Der Stiftungsboom in Deutschland ist ungebrochen. Knapp 600 neue Stiftungen wurden allein im vergangenen Jahr gegründet – insgesamt gibt es damit fast 22 000 rechtsfähige Stiftungen in der Bundesrepublik. Soweit die guten Nachrichten. Auf der anderen Seite ist das Anlageumfeld für Stiftungen in den vergangenen Jahren sehr herausfordernd geworden: Die Niedrigzinsphase macht es für sie – zumindest mit ihrer klassischen Anlagestrategie über Anleihen – immer schwieriger, das Stiftungskapital nicht nur zu erhalten, sondern die Ausschüttungen zu erwirtschaften, die notwendig sind, um dem festgeschriebenen Zweck der gemeinnützigen Vereinigung nachzugehen. Nach einer Untersuchung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen erwarten aktuell nur noch etwa zwei Drittel aller Stiftungen Renditen oberhalb der Jahresinflationsrate – eine besorgniserregende Entwicklung, denn damit wird das Vermögen der Institutionen langfristig aufgezehrt. Für Stiftungen heißt das: Um weiter erfolgreich arbeiten zu können, müssen sie sich intensiver denn je mit ihrer Anlagestrategie befassen und ihre Arbeit zunehmend professionell strukturieren.

Doch auf was müssen Stiftungen achten? An erster Stelle steht, dass die Stiftungen ihre Anlagestrategie ausführlich prüfen sollten. Viele von ihnen haben – so wie es früher üblich war – ihr Vermögen mehr oder weniger ausschließlich in Anleihen investiert, oft in Staatsanleihen. Diese Assetklasse versprach zwar auch in früheren Zeiten vergleichsweise bescheidene, aber dafür umso sichere Renditen. Und: Die Inflation wurde damit allemal geschlagen. Eine Veranlassung, in Aktien zu investieren, sahen die meisten Stiftungen deshalb nicht, denn die Schwankungen dieser Titel galten als nervenaufreibend, ihr Zusatznutzen als überschaubar und angesichts des größeren Risikos als nicht gerechtfertigt. Schließlich – das stand und steht über allem – muss die Stiftung mit höchster Sorgfalt auf den Erhalt ihres Kapitals achten.

Doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert: Heute führt bei Neuanlagen kaum noch ein Weg an Aktien vorbei, denn sichere Anleihen bieten mittlerweile nur noch extrem schmale Renditen oder beinhalten Kursrisiken bei steigenden Zinsen, möglicherweise auch Währungsrisiken. Auf der anderen Seite bieten viele Aktien – bei aller Volatilität – attraktive Dividendenrenditen. Stiftungen müssen deshalb individuell klären, wie hoch ihre Aktienquote sein und in welcher Form in den Aktienmarkt investiert werden soll – als Direktanlage, in Fonds oder ETF´s. Viele Stiftungen agieren mittlerweile mit einer Aktienquote von etwa 30 Prozent. Nach der Definierung der Eckpfeiler der Zusammensetzung des Stiftungskapitals in Form von Anlagerichtlinien sollte ein Anlageausschuss als Leit- und Kontrollorgan die konkreten Entscheidungen überwachen. Diese Auswahl geschieht sinnvollerweise in Zusammenarbeit mit Fachleuten von Banken oder Vermögensverwaltungen. Eins muss dabei beachtet werden: Neue Anlageinstrumente erfordern mehr Aufmerksamkeit und Know-how. Die Dokumentation der Anlageentscheidungen sollte ebenso selbstverständlich sein wie das regelmäßige Controlling – das ist auch unter Haftungsgesichtspunkten wichtig.

Neben der Verwaltung des bereits eingeworbenen Vermögens sind Stiftungen bemüht, neue Spenden einzuwerben – manche mussten das bislang aufgrund stabiler Erträge nicht – , um zukünftig Projekte umsetzen zu können. Diese Aufgabe erfordert zusätzliche Manpower und spezifisches Know-how. Um ein erfolgreiches Fundraising aufzubauen, braucht es neben einer gehörigen Portion Herzblut und entsprechender Motivation die Beachtung von funktionierenden Strukturen und Regeln, um die Stiftung und ihre Projekte zu finanzieren.

Ein weiterer Aspekt für den langfristigen Erfolg einer Stiftung ist die gute Organisation der Nachfolge in den Gremien: So sollte rechtzeitig geregelt werden, wer dem langjährigen Vorstand nachfolgt, der vielleicht selbst Stifter war oder den Stifter kannte? Eins ist sicher: Neben Leidenschaft für den Stiftungszweck und Know-how sollte der neue Vorstand genügend Zeit mitbringen, um diese spannende Aufgabe zu übernehmen. Und es ist die Frage zu klären: Wie viel Arbeit kann ehrenamtlich geleistet werden? Sollte diese in einer Stellenausschreibung beschrieben werden? Oder wird vorwiegend auf Hauptamtliche gesetzt?

Eine Stiftung ins Leben zu rufen, ist den Stifterinnen und Stiftern eine besondere Herzensangelegenheit. Umso wichtiger ist es, alles dafür zu tun, dass mit Hilfe des zur Verfügung stehenden Vermögens nachhaltig die vom Stifter beabsichtigte Wirkung erzielt wird – mit der richtigen Strategie und den richtigen Partnern gelingt das selbst in herausfordernden Zeiten.

 

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Der Stiftungsboom in Deutschland ist ungebrochen. Knapp 600 neue Stiftungen wurden allein im vergangenen Jahr gegründet – insgesamt gibt es damit fast 22 000 rechtsfähige Stiftungen in der Bundesrepublik. Soweit die guten Nachrichten. Auf der anderen Seite ist das Anlageumfeld für Stiftungen in den vergangenen Jahren sehr herausfordernd geworden:...