Dr. Uwe Dyk, Geschäftsleiter Kapitalanlagen der Karl Schlecht Stiftung, erklärt, wie Stiftungen ihr Vermögen in 2017 erfolgreich anlegen.

Sie betreuen bei der Karl Schlecht Stiftung ein großes Stiftungskapital. Wie ist für Ihre Stiftung das Jahr 2016 gelaufen?

Dr. Uwe Dyk: Wir sind in anbetracht eines Börsenjahres mit vielen unerwarteten Ereignissen letzten Endes doch sehr zufrieden mit Performance und Erträgen aus den Finanzanlagen. Unsere in der Anlagerichtlinie festgeschriebenen Renditeerwartungen von durchschnittlich 3% p.a. wurden auch 2016 erheblich überboten.

Was ist Ihr Erfolgsmodell?

Dr. Uwe Dyk: Wir setzen auf einen ausgewogenen Chance-Risiko-Mix sowohl nach Asset-Klassen als auch nach Wirtschaftsregionen und Währungen. Wir glauben, dass eine solche breite Aufstellung – die im Übrigen auch für kleinere Stiftungen durchaus umsetzbar ist – langfristig stabile Erträge generiert und den Kapitalerhalt sichert. Schwankungen sind dabei normal, man muss sich dessen bewusst sein und sie aushalten können.

Viele gemeinnützige Organisationen investieren immer noch in einen sehr hohen Anteil von festverzinslichen Wertpapieren. 2016 hatten viele unter den Negativzinsen für vorgehaltene Liquidität zu leiden. Experten sehen einen leichten Silberstreif am Horizont und erwarten insbesondere bei den langfristigen Zinsen eine Zinswende. Wie ist Ihre Einschätzung der Zinsentwicklung und wie sollten sich gemeinnützige Organisationen in diesem Umfeld verhalten?

Dr. Uwe Dyk: Wir halten rund 30% des Stiftungsvermögens in Rentenpapieren, allerdings mit abnehmender Tendenz. Diese Papiere mit guter Bonität sind auch weiterhin fester Bestanteil der Anlagestrategie, auch wenn die Zinsen absehbar auf niedrigem Niveau bleiben werden. Ich sehe dort keine schnelle Erholung. Wir haben in 2016 den Anteil der Renten in Fremdwährungen erhöht, um bessere Kupons langfristig zu binden, sind uns des Risikos daraus aber bewusst. Die Duration (durchschnittliche Kapitalbindungsdauer) haben wir nicht wesentlich gesenkt. Da wir die Renten üblicherweise bis zur Endfälligkeit halten, spielen Änderungen der Rendite während der Laufzeit eine eher untergeordnete Rolle. Wir handeln nicht spekulativ mit Anleihen o.ä. und müssen deshalb keine Angst vor Renditeverlusten haben.

Für Stiftungen ist  das regelmäßige Erwirtschaften von Erträgen die Basis ihrer Arbeit. Wie können aus Ihrer Sicht laufende Erträge optimiert werden?

Dr. Uwe Dyk: Auch wir können uns dem Trend der Verringerung der ordentlichen Erträge nicht entziehen. Zur Gegensteuerung haben wir über unsere Vermögensverwalter vor allem die Aktiendepots aktiv bewirtschaftet und Buchgewinne gezielt mitgenommen. Erträge wurden in eine Umschichtungsrücklage eingestellt und dienen damit sowohl dem Aufbau eines Risikopuffers als auch der Zweckerfüllung der Stiftung. Der Anteil dividendenstarker Titel wurde zielgerichtet erhöht, wir konnten in 2016 eine Dividendenrendite von mehr als 3% erzielen. Interessant ist auch der Erwerb von Aktienanleihen auf namhafte Titel, hier kann mancher Euro an ordentlichen Erträgen verdient werden. Das Risiko, die Aktien bei Unterschreitung der Wertgrenzen erwerben zu müssen, ist in anbetracht des langfristigen Anlagehorizonts der Stiftung meines Erachtens vertretbar.

Gilt das auch für kleinere Stiftungen? Was raten Sie diesen Organisationen bei der Auswahl der Anlagestrategie in dem aktuellen Marktumfeld?

Dr. Uwe Dyk: Ich kann auch kleine Stiftungen nur ermutigen, eine breitere Vermögensstreuung zu wagen und das Vermögen aktiv zu betreuen und zu bewirtschaften. Dazu ist eine Analyse des Vermögens zum Ausloten von Risikospielräumen ebenso erforderlich wie eine Abstimmung von klaren Richtlinien zur Vermögensanlage in den Gremien. Fast alle Banken und Vermögensverwalter haben Stiftungen als Zielgruppe erkannt und sind dabei, ihre Beratung zu qualifizieren. Nutzen sie dies aus.

Eine abschließende Frage noch: Welche wichtigsten Aspekte muss eine gemeinnützige Organisation aus Ihrer Sicht erfüllen, um die Kapitalanlage für die Zukunft gut aufzustellen?

Dr. Uwe Dyk: 1. Professionalisierung der Vermögensbetreuung intern und extern einschließlich eines aussagekräftigen Reportings

2. Eine klare, auf langfristigen Erfolg ausgerichtete Anlagerichtlinie

3. Eine breite Risikostreuung, aktive Marktteilnahme und Arbeit mit Umschichtungsergebnissen

Dr. Uwe Dyk ist als Geschäftsleiter Kapitalanlagen der Karl Schlecht Stiftung seit 2012 für die strategische Asset Allokation der Stiftung und ihre Umsetzung verantwortlich Aktuell berät er darüber hinaus auch andere  gemeinnützige Vermögensträger in Fragen der Anlagestrategie und des Vermögensmanagements. Zuvor war er langjährig als Steuerberater und in leitender Position in vermögensverwaltenden Gesellschaften und für Privatpersonen tätig.

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Dr. Uwe Dyk, Geschäftsleiter Kapitalanlagen der Karl Schlecht Stiftung, erklärt, wie Stiftungen ihr Vermögen in 2017 erfolgreich anlegen. Sie betreuen bei der Karl Schlecht Stiftung ein großes Stiftungskapital. Wie ist für Ihre Stiftung das Jahr 2016 gelaufen? Dr. Uwe Dyk: Wir sind in anbetracht eines Börsenjahres mit vielen unerwarteten Ereignissen letzten...