Über den Umgang mit Zielsetzungen.

Gemeinnützige Projekte sind in der Regel die Summe aus hohem Engagement, Organisation, strategischen Überlegungen und der Problemlösung für einen ganz konkreten Bedarf. Da ist es regelrecht wohltuend, wenn dieser Aufwand nicht nur ideelle Anerkennung, sondern auch materielle Förderung erfährt. Die Spielregeln hierfür wirken jedoch zeitweise unübersichtlich und die formalen Hürden anstrengend hoch.

Von Markus Kaminski

„Staat“ (als Sammelbegriff für alle Einrichtungen von der kommunalen Ebene bis hin zur EU) muss verschiedene hoheitliche Aufgaben umsetzen. In vielen Fällen hat „Staat“ dafür eigene Strukturen, die diese Umsetzung verantworten und gesellschaftlich gewollte Ergebnisse produzieren. Ein plakatives Beispiel dafür ist der Sektor Schule. „Staat“ betreibt hier – mit einer klar geregelten Verteilung von Verantwortlichkeiten – ein eigenes System, das am Ende eines Schuljahres Absolventen auswirft. Das funktioniert nach festgesetzten Regeln und unter politischer Aufsicht.

Der Förderetat

Grenzen hat dieses System etwa bei den Schulabbrechern. Hier könnte „Staat“ mit einem eigenen System nicht schnell und flexibel genug agieren. Daher gibt es für diese Aufgabenstellung einen Förderetat, mit dem klar fokussierte Arbeitsgruppen vor Ort an dieser Problemstellung arbeiten. Komplizierterweise tritt „Staat“ in vergleichbaren Situationen nicht nur als Fördergeber, sondern in bestimmten Fällen auch als (Mit-)Akteur in Erscheinung. Private Geber verfahren nach demselben Prinzip. Zur Verwirklichung übergeordneter Zielsetzungen setzen sie eigene Strukturen und/oder Förderetats ein. Auch sie beteiligen sich in bestimmten Fällen mit unmittelbarer Präsenz in der Projektumsetzung.

Keine Almosen

Beide Charaktere von Förderern verteilen also keine Almosen, die sie mit mildtätigem Gesichtsausdruck in der Projektlandschaft verteilen, sie haben sich übergeordneten Aufgabenstellungen verpflichtet, die sie mit ihrem Einsatz umgesetzt sehen wollen. Nicht zuletzt aus diesem Grund besteht der Sinn von Förderung nicht darin, dass am Ende einer Förderperiode noch möglichst viel Geld in der Kasse ist, sondern dass möglichst viele erfolgreiche Projekte an der Verwirklichung dieser definierten Zielsetzungen mitgewirkt und eine höchstmögliche Anzahl an „Baustellen“ geschlossen haben.

Ungenauer Projektbegriff

Spätestens hier wird klar, warum derlei Etats in der Regel als Projektförderung und nicht als institutionelle Förderung für die ausführenden Strukturen ausgeschüttet werden. An dieser Stelle laufen viele Antragsteller in eine selbstgestellte Falle: Die eigene Organisation ist kein Projekt! Ein Projekt hat immer einen klar terminierten Anfang, ein ebenso klar terminiertes Ende, ein Ergebnis (das den vorab gegebenen Versprechen möglichst nahe kommen sollte) und einen Nachweis über die (vereinbarte) Fördermittelverwendung. Ein allzu großzügiger Umgang mit diesen Rahmenbedingungen bremst den möglichen Erfolg der Fördermittelakquise.

Förderer missionieren

Eine weitere Bremse besteht darin, Förderer von neuen, abweichenden Zielsetzungen überzeugen zu wollen. Tritt „Staat“ als Fördergeber auf, ist der Versuch ohnehin müßig. Bei privaten Fördergebern kann das funktionieren, ist aber eher die höhere Schule. Streuschüsse bei der Antragstellung („Die fördern doch alle so viel – warum nicht dann auch uns?“) sind vor diesem Hintergrund ebenfalls nicht die erste Wahl. Instanterfolge sollten hier nicht darüber hinwegtäuschen, dass in solchen Fällen eher diffuse Zielsetzungen festgelegt sind und die konkreten Zuwendungen meist im sehr überschaubaren Rahmen bleiben.

Keine Anpassung um jeden Preis

Umgekehrt macht es allerdings auch wenig Sinn, das eigene Projekt extra für die übergeordnete Zielsetzung aufzubauen. Können im Rahmen der Projektdurchführung durchaus marktübliche Honorare gezahlt werden, läuft die gesamte Projektvorbereitung und die Beantragung von Förderung auf eigenes Risiko. Dazu ohne einen konkret nachvollziehbaren Bedarf vor Ort freiwillige Mitstreiter zu finden, gehört eher in den Bereich der Utopie. Was durchaus Sinn machen kann, ist die Inaugenscheinnahme verschiedener Förderquellen. In vielen Fällen ist es möglich, durch eine andere Schwerpunktsetzung die Förderbedingungen von Gebern zu erfüllen, die man im ersten Schritt gar nicht im Fokus hatte. Doch auch hier sollte man nicht der Versuchung erliegen, ein stringentes Projekt zu verbiegen und auf Krampf passend zu machen.

Niederlage als Referenz

Fördergeber handeln ihre Zielsetzungen im eigenen Interesse transparent. Existieren konkrete Ausschreibungen, kann man die einzelnen Punkte regelrecht abhaken. Der gängige Teil der antragsgestützten Verfahren ist auch kein Buch mit sieben Siegeln mehr. Eine knappe Niederlage bei der Fördermittelvergabe ist zudem keine Katastrophe – eine hohe Bewertung bei der Antragsevaluation ist durchaus eine Referenz für andere Geber. Lediglich bei der konkreten Zielsetzung hat halt ein anderes Projekt noch ein Quäntchen besser gepasst.

Der lästige Mehrwert

Zwei Parameter müssen Fördermittelakquisiteure übrigens regelrecht in ihrer DNA mit sich herumtragen: Reichweite und Mehrwert. Auch absoluten Laien ist vollkommen klar, dass ein Geber, dessen übergeordnete Zielsetzungen die gesamte Republik, DACH oder gar Europa betreffen, kein – noch so ambitioniertes – Stadtteilprojekt fördern wird. Hier müssen die Reichweiten einigermaßen zueinander passen. Zusätzlich muss bei allen Beteiligten Konsens darüber herrschen, was nach erfolgreichem Abschluss des Projektes „besser“ geworden ist. Hier liegt dieCrux von Förderung – das Projektergebnis muss Newswert haben!

Markus Kaminski ist mit den Tätigkeitsschwerpunkten „Institutional Readiness“ und „Dissemination“ im Dritten Sektor unterwegs. Der zertifizierte EU-Fundraiser ist Autor verschiedener Fach- und Leitartikel zu Stiftungs- und Fundraisingthemen.
Weitere Informationen und Kontakte: WortBild.Kaminski
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Über den Umgang mit Zielsetzungen. Gemeinnützige Projekte sind in der Regel die Summe aus hohem Engagement, Organisation, strategischen Überlegungen und der Problemlösung für einen ganz konkreten Bedarf. Da ist es regelrecht wohltuend, wenn dieser Aufwand nicht nur ideelle Anerkennung, sondern auch materielle Förderung erfährt. Die Spielregeln hierfür wirken jedoch zeitweise...