Die Entwicklung der Zinserträge für angelegtes Stiftungskapital ist seit Jahren rückläufig. Lange konnten sich viele Stiftungen über ein wohlstrukturiertes, langfristig angelegtes Kapital freuen. Nur die Laufzeit der Anleihen und die verbleibende Restrendite ist mit jedem Tag weiter abgeschmolzen. Eine Wiederanlage fälliger Papiere erfolgte nicht in dem gleichen Laufzeitband und auf gleichem Renditeniveau. Seit Jahren warten die Anleger auf einen Anstieg an der Zinsfront, um dann endlich wieder zuschlagen zu können. Geparkt wurde die überschüssige Liquidität in kurzfristigen Anlagen, um für alle Fälle gut gerüstet zu sein und schnell ein erfolg- versprechendes Angebot annehmen zu können. Hier und da wurden ein paar Dividendenwerte mit in das Portfolio aufgenommen, auch eine Anlage in Immobilien ist für viele Stiftungen kein Fremdkörper mehr.

Aber zeugt das wirklich von einer verantwortungsvollen Struktur im Anlageprozess? Oder ist es nur ein Warten auf den Silberstreif am Horizont bis die Zinsen wieder gestiegen sind? Struktur im Anlageprozess, was heißt das? Reicht es aus, die in der Vergangenheit bewährten Anlagen ausschließlich zu wählen? Ist es möglicherweise erforderlich auch als kleinere Stiftung sich Gedanken darüber zu machen, wie man das eigene Portfolio veränderten Gegebenheiten der Märkte anpassen könnte, ohne gleich nicht kalkulierbare Risiken einzugehen?

Diese und viele weitere Fragen beschäftigen die Finanzausschüsse der Stiftungen, ob hauptamtlich verwaltet oder ehrenamtlich! Und was ist, wenn die getätigten Entscheidungen nicht den gewünschten Erfolg bringen? Wie ist es mit der Haftung? Diese Sorgen quälen alle Anleger in unsicheren Zeiten, nicht nur Vorstände oder verantwortliche Personen in Stiftungen.

Aber wie macht man es nun richtig? Müssen Anlagerichtlinien her? Zwingen solche Richtlinien den Finanzausschuss oder die mit den Finanzanlagen betrauten Manager auch andere Assetklassen mit in ihre Überlegungen mit einzubeziehen? Oder engen sie nur ein? Sind sie nur das Produkt übermäßigem Kontrollwahns?

Nein. Eine Satzung, in der nur die Weisung steht: „Das Stiftungskapital ist real zu erhalten!“, ist in meinen Augen nicht mehr zeitgemäß und auf keinen Fall dem heutigen Finanzmärkten entsprechend.

Es ist erforderlich, dem Entscheidungsgremium eine Richtschnur mit auf den Weg zu geben, nach dem die Anlagen erfolgen sollen. Punkte wie:

  • Gewichtung der einzelnen Assetklassen
  • Frage nach dem jeweiligen Anlageuniversum
  • Ratingvorgaben
  • Ethische und nachhaltige Themenbetrachtung
  • Risikokapital/Risikotragfähigkeit des Stiftungskapitals
  • Wiederanlagemöglichkeit von Erträgen durch entsprechende Rücklagenbildung
  • Berichts- und Controllingvorgaben für die Entscheidungsprozesse und deren Dokumentation

All diese Themen sind in einem verantwortungsbewussten Anlageentscheidungsprozess nicht mehr weg zu diskutieren.

Ich bin davon überzeugt, dass eine sinnvolle Gewichtung einzelner Assetklassen in einem Stiftungsportfolio zu Risikodiversifizierung und zur Risikoreduzierung beiträgt. In Zeiten normal funktionierenden Märkte ohne massiver Eingriffe der Notenbanken entwickeln sich Zins- und Aktienmärkte häufig gegenläufig und reduzieren damit die Risikolast. Die großen Stiftungsvermögen aus dem In- und Ausland machen uns seit Jahren vor, dass eine vernünftige Mischung von festverzinslichen Papieren, Aktien, Immobilien und alternativen Investments ein gesundes Risiko-Chance-Verhältnis aufzeigt.

Eine grobe Richtschnur können die Anlagerichtlinien geben, in dem Bandbreiten für einzelne Assetklassen fixiert werden. Auch ist es ratsam einen strukturierten Investmentprozess aufzuzeigen, damit Anlageentscheidungen entsprechend dokumentiert werden können. Ausschlaggebend für ein Vermeiden möglicher späterer Haftungsdiskussionen ist eine ausreichend dokumentierte und begründete Anlageentscheidung.
Die Diskussion über Risikotragfähigkeit ist gerade für eine kleinere Stiftung besonders schwer zu führen. Ist man überhaupt in der Lage ein Risiko einzugehen? Viele kleinere Stiftungen werden ehrenamtlich geführt, da ist man froh, wenn im Stiftungsvorstand oder im Beirat jemand ist, der beruflich mit diesen Themen zu tun hat. Es ist nur ein Unterschied, ob man eigenes Geld oder Stiftungsvermögen verwaltet. Da mag die Entscheidung bei der Bank seines Vertrauens ausschließlich zu bleiben, nicht immer die beste Lösung unter Risikogesichtspunkten sein.        Eine Aufteilung des Vermögens auf drei Institute oder auf drei professionell gemanagte Fonds kann hier eine Neutralisierung schaffen, die bei Stiftungsvermögen nicht von der Hand zu weisen ist. An dieser Stelle ist auch darauf zu achten, dass Fachleute in den Anlagegremien frei von eigenen Interessen agieren. Eine Verbindung zwischen dem Bankvertreter in Stiftungsgremien und seinem Arbeitgeber ist grundsätzlich als schwierig zu betrachten.

Beim Management größerer Stiftungsvermögen stellt sich oft die Frage, ob ein externes Management oder besser mehrere Vermögensverwalter eingebunden werden sollten oder eigenes KnowHow aufzubauen sinnvoll wäre. Es bietet sich auch die Vorgabe in den Anlagerichtlinien zur Bildung eines Anlageausschusses an, der dem Entscheidungsträger Empfehlungen über anstehende Anlageentscheidungen ausspricht. Durch eine Diskussion in so einem Extragremium können viele spannende Impulse entstehen, die die Anlagepolitik der Stiftungen bereichern könnten.

Fazit:

Ein verantwortungsvolles Management von Stiftungsvermögen, welches auf sehr lange Sicht erhalten bleiben soll, bedarf somit einer entsprechenden Vorgabe über den Prozess der Anlageentscheidungen und eines Rahmens, in dem die Anlagestruktur des Vermögens sich bewegen darf. Ist beides nicht vorhanden, mag das den Entscheidungsgremien mehr Freiheiten geben, der Erfolg hängt aber sehr stark von den Fähigkeiten der handelnden Personen ab. Gibt es im Gegensatz dazu ein gewisses Grundgerüst, in dem das anvertrautes Vermögen bewegt werden soll, ist die Wahrscheinlichkeit dem Stifterwillen nach Erhalt seines eingebrachten Vermögens gerecht zu werden, in meinen Augen deutlich größer!

Angela Krzykowski, Abteilungsdirektorin Philanthropie & Stiftungen                                                                HSH Nordbank AG

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Die Entwicklung der Zinserträge für angelegtes Stiftungskapital ist seit Jahren rückläufig. Lange konnten sich viele Stiftungen über ein wohlstrukturiertes, langfristig angelegtes Kapital freuen. Nur die Laufzeit der Anleihen und die verbleibende Restrendite ist mit jedem Tag weiter abgeschmolzen. Eine Wiederanlage fälliger Papiere erfolgte nicht in dem gleichen Laufzeitband und...