„Nutzen Sie den Perspektivwechsel und versetzen Sie sich in die Lage des Spenders“.

Wir haben dem Geschäftsführer Nicolaus Stadeler von DGzRSDie Seenotretter in einem exklusiven StiftungsZirkelinterview sieben spannende Fragen zum Thema, „Was eine gute und nachhaltige Bedankung ausmacht“, gestellt.

Herr Stadeler, die Adventszeit ist laut GFK CharityScope der stärkste Spendenzeitraum der Deutschen. Wie zufrieden sind Sie mit heutigem Tag rückblickend mit dem Spendenverlauf des Weihnachtsgeschäftes? Welche unterschiedlichen Fundraisingaktionen hat es z.B. für Großspender bzw. Dauerspender gegeben?

Spenden ist eben kein „Geschäft“. Jede einzelne Spende ist eine freiwillige Zuwendung, die dem Spender Freude bereiten soll! Sie erfolgt ja ohne Gegenleistung und im Vertrauen auf eine sinnhafte Verwendung. Ausschließlich auf diese Weise finanzieren wir unsere Arbeit seit nun 150 Jahren.

Unser 150-jähriges Jubiläum in diesem Jahr ist für uns  übrigens Grund genug, unseren Besatzungen eine weiteres, großes Stück Sicherheit mit in den Einsatz zu geben. Wir müssen wirklich alles dafür tun, dass unsere eigenen Leute immer heil wieder zurückkommen.  Auch wenn sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Zum Jubiläum bauen wir deshalb einen neuen Seenotkreuzer. Das ist sowohl für Dauerspender und Großspender, aber auch für Neuspender ein richtig spannendes Projekt. Großspender beispielsweise können ab 5.000 Euro als kleines Zeichen des Dankes den eigenen Namen oder aber auch den Namen eines ehrenwerten Menschen auf einer Danktafel an Bord mitfahren lassen. Sie sind somit bei jedem Einsatz mit dem Namen dabei, Kurs Leben retten. Einzelheiten zu  dem gesamten Projekt gibt es auf unserer Aktionswebsite www.150-jahre-seenotretter.de.

Im November haben wir zudem einen Versuch gestartet: Wir rüsten unsere Seenotrettungskreuzer mit neuen Rettungstragen aus. Sie ermöglichen einen sicheren und schonenden Transport von Schiffbrüchigen und Verletzten von Schiff zu Schiff auf See oder aber die Übergabe an den Helikopter. Eine Trage kostet 1.300 Euro. Die Frage war: Finden wir online Spender, die für eine solche Trage spenden? Und tatsächlich: Bis zum Jahresende hatten wir das Geld für alle 12 Tragen zusammen. Wer für eine komplette Trage spendete, konnte, wieder als Dankeschön, seinen Namen auf der Trage wiederfinden und ein Bild der Trage an Bord zugeschickt bekommen. Der Kanal dafür war eine Landingpage auf www.seenotretter.de , für die Bewerbung haben wir Newsletter und Teaser auf der Homepage genutzt. Eine dieser Tragen haben wir auf unserem Facebook-Profil als Sammelspendenprojekt vorgestellt. Am Ende kamen via Facebook sogar Geld für mehr als zwei Tragen zusammen. Auch hier ist ein Dank wichtig: Auf den beiden Tragen steht „Gespendet von: Facebook-Weihnachtsaktion 2014“.

Insgesamt hatten wir nach unserem sehr  erfolgreichen Jahr 2013 und dem Spendenwettbewerb „Reetdach gegen Reeperbahn!“ mit einem Rückgang auf Normalniveau gerechnet. Dank unserer zahlreichen, wirklich treuen Förderer in ganz Deutschland werden wir das Vorjahresniveau voraussichtlich nur ganz knapp verfehlen. Eine Herausforderung bleibt für uns wie, für alle anderen auch, die Gewinnung neuer Spender und die Ansprache der nächsten Generation.

Was ist Ziel Ihrer Bedankungsstrategie bzw. wie sieht diese Strategie in Ihrer Organisation aus (verfolgen Sie eine Bindungs- oder eine Upgradingstrategie)?

Im Vordergrund steht für uns eindeutig die langfristige Bindung und nicht die kurzfristige Geldgenerierung. Wir sind keine Hilfsorganisation, die eingesammelte Mittel an Bedürftige verteilt. Im Seenotfall  müssen wir vorbereitet sein. Wir können nicht erst dann eine Fundraisingkampagne starten und mit dem gespendeten Geld ein Schiff und eine Besatzung chartern, um zu helfen. Die komplette Organisation mit 60 Schiffen und rund 1.000 Seenotrettern muss zuverlässig funktionieren, wenn der Notruf eingeht. Dafür brauchen wir Spender, die uns langfristig und eben zuverlässig unterstützen.

Wer an  gemeinnützige Organisation spendet, erhält von dieser eine Zuwendungsbestätigung (ZWB) und kann die Spende damit steuerlich absetzen. Wie nutzen Sie mit Ihrer Organisation den Versand der ZWB zur Spenderbindung?

Die Zuwendungsbestätigung ist für uns ein zentrales Element der Fördererbindung. An erster Stelle steht der Dank an den Spender, an zweiter erst die Spendenbescheinigung. Einen Dank bekommt bei uns deshalb auch, wer 20 Euro spendet. Und wenn wir ihm schon danken, dann bekommt er natürlich auch gleich seine Zuwendungsbestätigung, auch wenn sie erst ab 200 Euro notwendig wäre. Ein Neuspender bekommt sogar schon für 5 Euro ein Dankeschön.

Was spricht dafür, die ZWB einmal pro Jahr oder nach jeder einzelnen Spende zu verschicken?

Ein Spender möchte wissen, ob sein Geld tatsächlich angekommen ist, und er möchte als Unterstützer wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Er möchte aber gleichzeitig nicht, dass seine Organisation unnötig Geld für Verwaltungsdinge ausgibt. Die Sammel-ZWB hat natürlich den großen Vorteil der geringeren Kosten und einfacheren Abwicklung. Die Gefahr ist nur, dass der Kontakt, also die Bindung zum Spender, dabei verloren geht. Wir handhaben das trotz der großen Mengen sehr individuell. Und wer uns beispielsweise monatlich unterstützt, bekommt natürlich keine Einzelbestätigungen.

Eine immer wieder stark diskutierte Frage unter gemeinnützigen Organisationen ist die Form und Ausgestaltung der Danksagung. Wie schnell wird bei der DGzRS Die Seenotretter nach einer Spende eine Bedankung ausgesprochen und welche Spendergruppen erhalten welche Form der Danksagung? (interessant wäre noch ein Hinweis, wer bei Ihnen die Danksagung ausführt)

Je schneller der Dank beim Spender ist, desto besser und desto größer die Wirkung. Bei größeren Spenden versuchen wir noch am Tag des Zahlungseingangs, einen Telefonkontakt herzustellen. Ansonsten geht  unser Dankbrief zusammen mit der ZWB in der Regel innerhalb einer Woche raus. Zum Jahresende dauert es aufgrund der Mengen ein wenig länger. Eine Abstufung des Dankes nach der Spendensumme ist immer problematisch, denn die fünf Euro aus dem Taschengeld des Schülers sind mindestens genauso dankenswert wie die 500 Euro von jemandem, dem eine solche Summe leicht fällt.

Der Aufruf in einem Dankschreiben zu einer weiteren Spendenbitte inkl. der Beilage eines Zahlscheins wird von Organisation zu Organisation unterschiedlich gehändelt. Wie sind Ihre Erfahrungen und nutzen Sie als DGzRS Die Seenotretter die Danksagung als Fundraising-instrument, um weitere Spendenimpulse zu setzten?

Grundsätzlich: Wenn wir uns für eine Spende bedanken, trennen wir ganz bewusst von einer Spendenbitte. Wenn wir aber um Spenden bitten, steht der Dank bei uns immer im Fokus. Anders ist es beim Versand der Jahres-ZWB: Dieses Mailing nutzen wir sehr wohl dazu, nicht nur Danke zu sagen für die Unterstützung im vergangenen Jahr. Wir bieten gleichzeitig ein ganz konkretes Sonderspendenprojekt an, für das es sich lohnt, auch „außer der Reihe“ zu spenden.

Zum Abschluss noch eine letzte Frage, was können Sie aus Ihrer täglichen Arbeit anderen Kollegen als Tipp bei der Gestaltung einer guten/angemessenen Bedankung mitgeben?

Eigentlich ist der Tipp ganz und gar banal und sogar selbstverständlich, und doch gerät es im Tagesgeschäft immer wieder in Vergessenheit. Ich meine den Perspektivwechsel. Wir alle neigen dazu, aus Sicht der Organisation zu schauen: Wie können wir Abläufe optimieren, was macht aus Sicht der Organisation Sinn. Genau das interessiert den Spender nicht. Jeder von uns ist doch auch selbst Spender, und wie möchte ich als solcher selber behandelt werden? Was erwarte ich als Spender von einer Spendenorganisation? Wenn wir uns das zwischendurch immer mal wieder ins Bewusstsein rufen, sind wir schon auf dem richtigen Weg.

http://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2015/06/seenotretter.pnghttp://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2015/06/seenotretter.pngAngela KrzykowskiFundraisingOrganisationen
'Nutzen Sie den Perspektivwechsel und versetzen Sie sich in die Lage des Spenders'. Wir haben dem Geschäftsführer Nicolaus Stadeler von DGzRS - Die Seenotretter in einem exklusiven StiftungsZirkelinterview sieben spannende Fragen zum Thema, 'Was eine gute und nachhaltige Bedankung ausmacht', gestellt. Herr Stadeler, die Adventszeit ist laut GFK CharityScope der stärkste...