Auf zu neuen Ufern! – oder alles bleibt beim Alten!? Ein Kommentar von Andreas Schiemenz, Fundraisingstratege der HSH Nordbank zu den aktuellen Spendenzahlen der GfK.

Zum Jahresanfang haben die zahlreichen Rückblicke auf das alte Jahr Hochkonjunktur. Die gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen schließen das Jahr buchhalterisch ab und stellen die Ergebnisse in ihren Jahresabschlüssen da. Aber auch die Verbände blicken zurück und die Markforscher stellen das Fazit der Vergangenheit zusammen.

So sind durch den Bundesverband Deutscher Stiftungen die Zahlen aus dem Jahr 2014 sehr beeindruckend. Es wurden 691 rechtsfähige Stiftungen im letzten Jahr gegründet und damit wurde die Zahl der Stiftungen auf 20.784 gesteigert. Trotz der stetig sinkenden Erlöse aus dem Stiftungsvermögen werden weiterhin pro Tag fast zwei Stiftungen in unserer Republik gegründet.

Nicht jede dieser Stiftungen benötigt zusätzliche Mittel, aber eine Vielzahl der mit nur geringen Mitteln ausgestatteten Akteure ist auf Spenden und Zustiftungen angewiesen. Daher lohnt es sich, hier auch einen Blick auf den deutschen Spendenmarkt zu werfen. Der Deutsche Spendenrat e.V. und die GFK haben Anfang März gemeinsam die „Bilanz des Helfens 2015“ vorgestellt. Doch lassen wir uns durch den Titel nicht täuschen, die Zahlen beziehen sich auf das Spendenjahr 2014.

Deutliche Veränderungen im deutschen Spendenwesen zu erwarten, wäre vermessen. Die Geber in unserem Lande sind zwar eifrig aber nicht euphorisch. So hat sich zwar das Spendenvolumen auf 4,96 Mrd. Euro erhöht (Vorjahr: 4,7 Mrd. Euro), jedoch ist die Zahl der aktiven Unterstützer von 23,2 Mio. Personen auf 22,4 Mio. Personen gesunken. Die fehlenden 800.000 Spender wurden jedoch von den verbleibenden treuen Geber durch die Erhöhung der Durchschnittsspende von 33 Euro auf 36 Euro mitfinanziert.

Die Spendeneinnahmen waren in der Vergangenheit immer davon abhängig, inwieweit große Katastrophen zusätzliche Geber motivieren konnten. Im letzten Jahr gab es diese großen Katastrophen nicht, jedoch war das Jahr von zahlreichen Krisenherden, von der Ukraine, über den Nahostkonflikt bis hin zu Ebola geprägt. Aber offensichtlich haben diese internationalen Krisenherde die zusätzlichen Spenden nicht abgerufen, denn 52 % der Spenden flossen in regionale oder nationale Projekte. Dieser Trend war auch schon in  den letzen Jahren abzulesen. Nur noch 32 % der Spenden lassen sich internationalen Projekten zuordnen.

Diese Entwicklung wird die zahlreichen regionalen Akteure freuen und die großen, international agierende Organisationen vor neue Aufgaben stellen. Aber die großen Organisationen haben noch einen „anderen Drops zu lutschen.“ Kontinuierlich, so die GFK, verliert der Spendenbrief an Bedeutung. Weiter stark bleibt das Empfehlungsfundraising, in dem Freunde den Anstoß zur Spende geben. Das Empfehlungsfundraising ist mittlerweile der dritt häufigste Grund für einen Spendenanstoß. Auch in diesem Feld können die kleinen, regionalen Akteure Boden gutmachen.

Noch eine schlechte Nachricht für die Internetpropheten. Weiterhin bleibt das Onlinefundraising hinter den Erwartungen zurück. Zwar lesen mittlerweile 25 % der Spender unter 40 Jahren in sozialen Netzwerken über Spenden. Aber nur 4 % spenden daraufhin. Trotz Onlinebanking, trotz Facebook, Twitter und Co., trotz der Onlineumsätze von Amazon, Zalando und anderen bleiben die Gemeinnützigen auf der Strecke. Doch aus tiefer Überzeugung bin ich sicher, dass hier nicht das Problem bei den Spendern liegt. Die häufig langweiligen und wenig inspirierenden Auftritte der Fundraisingorganisationen macht es uns verdammt schwer, modern, schnell, emotional und sicher zu reagieren.

Lassen Sie uns eine Prognose für dieses Jahr wagen. Die Spenderquote bleibt bei etwa 33 Prozent, die Durchschnittsspende wird wahrscheinlich zwischen 30 Euro und 35 Euro liegen. Das Gesamtvolumen stagniert und die jungen finden immer noch nicht den Zugang zu den Organisationen. Warum diese Prognose? Weil sich auch in diesem Jahr die großen Organisationen nicht neu erfinden werden und alles beim Alten bleibt. Die Chance der kleineren, schnellen, kreativen, modernen und flexiblen Stiftungen und Vereine auf zusätzliche Einnahmen wird dadurch steigen. Seien Sie also mutig, seien Sie anders. Nutzen Sie die persönliche Nähe zu Ihren Spendern und gehen auf diese aktiv zu!

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Auf zu neuen Ufern! - oder alles bleibt beim Alten!? Ein Kommentar von Andreas Schiemenz, Fundraisingstratege der HSH Nordbank zu den aktuellen Spendenzahlen der GfK. Zum Jahresanfang haben die zahlreichen Rückblicke auf das alte Jahr Hochkonjunktur. Die gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen schließen das Jahr buchhalterisch ab und stellen die Ergebnisse...