Was wir in Deutschland von Alumni-Netzwerken in Großbritannien lernen können?

Überraschend viele Alumni-Netzwerke deutscher Universitäten, Stiftungen und anderer Institutionen basieren auf dem Opt-in-Prinzip, das heißt der Ehemalige muss sich aktiv dafür entscheiden, dem Alumni-Verein beizutreten und in vielen Fällen wird ein regelmäßiger Mitgliedsbeitrag verlangt. Davon hat man sich in Großbritannien weitestgehend verabschiedet.

  • Alumni-Netzwerke werden dort nicht als „exklusive Clubs“ verstanden, zu denen man sich (kostenpflichtigen) Beitritt verschaffen muss
  • Der Alumni-Status wird als die logische und verdiente Konsequenz aus dem vorangegangenen Status als Student, Stipendiat oder Hospitant betrachtet.

Mitgliedsbeiträge mögen vielleicht zunächst die Finanzierung des Alumni-Netzwerkes sichern, gleichzeitig erschweren sie jedoch jegliche Fundraising-Bemühungen. Ein Alumnus, der sich als zahlendes Mitglied eines Vereins versteht, wird einem Spendenaufruf eher mit Unverständnis begegnen als ein Alumnus, der bisher von den kostenlosen Angeboten und Leistungen seiner ehemaligen Institution profitiert hat – und sich nun mit einer großzügigen, womöglich regelmäßigen Spende bedanken möchte.

Die Betreuung und Weiterentwicklung eines erfolgreichen Alumni-Netzwerkes erfordert in erster Linie eine gute Infrastruktur.

  • Das heißt eine Datenbank oder besser noch ein Customer-Relationship-Management-System, wie zum Beispiel The Raiser’s Edge (einer der Marktführer im britischen Alumni- und Donor-Management).
  • So nützlich und sinnvoll Excel in vielen Bereichen auch ist, sollte es in der professionellen Alumni-Arbeit lediglich eine Nebenrolle spielen. Systematische Datenanalyse und effektive Zielgruppensegmentierung in Hinblick auf Kommunikation, Marketing und Fundraising kann nur mit entsprechender Software geleistet werden.

Was britische Einrichtungen auch sehr viel beherzter verfolgen als deutsche, ist, ihre Kunden- bzw. Alumnidaten stets auf dem aktuellsten Stand zu halten. Dabei verlässt man sich nicht darauf, dass sich der Alumnus nach seinem Umzug von selber meldet, um seine neuen Kontaktdaten durchzugeben.

  • In Großbritannien sehen Universitäten und Stiftungen es als ihre eigene Verantwortung, ihre Alumni auf verschiedenstem Wege (z.B. Magazin-Beilage, Email- oder Social Media-Aufruf, Telefonkampagne) zur regelmäßigen Überprüfung und gegebenenfalls Aktualisierung ihrer Daten aufzurufen.
  • Spezielle Dienstleister bieten zudem „data cleansing services“ (Datenbereinigung) an, die zwar nicht günstig sind, sich aber letztlich bezahlt machen.
  • Aus eigener Erfahrung mit Direct Mailing- und Telefonkampagnen kann ich bestätigen, dass ein „sauberer Datensatz“ die Grundvoraussetzung für erfolgreiches Alumni-Management und –Fundraising ist. Und dies erfordert kontinuierliche, aktive Bemühungen seitens der Institution.

Ein letzter Punkt, auf den ich eingehen möchte, ist, dass in Deutschland auffällig viele Alumni-Netzwerke weitestgehend unabhängig von ihrer dazugehörigen Institution agieren. Meist liegt es daran, dass sich Ehemalige zusammengetan und eigenständig einen Alumni-Verein gegründet haben, oder dass die Aufgabe der Betreuung ihnen von der Institution übertragen wurde. Dies ist nicht grundsätzlich als schlecht zu bewerten, ermöglicht es doch eine breite Vernetzung und einen regen Austausch der Alumni untereinander. Es kann jedoch nicht wirklich im Sinne der betroffenen Hochschule oder Stiftung sein, zumindest dann nicht, wenn sie mit ihrer Alumni-Arbeit bestimmte Absichten und Ziele verfolgen.

In britischen Einrichtungen behält man lieber die Kontrolle über seine Alumni-Netzwerke und investiert in professionelle Mitarbeiter, die sich ganz der Betreuung und strategischen Ausrichtung des Alumni-Programms widmen, natürlich unter Einbindung der Alumni und ihrer Interessen.

Prognosen sagen voraus, dass sich der Bedarf an Alumni- und Fundraising-Spezialisten auch in Deutschland in den nächsten Jahren merklich erhöhen wird.

Linda Großmann war von Dezember 2011 bis Juli 2014 Annual Fund Officer (Referentin für Alumni-Fundraising) an der University of Surrey in England.

 

http://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2014/10/system-71228_1280-940x636.jpghttp://www.neues-stiften.de/wp-content/uploads/2014/10/system-71228_1280-300x203.jpgGastautorFundraisingOrganisationen
Was wir in Deutschland von Alumni-Netzwerken in Großbritannien lernen können? Überraschend viele Alumni-Netzwerke deutscher Universitäten, Stiftungen und anderer Institutionen basieren auf dem Opt-in-Prinzip, das heißt der Ehemalige muss sich aktiv dafür entscheiden, dem Alumni-Verein beizutreten und in vielen Fällen wird ein regelmäßiger Mitgliedsbeitrag verlangt. Davon hat man sich in Großbritannien...