit ihrem 100 Mrd. Kapitalstock bei 4% Zinsen „etwas Gutes tun“, dann sind das 4 Mrd. Euro, die wirken. Bei 2% Zinserträgen sind es nur noch 2 Mrd. Das kann ausgeglichen werden, wenn alle gemeinnützigen Organisationen durch ein Investment des gesamten Kapitalstocks in Höhe von 2% in Impact Investing, so dass die gesellschaftliche „Wirkung“ der Stiftung weiterhin 4 Mrd. beträgt.

4. Welches sind aus Ihrer Sicht die vielversprechendsten Zweige des Impact Investments?
Das ganze Impact Investing ist ja noch in der Entwicklung. Am Weitesten und für Einsteiger auf Stiftungsseite am Geeignetsten ist die Mikrofinanz. Dort gibt es Institutionen, die z.T. schon  40 Jahre am Markt sind  (Oikocredit), eine kontinuierliche Dividende ausschütten und keine Verlustperioden haben. Der „invest in Visons“ Fonds hat sogar schon eine Wertpapierkennnummer und kann problemlos über die Börse oder das Kapitalanlageinstitut ge- und verkauft werden. Die weiteren Zweige sind noch in Entwicklung, haben aber auch wie die Mikrofinanz großen sozialen Nutzen.

5. Was raten Sie anderen gemeinnützigen Organisationen, um  das Thema Impact Investing in ihrer Organisation weiter voranzubringen?
Einerseits sollten die Anlagerichtlinien überprüft werden, aber auch die Gremien sich informieren  – Stiftungstage, Kongresse und Veranstaltungen der HSH Nordbank sind da gute Möglichkeiten. Der persönliche Dialog mit den Pionieren im Impact Investing ist möglich, das ist kein Closed shop, da alle von der Weiterentwicklung profitieren.  Aber das Wichtigste: Anfangen, Anfangen, Anfangen und Erfahrungen sammeln. Es ist ja nicht das Ziel den gesamten Kapitalstock auf Impact Investing umzustellen. Am Anfang  1% der Anlagesummen zu investieren, bringt Erfahrungen und Zugang zum Thema.

6. 100% des Stiftungskapitals der Social Business Stiftung sind in Mission und Impact Investings investiert. Stiftungen sind zum realen Kapitalerhalt verpflichtet. Wie ist diese Quote mit den Vorgaben der Stiftungsaufsicht und Vorgaben in der Satzung vereinbar?
Die Struktur des Kapitalstocks wurde in einem Gespräch mit der Stiftungsaufsicht nicht in Frage gestellt. Da wir fast immer im Sinne der Satzung investieren (Mission Investing), ist die Aufsicht – insbesondere in Hamburg – sehr wohlwollend, wenn zugleich der reale Kapitalerhalt durch jährliche Rücklagen aus Kapitalerträgen und Spendenrückstellungen gut dotiert ist. Das haben wir in jedem Jahr seit der Errichtung in 2009 getan. Auch kleinere riskantere aber ertragreiche Positionen sind zulässig, da die Aufsicht um die Probleme mit den Zinsen weiß. Allerdings werden zinslose Darlehen kritisch gesehen, denn auch in unserer Satzung steht „ Das Vermögen ist sicher und ertragbringend“ anzulegen.  Im Prinzip gilt: Je stabiler und finanziell besser eine Stiftung aufgestellt ist, desto weniger Probleme sind bei der Anlage in Mission- und Impact Investing Projekte gegeben seitens der Aufsicht.

7. In ein bisschen mehr als drei Monaten ist Weihnachten. Was wünschen Sie sich für die Entwicklung der Philanthropie in Deutschland für die nächsten 10 Jahre bzw. wo stehen wir in 10 Jahren?

Ich wünsche mir, dass der Gedanke des Impact Investments, in Projekte nicht nur zu spenden, sondern sie so aufzusetzen, dass nach einer Anlaufzeit mit Spenden, das Projekt auf eigenen finanziellen Füßen steht ,weiter Unterstützer und mutige Realisierer findet, gemäß dem Motto unserer Stiftung „Menschen fördern  – nachhaltig wirken“.  In zehn Jahren sind wir ein gutes Stück weiter und Impact Investing wird problemlos möglich und „en vogue“ sein.  Dann sind es noch vier Jahre bis diese Form des Investierens 2029 den Nobelreis erhalten wird und fester Bestandteil eines jeden Stiftungsportfolios sein wird.

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