So singt Hans Albers 1958. Doch viele Deutsche können dem eher wenig abgewinnen und machen gar kein Testament. Fragt man Non-Profit-Organisationen sehen diese im Bereich des Nachlass-Fundraising deshalb die größten Steigerungsmöglichkeiten. Gemeinsame Erbschaftsinitiativen sollen das Thema kommunizieren helfen.

Die katholischen Hilfswerke adveniat, Caritas international, Sternensinger, missio und Renovabis gründeten Ende 2006 auf Initiative der Bischofskonferenz eine gemeinsame Erbschaftsinitiative „Vermächtnis für die eine Welt“, um ihre Spender für den gemeinnützigen Nachlass zu gewinnen. „Wir setzen dabei auf neutrale Veranstaltungen, auf denen Anwälte ehrenamtlich zum Thema Erbe und Testament sprechen, und laden dazu unsere Spender im Umkreis gezielt ein“, berichtet Lea Janzelowski, Koordinatorin der Initiative, die heute für Caritas International arbeitet. Die beteiligten Hilfswerke vermeiden dafür große Werbeaktivitäten, können sich aber über eine zu geringe Nachfrage trotzdem nicht beklagen. „Viele unserer Spender vertrauen unseren Hilfswerken schon lange und sind in einem Alter, wo solch sachliche Informationen gern gesehen sind“, bestätigt Janzelowski.

Schweizer setzen auf Werbung

Die Schweizer Initiative MyHappyEnd startete 2011 mit einem Werbespot. In der kleinen Schweiz werden pro Jahr rund 30 Milliarden Franken vererbt. Davon gehen nur etwa anderthalb Prozent an gemeinnützige Organisationen. Die heute 20 Mitgliedsorganisationen des Vereins hegen den Wunsch, diesen Anteil deutlich zu erhöhen. Die Rückmeldungen der Organisationen sind durchaus positiv. Thilo Mangold stellt aber auch kritisch fest, dass auf dem Gebiet der Sensibilisierung und des Nachlassmarketings, das sehr langfristig angegangen werden muss, trotz allem ein großer Ergebnisdruck besteht. „Wir wissen aber bereits von Organisationen, die trotz schwerer Messbarkeit Legate erhalten haben, die auf MyHappyEnd zurückzuführen sind.“

Gerade billig ist die Beteiligung an solchen gemeinsamen Kampagnen nämlich auch nicht. Bis zu mittlere fünfstellige Beträge investieren zum Beispiel die deutschen Organisationen bereits in ihre Kampagne „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“. Trotzdem ist die Anzahl der beteiligten Organisationen in den letzten drei Jahren von fünf auf 23 gestiegen und soll die nächste drei Jahre fortgeführt werden. Neu dabei seit 2016: Deutsches Kinderhilfswerk, DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei, DRF Luftrettung, EuroNatur – Stiftung Europäisches Naturerbe, Max-Planck-Gesellschaft und Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Vorteil: je größer die Initiative wird, desto mehr Ressourcen sind da, um die Deutschen auf das Thema aufmerksam zu machen.

Ausstellungen, Bücher, Service-Nummern

In ihren aktuellen Bemühungen, das Thema noch stärker in der Öffentlichkeit zu etablieren setzen die Erbschaftsinitiativen zunehmend auf dialogorientierte Angebote, wie Ausstellungen. So weihte Myhappyend zum Internationalen Tag des Testaments am 13. September 2014 das Siegerprojekt seines Kunstwettbewerbs „Sichtbar in Erinnerung“ in der Markthalle Basel ein. Die deutschen Kollegen organisieren die Ausstellung „Das Prinzip Apfelbaum. 11 Persönlichkeiten zur Frage ‚Was bleibt?‘“. Stationen waren bisher Berlin, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf. Erste Station 2016 wird vom 5. April bis zum 28. April Bayreuth sein. Das Buch zur Ausstellung ist im Handel erhältlich und erscheint in dieser Woche bereits in der dritten Auflage. An diesem Beispiel sieht man die Stärke einer solchen Kooperation, denn, wie Susanne Anger betont, hätte keine der beteiligten Organisationen und Stiftungen allein ein solches Projekt mit diesen Persönlichkeiten realisieren können. „Das ist nur in der Stärke und Breite der Gemeinschaft möglich.“ Daneben gibt es auch die Servicenummer 030 29 77 24-36, wo Interessenten Informationen zum Thema Testament und Vererben erhalten. Um unabhängige Rechtsberatung vermitteln zu können, kooperiert die Initiative mit dem Fachverband Deutsche Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge e.V.

Bestattungsratgeber wirbt niederschwellig

Auch die Evangelische Landeskirche in Baden hat gemeinsam mit der Diakonie in Baden bereits 2013 die Aktion „Was bleibt. Weitergeben. Schenken. Stiften. Vererben.“ gestartet. Auch hier geht es um Vernetzung und die Steuerung gemeinsamer Aktivitäten der Kirchgemeinden. Dafür wurde ein Grundkonzept, eine Broschüre, begleitende Studientage und ein Schulungskonzept entworfen. Eine begleitende Ausstellung kann ebenfalls ausgeliehen werden. „Vorteil ist, dass diese Aktionen vor Ort selbst kreativ weiterentwickelt werden können“, berichtet Pfarrer Dr. Torsten Sternberg, Landeskirchlicher Beauftragter für Fundraising: „In Dillweißenstein startete im September 2015 zum Beispiel eine siebenmonatige Predigtreihe zum Thema ‚Erben‘. In Überlingen gibt es Vorträge mit dem renommierten Heidelberger Gerontologen Prof. Andreas Kruse“, berichtet er. Diese und andere Anregungen und Materialien stehen dann im internen Netzwerk allen anderen Gemeinden kostenlos zur Verfügung. Neu ist ein Bestattungsratgeber, in dem das Thema „Vererben und Stiften“ niederschwellig mit anklingen wird.

Kinderlose würden an Gemeinnützige vererben

Fakt ist, das Experten mit Erbschaften im Wert von 3,1 Billionen Euro im nächsten Jahrzehnt rechnen. Doch nur 30-45 Prozent der Deutschen machen ein Testament. Gleichzeitig wächst der Anteil der Kinderlosen unter den Akademikerinnen in den nächsten 20 Jahren von 22 auf 30 Prozent, weiß das Statistische Bundesamt. Interessant ist das deshalb, weil nach einer Studie der Deutsche Erbschaftinitiative gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung 35 Prozent der kinderlosen Deutschen einer gemeinnützigen Organisation etwas vererben würden. Für Nachlass-Fundraiser eine extrem interessante Zielgruppe. Insgesamt wollen aber bis jetzt nur 11 Prozent der Deutschen an Gemeinnützige vererben. Hier wird es noch viel sensible Aufklärungsarbeit brauchen, denn Erbschaften sind in der Öffentlichkeit weiterhin eher ein Tabu.

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Bild: © D. Esswein / Initiative „Mein Erbe tut Gutes“

Das letzte Hemd hat keine Taschenhttp://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2016/02/Initiative-Mein-Erbe-tut-Gutes_Vernisage-Frankfurt-940x636.jpghttp://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2016/02/Initiative-Mein-Erbe-tut-Gutes_Vernisage-Frankfurt-300x300.jpgMatthias DaberstielFundraisingOrganisationenFundraising Nachlass Testament Erbschaft Erbschaftsinitiative
So singt Hans Albers 1958. Doch viele Deutsche können dem eher wenig abgewinnen und machen gar kein Testament. Fragt man Non-Profit-Organisationen sehen diese im Bereich des Nachlass-Fundraising deshalb die größten Steigerungsmöglichkeiten. Gemeinsame Erbschaftsinitiativen sollen das Thema kommunizieren helfen. Die katholischen Hilfswerke adveniat, Caritas international, Sternensinger, missio und Renovabis gründeten Ende...